Aufstellung des Vergleichsportals Verivox
Strafzinsen auf dem Vormarsch: Immer häufiger Minuszinsen auf Konten

Münster/Heidelberg -

Minuszinsen auf große Guthaben sind bei vielen Geldhäusern auch für Privatkunden seit Monaten üblich. Wer mehr als 50.000 oder gar 100.000 Euro bei einer Bank parkt, wird – zumindest als Neukunde – zur Kasse gebeten. Ein Negativzins von 0,5 Prozent ist durchaus keine Seltenheit.

Dienstag, 03.03.2020, 19:25 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 20:06 Uhr
Aufstellung des Vergleichsportals Verivox : Strafzinsen auf dem Vormarsch: Immer häufiger Minuszinsen auf Konten
Mehrere Banken haben Negativzinsen für Guthaben eingeführt. Foto: dpa

Einige Banken und Sparkassen bitten neue Kunden inzwischen schon ab dem ersten Guthaben-Euro zur Kasse. Seit der letzten Zinssenkung der Europäischen Zen­tralbank (EZB) vor knapp sechs Monaten habe sich die Zahl der Institute damit auf mindestens 61 mehr als vervierfacht, geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Aufstellung des Heidelberger Vergleichsportals Verivox hervor.

Dem Portal zufolge liegt bei zehn Instituten die Minuszinsgrenze auf dem Tagesgeldkonto bei weniger als 100 000 €. Nur zwei davon erheben Negativzins auf das gesamte Guthaben: die VR-Bank Fürstenfeldbruck und die VR-Bank Westmünsterland mit Sitz Coesfeld.

Abschreckung für Fremdkunden

Dr. Anne Täubert, Marketingleiterin der VR-Bank Westmünsterland, betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass von der Regel ausschließlich Neukunden betroffen seien, die via Internet ein Tagesgeldkonto eröffnen. „Das soll Fremdkunden aus ganz Deutschland abschrecken, die ihr Geld günstig parken wollen“, so Täubert. Für eigene Kunden mit sehr hohen Guthaben würden individuelle Vereinbarungen getroffen.

„Das ganz Thema trifft maximal ein Prozent unserer Kunden“, betonte Täubert. Sie wirbt für Verständnis für die Zinspolitik der VR-Bank. Schließlich habe ja die EZB Mitte September 2019 den Strafzins, den Finanzinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld an die Notenbank geben, auf 0,5 Prozent verschärft. Allerdings wurden die Freibeträge für die Banken kürzlich erhöht.

„Schutz des Spargedankens“

Verbände wie der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen in Neu-Isenburg, zu dem auch die Volks- und Raiffeisenbanken aus dem Münsterland gehören, erwarten allerdings keine Negativzinsen auf breiter Front. Die Volks- und Raiffeisenbanken nähmen den „Schutz des Spargedankens“ sehr ernst, hatte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Ingmar Rega jüngst gesagt. Pressesprecher Volker Hetterich betonte am Dienstag allerdings die Autonomie der einzelnen Geldhäuser.

Bei den Sparkassen im Münsterland ist offenbar noch kein Minuszins für kleinere Guthaben in Sicht. „Davon ist uns nichts bekannt“, erklärte Pressesprecher Volker Wüllner.

Deutschlandweit haben seit dem Jahreswechsel laut Verivox 35 Geldhäuser Negativzinsen für Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto eingeführt. Damit sind solche Banken aber immer noch klar in der Minderheit: Das Vergleichsportal wertet regelmäßig die im Internet veröffentlichten Preisaushänge von rund 800 Banken und Sparkassen aus. Um dem Negativzins zu entgehen, rät Verivox den Sparern, ihr Geld in einem Mix aus Festgeld und preisgünstigen, nicht gemanagten Indexfonds, ETFs genannt, anzulegen.

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