Kurz vor Präsidentschaftswahl
US-Arbeitsmarkt erholt sich von Corona-Schock

Nachdem das Coronavirus den US-Arbeitsmarkt in eine der schwersten Krisen der Geschichte gestürzt hat, entstehen im September wieder mehr Jobs. Doch das Erholungstempo nimmt ab.

Freitag, 02.10.2020, 17:27 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 17:30 Uhr
Seit 70 Jahren hat es in den USA nicht mehr eine solch hohe Arbeitslosenquote vor einer Präsidentschaftswahl gegeben.
Seit 70 Jahren hat es in den USA nicht mehr eine solch hohe Arbeitslosenquote vor einer Präsidentschaftswahl gegeben. Foto: Damian Dovarganes

Washington (dpa) - Der US-Arbeitsmarkt hat sich im September weiter von seinem schweren Einbruch in der Corona-Krise erholt. Die Arbeitslosigkeit ging deutlich zurück, die Beschäftigung stieg weiter. Auch die Löhne legten etwas zu.

Unter dem Strich deutet der monatliche Arbeitsmarktbericht der Regierung jedoch auf ein abnehmendes Erholungstempo hin. Zudem liegt die Arbeitslosigkeit immer noch deutlich höher als vor der Krise.

Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag mitteilte, ist die Arbeitslosenquote von 8,4 Prozent im August auf 7,9 Prozent im September gesunken. Der Rückgang fiel damit wesentlich deutlicher aus, als Analysten erwartet hatten. Sie hatten im Schnitt mit einer Quote von 8,2 Prozent gerechnet.

Die Corona-Krise hatte in den USA weite Teile des Wirtschaftslebens stillgelegt. Im April war die Arbeitslosenquote daher auf mehr als 14 Prozent geklettert. Das war der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Mai fiel sie auf 13,3 Prozent, im Juni dann überraschend deutlich auf 11,1 Prozent. Im Juli lag die Quote bei 10,2 Prozent, im August bei 8,4 Prozent.

Das Tempo der Erholung am Jobmarkt nimmt ab, wie die Beschäftigungsentwicklung zeigt. Zwar ist die Beschäftigung im September weiter gestiegen, allerdings schwächer als von Experten erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft kamen 661 000 Stellen hinzu, während Analysten mit einem Zuwachs von im Schnitt 875 000 Jobs gerechnet hatten. Zudem war der Stellenaufbau in den beiden Vormonaten wesentlich stärker gewesen.

In der Woche bis zum 12. September bezogen mehr als 26,5 Millionen Menschen eine Form von Arbeitslosengeld, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitgeteilt hatte. Das ist deutlich weniger als vor einem Monat, als diese Zahl noch bei mehr als 29 Millionen lag. Wie schwerwiegend die Konsequenzen der Corona-Pandemie für den Arbeitsmarkt in den USA aber immer noch sind, zeigt ein Vergleich mit der entsprechenden Woche im vergangenen Jahr: Damals bezogennur 1,4 Millionen Menschen eine Form von Arbeitslosengeld.

Die Löhne und Gehälter legten nun unterdessen zu, allerdings weniger stark als erwartet. Die Stundenlöhne stiegen im September zum Vormonat um 0,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sich die Stundenlöhne um 4,7 Prozent.

Im September seien Jobs vor allem im Hotel- und Freizeitgewerbe entstanden, teilte das Ministerium weiter mit. Das sind die Branchen, die in der Krise am stärksten von Stellenstreichungen betroffen waren. Zudem wurden Stellen im Einzelhandel und im Gesundheitssektor geschaffen. Der Staat baute hingegen Arbeitsplätze ab.

An den Finanzmärkten konnte der Arbeitsmarktbericht die trübe Stimmung nicht aufhellen. Er herrschte Verunsicherung vor, da bekannt geworden war, dass sich US-Präsident Donald Trump mit dem Coronavirus infiziert hat. Die Aktienmärkte lagen im tiefroten Bereich. Der US-Dollar war als Weltreservewährung gefragt, was den Euro belastete. Als sicher empfundene Anlagen wie US-Staatsanleihen erhielten Zulauf.

© dpa-infocom, dpa:201001-99-792713/4

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