Sorge vor Infizierung
Bargeld oder Karte - Zahlen Verbraucher in der Krise anders?

Die Deutschen hängen an Scheinen und Münzen. Doch die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist groß. Kommt Bargeld in der Krise aus der Mode?

Freitag, 10.04.2020, 06:53 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 06:56 Uhr
Zahlen Verbrauch in der Krise lieber mit Bargeld oder mit Karte?.
Zahlen Verbrauch in der Krise lieber mit Bargeld oder mit Karte?. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Frankfurt (dpa) - Die meisten Menschen in Deutschland bezahlen Umfragen der Bundesbank zufolge seit Beginn der Corona-Krise ihren Einkauf wie gewohnt. Lediglich 25 Prozent von rund 1000 Befragten haben ihr Zahlungsverhalten geändert.

«Wir können aus der aktuellen Momentaufnahme nur erkennen, dass - auch wenn es ernst wird, also in der Krise - Bargeld immer noch ein sehr beliebtes Zahlungsmittel des täglichen Gebrauchs ist», sagte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann der dpa. «Unmittelbare Auswirkungen auf das mittelfristige Bezahlverhalten können wir aus der momentanen Situation nicht erkennen.»

Die Nachfrage nach Scheinen und Münzen bei der Bundesbank ist Beermann zufolge nicht geringer geworden. Nach einem Anstieg zu Beginn der Pandemie hätten sich die Volumina jetzt wieder in etwa auf Vorjahresniveau eingependelt. Dagegen habe die Bundesbank Erkenntnisse, «dass im bargeldlosen Bereich, zum Beispiel bei Kreditkarten, die Zahlungsvolumina deutlich zurückgegangen sind. Das kann auch gar nicht anders sein, weil viele Geschäfte ja geschlossen sind», sagte Beermann.

Fast alle, die ihr Zahlungsverhalten geändert haben, begleichen Einkäufe der Umfrage zufolge seltener bar (90 Prozent). 79 Prozent zahlen häufiger kontaktlos mit der Girocard und 62 Prozent verstärkt mit PIN oder Unterschrift. Doppelnennungen waren möglich. Als Gründe nannten diese Befragten hygienische Überlegungen, Infektionsschutz und Kontaktvermeidung. Ein Viertel der Verbraucher, die ihre Einkäufe seltener mit Scheinen und Münzen beglichen, führten dies auf Aufforderungen oder Hinweise in den Geschäften vor Ort zurück. 18 Prozent verwiesen auf allgemeine Hinweise zu Maßnahmen gegen das Coronavirus.

Beermann betonte, es gebe keine Erkenntnisse, dass Verbraucher bei der Verwendung von Bargeld einem höheren Ansteckungsrisiko mit dem neuen Coronavirus ausgesetzt seien.

Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft von Ende März nutzen die Menschen verstärkt die Möglichkeit an der Supermarkt-Kasse, der Tankstelle oder bei sonstigen Einkäufen kontaktlos zu bezahlen. Mehr als die Hälfte aller Girocard-Zahlungen wurde demnach zuletzt kontaktlos durchgeführt wurden. Im Dezember habe dieser Anteil noch bei 35 Prozent gelegen.

Beim kontaktlosen Bezahlen müssen die Käufer Ihre Plastikkarten nicht in ein Lesegerät stecken und an dem Terminal eine PIN eingeben, sondern brauchen die Karte nur an das Terminal halten. Dabei wird bislang ab einem Betrag von 25 Euro eine PIN-Eingabe notwendig. Die Deutsche Kreditwirtschaft will das Limit auf 50 Euro pro Nutzung verdoppeln.

Wie Menschen mit unverändertem Zahlungsverhalten ihre Einkäufe begleichen, wurde nicht gefragt. Grundsätzlich wird auch in Deutschland inzwischen häufiger ohne Scheine und Münzen bezahlt. Im Jahr 2018 gaben sie im stationären Einzelhandel einer Untersuchung des Handelsforschungsinstituts EHI zufolge erstmals mehr Geld per Giro- und Kreditkarte aus als in bar. Drei Viertel aller Einkäufe im Handel werden demnach allerdings weiter bar beglichen.

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