Vermischtes
Astrologin Teissier wird 75: Über Umwege zum Orakel

Paris (dpa) - Gewichtige Dissonanzen zwischen Pluto und Uranus: Die Zeichen für das Jahr 2013 stehen auf Sturm. Mit dieser Prophezeiung liegt Elizabeth Teissier angesichts zunehmender Haushaltsdefizite und Arbeitslosigkeit wahrscheinlich nicht falsch.

Sonntag, 06.01.2013, 00:24 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 06.01.2013, 00:15 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 06.01.2013, 00:24 Uhr

Im Fall des Ex-Chefs des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn täuschte sich die Sterndeuterin, die am 6. Januar 75 Jahre alt wird, jedoch gewaltig. Weder wurde er Präsident noch warnte sie ihn vor seinem Karriereknick.

Die Jahre 2011 und 2012 hätten für den französischen Politiker «genial» sein sollen. Die Vergewaltigungsvorwürfe sah die Hellseherin nicht. Sie kosteten dem 63-Jährigen im Frühjahr 2011 den IWF-Chefposten. Seine Hoffnungen auf die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten musste er auch aufgeben.

Ihr jüngstes Buch «2012-2016. Weltkrise und Neubeginn», das sie zusammen mit ihrem Mann, dem österreichischen Journalisten Gerhard Hynek, veröffentlicht hat, verheißt für 2013 nicht viel Gutes: Zusammenbruch des Bankensystems und Revolte.

Viele der Prophezeiungen der gebürtigen Schweizerin haben sich nicht bewahrheitet. Weder Bundeskanzler Helmut Kohl wurde 1986 gestürzt, noch kam auf die Erde eine Katastrophe aus dem Weltall zu. Die Liste ihrer Fehldiagnosen ist beachtlich. Dennoch behauptet sie, dass 80 Prozent ihrer Prophezeiungen richtig gewesen seien. «Der Mensch hat die Tendenz, sich eher das Negative zu merken, das Positive vergisst er schnell», erklärte Teissier in einem Interview. So habe sie das Attentat auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan am 30. März 1981 durchaus richtig vorausgesagt - wenn auch nur in Form einer «Gefährdung».

Teissiers Sternstunde schlug in den 70er Jahren. In Boulevardblättern deutete sie die Konstellation von Jupiter, Pluto und Saturn. Im französischen Fernsehen moderierte sie ihre eigene astrologische Sendung und in Deutschland machte sie vor allem durch ihr Mitwirken in der «Astro-Show» Furore. Ihre Prophezeiungen wurden zu Bestsellern. Ihre in etwa 20 Sprachen übersetzten Bücher «Und die Sterne haben doch recht» und «Verbrennt die Hexe nicht» verkauften sich weltweit millionenfach.

Auch Frankreichs Politiker nahmen die Dienste Teissiers in Anspruch, vor allem der damalige Präsident François Mitterrand. Ob es sich um die problematische Situation nach dem Putsch in Moskau oder das geeignete Datum für das Referendum über den Maastricht-Vertrag handelte: Teissier fragte für den Staatschef bei den Sternen um Rat. Ab 1989 ging sie im Élysée-Palast regelmäßig ein und aus. 1997 veröffentlichte Teissier über ihre Gespräche mit Mitterrand ein Buch («Sous le signe de Mitterrand»).

Die Tochter eines Schweizers und einer Französin fand erst nach Lehramtsstudium, Auftritten als Coco Chanel-Mannequin sowie einer Reihe kleinerer Filmrollen zu den Sternen. Die Fachfrau für Zukunftsfragen warnt vor Katastrophen und Attentaten, doch bestimmte Themen sind tabu. So würde sie nie sagen, wann der Papst stirbt oder sie. «Ich kenne die schwarzen Punkte meines Schicksals. Ich könnte sogar den Tag meines Todes ausrechnen, aber das will ich nicht», sagte die Hellseherin - denn die Astrologie stärke den Starken und töte den Schwachen.

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