Zeichen stehen auf Konflikt
Kein Fortschritt bei Ryanair-Tarifgesprächen

Keine Annäherung im Tarifkonflikt bei Ryanair: Die Gewerkschaften dringen auf eine Lösung für die Beschäftigten in Bremen, die ihre Arbeitsplätze verlieren sollen. Arbeitsminister Heil greift die Fluggesellschaft an.

Freitag, 19.10.2018, 20:42 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 19.10.2018, 20:37 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 19.10.2018, 20:42 Uhr
Demonstrierende Ryanair-Mitarbeiter in Frankfurt am Main.
Demonstrierende Ryanair-Mitarbeiter in Frankfurt am Main. Foto: Silas Stein

Frankfurt/Berlin (dpa) - Im Tarifkonflikt mit der irischen Fluggesellschaft Ryanair stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation. Die Gewerkschaft Verdi setzte in Berlin die am Vortag unterbrochenen Tarifgespräche für die rund 1000 Flugbegleiter in Deutschland fort.

Sie machte aber ebenso wie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) eine Lösung von Regelungen für den Standort Bremen abhängig. Diesen will Ryanair zum 5. November schließen. Das bedeutet den Wegfall von 90 Arbeitsplätzen.

Nach Verdi-Angaben beendeten beide Seiten ihre Gespräche am Abend. «Wir werden die einzelnen Punkte über das Wochenende bewerten und uns dann am Montag äußern», hieß es aus der Gewerkschaft.

Nach einem Treffen mit Ryanair-Beschäftigten am Frankfurter Flughafen kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eine Initiative zur Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes an. Dieses sieht für das fliegende Personal eine Arbeitnehmervertretung bisher nur vor, wenn zuvor ein Tarifvertrag abgeschlossen wurde. Entsprechende Versuche waren bei Ryanair gescheitert. Diese Lücke solle geschlossen werden, sagte Heil.

Er hielt Ryanair vor, mit dem Beschäftigungsmodell die Hoffnungen junger Menschen aus ganz Europa zu missbrauchen. Der Konflikt sei mehr als eine Tarifauseinandersetzung, aus der sich die Politik heraushalten würde. «Wer sich so benimmt, legt sich mit der gesamten Regierung eines wichtigen Mitgliedstaates an», betonte Heil. Verdi und die VC fordern in den Tarifverhandlungen deutlich höhere Gehälter - aber auch bessere Arbeitsbedingungen nach den Standards des jeweiligen Landes, in dem die Mitarbeiter angestellt sind.

Für Bremen verlangen beide Gewerkschaften mindestens einen Sozialplan, besser noch eine Fortführung des Standortes. Sonst werde es keine Fortschritte bei den Verhandlungen geben. Nach dem Treffen in Frankfurt warf Verdi-Chef Frank Bsirske dem Unternehmen «nackte Repression» vor. Bei den Arbeitsbedingungen begegne einem das 19. Jahrhundert.

Die VC erwarte ein verbessertes Tarifangebot von Ryanair, sagte ihr Präsident Martin Locher. Die Schließung der Basis in Bremen stehe zweifelsfrei im Zusammenhang mit den vorangegangenen Streiks. «Die Kollegen sollen sich innerhalb von zwei Wochen entscheiden, ob sie künftig aus Marokko, Portugal, Italien oder Polen fliegen sollen. Das werden wir nicht hinnehmen.»

Zuletzt hatten Flugbegleiter und Piloten von Ryanair in Deutschland am 12. und am 28. September je einen Tag lang gemeinsam gestreikt. Zahlreiche Flüge in Deutschland waren ausgefallen.

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