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Erste gemeinsame Präsenz-Probe für komplettes „Räuber Hotzenplotz“-Ensemble

Abstand auf Bühne dramaturgisch lösen

Billerbeck. Sie hat jede Szene im Blick, achtet auf Timing, Gestik, Aussprache. „Macht das Gold extra schön laut“, sagt Anke Lux. Alles klar, verstanden. Emilia Alexander und Leo Nowitzki setzen den Hinweis prompt um. Denn mit dem „Goooold“ wollen die beiden im Weihgarten als Kasperl und Seppl schließlich keinen geringeren als den berühmt-berüchtigten Räuber Hotzenplotz anlocken. Und der hat sich für dieses „Goooold“ schon im Gebüsch auf die Lauer gelegt.

Stephanie Sieme

Emilia Alexander (Kasperl) und Leo Nowitzki (Seppl) wollen den Räuber Hotzenplotz überlisten. Fotos: Stephanie Sieme Foto: az

Es ist die erste Probe mit dem kompletten Ensemble, die draußen auf der Freilichtbühne stattfindet. „Wir sind alle froh, dass wir unter realen Bedingungen proben können“, sagt Regisseurin Anke Lux, die im Weihgarten den Klassiker „Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler inszeniert. Die Premiere ist am 12. Juni vorgesehen. Möglich ist dies im Rahmen des kreisweiten Projekts „Modellregion“, für das die Freilichtbühne ausgewählt wurde. Dabei werden Lockerungen in bestimmten Bereichen unter strengen Hygiene- und Infektionsschutzvorgaben sowie mit wissenschaftlicher Begleitung ausprobiert.

Und auch auf dem Gelände der Freilichtbühne gelten strenge Regeln. Wer zur Probe kommt, muss einen tagesaktuellen, negativen Corona-Schnelltest vorlegen. Für die digitale Kontaktnachverfolgung kommt die Luca-App zum Einsatz. Die Zahl der Darsteller musste schweren Herzens von 21 auf acht reduziert werden. „Das ist uns nicht leicht gefallen“, so Christian Alexander, bei der Freilichtbühne der Geschäftsführer „Kultur“. Bei einem kleineren Ensemble seien die Hygienevorgaben viel besser einzuhalten. Zum Ensemble gehören neben Emilia Alexander und Leo Nowitzki noch Bertram Nabbefeld (Hotzenplotz), Anne Schumacher (Großmutter), Heinz Bösing (Zwackelmann), Ralf Windfuhr (Inspektor Dimpfelmoser), Sandra Dirks (Fee) und Carola Windfuhr (Unke). Regieassistent ist Tomke Schneider, Gesangscoachin Johanna Haecker.

Abstand ist eine wichtige Voraussetzung für den Spielbetrieb und den gilt es, dramaturgisch passend umzusetzen. Keine leichte Aufgabe. „Wir mussten spielerische Lösungen finden“, so Anke Lux. So zum Beispiel für die Tanzszenen. „Auch die machen wir mit Abstand“, so die Regisseurin. Und nicht nur das: Die Darsteller singen und sprechen sich nicht direkt an, sondern aneinander vorbei. Masken müssen bei den Proben nur dann getragen werden, wenn der Abstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann. Trotzdem wird bei den Proben darauf gesetzt. „Später bei den Aufführungen wird es aber keine geben. Den dadurch notwendigen Abstand zu halten, gilt es dramaturgisch zu lösen, so dass auch hier der Gesundheitsschutz oberste Priorität hat“, wie Alexander berichtet. Und was auf der Bühne gilt, steht auch hinter der Kulisse wie in der Schneiderei und dem Bühnenbau auf der Tagesordnung. Alle sind in feste Zweier-Teams eingeteilt. Allerdings werden für den Bau der Kulisse aber auch manchmal mehr Personen benötigt. „Dann findet der Bau draußen statt“, so Alexander. Natürlich mit Abstand und mit Maske. Und in der Garderobe hat jeder Darsteller seinen eigenen kleinen Bereich.

Bis vor zwei Wochen wurde ausschließlich digital geprobt, anschließend draußen erst einmal in Zweier-Teams – plus Regie. Mit Hilfe von Duplo-Figuren hat Regisseurin Anke Lux schon bei den Proben am Bildschirm versucht, den Darstellen ihre späteren Laufwege auf der Bühne zu zeigen. Und die versuchen sie nun vor Ort im Weihgarten umzusetzen. Es sei schon ein größerer Aufwand, bei dem Organisatorisches auch mal aufhalte. Und auch das Proben mit Maske sei eine körperliche Belastung. Aber mit oder ohne Maske – der Weg zur Premiere sei der gleiche, so die Regisseurin. Allerdings habe das Ensemble für gemeinsame Proben weniger Zeit zur Verfügung als üblicherweise. Bis zur Premiere sind es nur noch wenige Wochen. Aber alle sind gut drauf – und das, obwohl es eine erste ziemlich verregnete Ensemble-Probe ist. Die Freilichtbühnen-Mitglieder sind hart im Nehmen. Schließlich spielen sie sonst auch bei Wind und Wetter. „Außer bei Gewitter“, sagt Alexander.

Auf der Bühne werde ein Stück durch Energie und Spielfreude der Darsteller mit Leben gefüllt, so Anke Lux. Und diese Freude und Energie sind bei dieser allerersten Ensemble-Probe nach über einem Jahr groß. „Das ist super schön“, sagt Bertram Nabbelfeld, der in die Rolle des berüchtigten Räubers Hotzenplotz schlüpft. Er freut sich schon auf die Vorstellungen mit Publikum. „Es ist ein Stück mit tollen Charakteren, das sich für die ganze Familie eignet und bei dem die Zuschauer einfach mal zwei Stunden nicht an Corona denken müssen.“ Gemeinsam zu proben – „das ist unbeschreiblich. Einfach toll“, sagt Leo Nowitzki. Man könne das eigene Hobby wieder aufleben lassen. „Das ist ein Privileg“, findet Emilia Alexander.

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