Konservative Rollenverteilung
Umfrage: Haus- und Familienarbeit in Pandemie Frauensache

Die Pandemie bringt mehr Homeoffice mit sich. Und zumindest vorübergehend Homeschooling und eingeschränkte Kinder-Betreuung. Die Zusatzbelastung geht laut Studie vor allem auf das Konto der Frauen.

Donnerstag, 03.12.2020, 15:13 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 17:02 Uhr
Wer kümmert sich in der aktuellen, besonderen Situation durch Corona vorwiegend um die Hausarbeit?.
Wer kümmert sich in der aktuellen, besonderen Situation durch Corona vorwiegend um die Hausarbeit?. Foto: Jens Kalaene

Gütersloh (dpa) - In der Pandemie lastet die Haus- und Familienarbeit einer Umfrage zufolge vor allem auf den Schultern der Frauen. In Zeiten mit coronabedingt viel Homeoffice und vorübergehendem Homeschooling folgt die Verteilung der Aufgaben daheim vorwiegend klassischen Rollenbildern.

Das ergab eine Erhebung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Für die repräsentative Befragung hatte der Marktforscher Ipsos mehr als 1000 Menschen befragt. «Haus- und Sorgearbeit ist Sache der Frauen. Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie wenig sich an der überkommenen Rollenverteilung geändert hat», kritisierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.

Die Folgen von Einschränkungen im öffentlichen und beruflichen Leben und bei den Betreuungsangeboten für die Kinder belasten laut Studie vor allem Frauen stark - Kochen, Kinderbetreuung, schulische Unterstützung. Rund 69 Prozent der Frauen gaben an, dass sie überwiegend die generelle Hausarbeit erledigen. Unter den Männern sagten das nur 11 Prozent von sich, wie es in der am Donnerstag veröffentlichten Erhebung hieß.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei Kinderbetreuung und Homeschooling: Die Frauen übernahmen hier nach eigenen Angaben zu 51 Prozent die anfallenden Aufgaben, unter den Männern sagten das 15 Prozent. Auch die Wahrnehmung fällt unterschiedlich aus: Nach Einschätzung der meisten Männer - 66 Prozent - sind Kinderbetreuung und Hausarbeit gerecht verteilt. Aber nicht einmal jede zweite befragte Frau sieht nach Angaben der Stiftung eine gerechte Arbeitsteilung. Rund 43 Prozent gaben an, dass ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwerer falle als sonst. Und 49 Prozent sehen sich körperlich, psychisch und emotional an der Grenze.

Zugleich meinte jede zweite Frau, dass schon vor der Pandemie Hausarbeit und Kinderbetreuung ungleichmäßig aufgeteilt gewesen seien. Die Corona-Krise hat also laut Stiftung weniger einen Rückfall in traditionelle Rollen verursacht. Sondern es zeige sich vielmehr, dass die klassische Rollenverteilung «bisher so gut wie gar nicht aufgebrochen» gewesen sei.

DGB-Vize Hannack sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Frauen vereinbaren Beruf und Familie, Männer machen weiter wie gehabt.» Das müsse sich ändern. Für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen brauche es flexible Arbeitszeitmodelle, die sich an den Familienaufgaben orientierten. Zudem sei eine finanzielle Absicherung in Phasen von Erwerbsreduzierung nötig. Unternehmen sollten «Konzepte für alltagstaugliche Arbeitszeiten im Lebensverlauf» anbieten.

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hatte jüngst gewarnt, dass Frauen als große Verliererinnen aus der Pandemie hervorgehen könnten. Eine «Retraditionalisierung der Geschlechterrollen» sei bereits in vollem Gange, sagte die Frauenrechtlerin vor einigen Wochen der dpa. Es brauche mehr Krippen, Kitas, Ganztagsschulen. Zudem müssten die sogenannten Frauenberufe aufgewertet werden. «Und zwar nicht mit guten Worten, sondern mit mehr Geld.»

© dpa-infocom, dpa:201203-99-559926/2

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