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Premiere von „Wie es euch gefällt“ auf der Freilichtbühne mit stehenden Ovationen gefeiert

Ausgelassen-verrückte Narretei

Billerbeck

Als Dichter hat man es schwer. „Mir scheint, als wäre alles Geistreiche schon niedergeschrieben“, seufzt William Shakespeare. Das bunte Leben im Wirtshaus soll Inspiration bringen. Unter den Gästen sucht er sich einen jugendlichen Helden und schon geht ein köstliches Verwirrspiel rund um die Spielarten der Liebe los.

Jubelnden Applaus gibt es nicht nur für die bestens aufgelegten Akteure, sondern auch für Regisseurin Anke Lux (3.v.r.) und Regieassistentin Susanne Matthaei, hier umrahmt von dem glücklichen Paar Orlando (Robin Rölver) und Rosalinde (Juliane Wegener). Foto: Foto: Ursula Hoffmann

Eine spritzige Komödie von Shakespeare an einem Sommerabend unterm Sternenhimmel (genauso war es zu seinen Lebzeiten auch) zu erleben, ist an sich schon ein herrliches Vergnügen, doch die Freilichtbühne Billerbeck setzt in ihrer Inszenierung von „Wie es euch gefällt“ noch einen echten Clou obendrauf. Der vor gut 400 Jahren verstorbene Dichter tritt selbst auf die Bühne und entwickelt quasi vor den Augen des Publikums sein Stück. Diese Idee wird von Regisseurin Anke Lux wunderbar umgesetzt.

Thomas Horneber schlüpft in die Rolle Shakespeares, verkörpert ihn als listig-verschmitztes Genie, das sichtlich Spaß an dem närrisch-vergnügten Spiel auf der Bühne hat. Er beobachtet, lässt sich inspirieren, kommentiert und erklärt das Geschehen. Immer wieder fallen die Spieler aus ihrer Rolle, fragen den Dichter um Hilfe oder hinterfragen seine Ideen.

Worum es in der Komödie geht, erschließt sich in diesem Wechselspiel wie von selbst. In der höfischen Gesellschaft gibt es jede Menge Streit. Herzog Frederick (herrisch-herb: Anne Schuhmacher) hat den rechtmäßigen Herzog entmachtet und schickt auch dessen Tochter Rosalie in Verbannung, ebenso muss der Edelmann Orlando fliehen, da sein Bruder ihm nach dem Leben trachtet. So trifft sich im Ardenner Wald (Leiter spielen die Bäume) eine bunte Gesellschaft Ausgestoßener, die ein Leben in Freiheit probieren. Natürlich sind mehrere Paare von Amors Pfeil getroffen und ein amüsantes Versteckspiel beginnt, das die Akteure mit immenser Spielfreude in eine ausgelassen-kurzweilige Narretei verwandeln.

Robin Rölver agiert als Orlando mit Verve, spielt mal wütend, mal schmachtend, mal spöttisch alle Facetten seiner Rolle aus. Juliane Wegener verkörpert seine Angebetete Rosalinde, die verkleidet als Jüngling im Wald lebt und ihn mit blitzendem Spaß an der Nase herum führt, mit so viel Charme, dass es kein Wunder ist, dass sie sein Herz erobert. Lena Matthaei als ihre Freundin Celia spielt herrlich mit der altertümlichen Sprache und ist deutlich abgeklärter, bis sie selbst die Liebe wie der Blitz trifft. Köstlich auch die verrückte Liebespaarung zwischen dem scharfsichtigen Hofnarr Probstein (klasse: Claudia Kottke) und der bauernschlauen Ziegenhirtin Käte (ein herrlicher Trampel: Sabine Alexander). Überall wird geneckt, veräppelt, umschwärmt, gespottet. Für zusätzliche Lebendigkeit sorgt die Begleitung durch bestens in die Zeit passende Livemusik. Sonderapplaus für Emilia Alexander (Edelmann Amiens), die für den melancholischen Jaques (Andre Stegemann) A cappella ein romantisches Lied singt. Chapeau für eine rundum gelungene Inszenierung, die Shakespeares Worte, „die ganze Welt ist eine Bühne und Schauspieler nur alle Männer und Frauen“, köstlich mit Leben füllt.

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