Nach fast 20 Jahren
Flowtex-Insolvenzverfahren vor Abschluss

Der Skandal des Bohrmaschinen-Händlers Flowtex brach in jeder Hinsicht Rekorde: größter deutscher Betrugsfall seit 1945, über 120 Ermittlungsverfahren, Minister-Rücktritte. Nun sehen manche Gläubiger einen Teil ihres Geldes wieder.

Sonntag, 21.10.2018, 10:40 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 21.10.2018, 10:37 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 21.10.2018, 10:40 Uhr
Die Flowtex-Gruppe aus Ettlingen hatte in den Neunzigerjahren mehr als 3000 nicht existente Spezialbohrmaschinen für den Tunnelbau verkauft, von denen jede einzelne 1,5 Millionen Mark kostete.
Die Flowtex-Gruppe aus Ettlingen hatte in den Neunzigerjahren mehr als 3000 nicht existente Spezialbohrmaschinen für den Tunnelbau verkauft, von denen jede einzelne 1,5 Millionen Mark kostete. Foto: Uli Deck

Achern (dpa) - Fast zwei Jahrzehnte nach der Aufdeckung des größten Milliardenbetrugs in der deutschen Nachkriegsgeschichte bekommen die Gläubiger des Skandal-Unternehmens Flowtex einen kleinen Teil ihres Geldes zurück.

Das zentrale Insolvenzverfahren über das vorhandene Restvermögen der Flowtex Technologie GmbH & Co. KG steht unmittelbar vor dem Abschluss, wie ein Sprecher von Insolvenzverwalter Eberhard Braun der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Insgesamt werden aktuell noch einmal knapp 30 Millionen Euro ausgeschüttet.»

Nach der Ausschüttung kann das Amtsgericht Karlsruhe das im April 2000 eröffnete Insolvenzverfahren abschließen. Eine erste Vorabzahlung von 35 Millionen Euro hatte es 2005 gegeben. Insgesamt bekommen die Gläubiger damit laut Insolvenzverwalter gut 5 Prozent ihrer anerkannten Forderungen von 1,2 Milliarden Euro zurück.

Die Flowtex-Gruppe aus der badischen Kleinstadt Ettlingen am Fuße des Schwarzwalds hatte in den 90er Jahren mehr als 3000 nicht existente Spezialbohrmaschinen für den Tunnelbau verkauft, von denen jede einzelne 1,5 Millionen Mark kostete. Das Landgericht Mannheim bezifferte den Gesamtschaden in den Strafprozessen gegen Firmenboss Manfred Schmider («Big Manni») und dessen Kollegen auf über zwei Milliarden Euro.

Die Käufer waren Leasingfirmen, als Leasingnehmer trat ein anderes Unternehmen der Flowtex-Gruppe auf - ansonsten hätten die Käufer schnell gemerkt, dass es die Maschinen gar nicht gab. Die fälligen Leasingraten finanzierte Flowtex mit den Einnahmen aus dem Verkauf von immer mehr nicht vorhandenen Maschinen. Das gigantische Schneeballsystem flog im Frühjahr 2000 auf. Folgen waren das Insolvenzverfahren, über 120 Ermittlungsverfahren, eine Serie von Straf- und Zivilprozessen, ein politischer Skandal sowie der Rücktritt zweier FDP-Minister der damaligen CDU/FDP-Landesregierung.

«Im Schnitt liegen die Insolvenzquoten über alle Insolvenzverfahren in Deutschland bei 3 bis 5 Prozent», sagte der Sprecher von Insolvenzverwalter Braun. «Wir liegen also beim Unternehmensinsolvenzverfahren Flowtex am oberen Rand des Durchschnitts.»

Noch kein Ende in Sicht ist dagegen bei einem zweiten großen Insolvenzverfahren des Flowtex-Komplexes zum persönlichen Vermögen von «Big Manni». Firmenboss Schmider hatte beträchtliche Teile seines Reichtums seiner Frau übertragen und in die Schweiz geschafft beziehungsweise dort angelegt.

«Hier warten wir noch auf den Abschluss mehrerer Verfahren vor Schweizer Gerichten», sagte der Sprecher. «In diesen Verfahren geht es vor allem um die konkrete Zuordnung von dortigen Vermögenswerten, die wir für die Masse beanspruchen. Dazu zählt beispielsweise der Erlös aus dem Verkauf eines Hauses in der Schweiz, der zunächst auf das Konto der Ex-Frau des Herrn Schmider geflossen war.»

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