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„Hottin’ the Blues“ heizt an der Freilichtbühne richtig ein

Beste Stimmung nach langer Pause

Billerbeck. Das Trio „Hottin’ the Blues“ spielt im 35. Jahr zusammen „ganz ohne Supervision“ wie „Harpinist“ Gerd Gorke gerne kalauert und „dabei haben wir schon so manches erlebt.“ Deshalb nahmen die drei die Unwegsamkeiten des Tages auch gelassen hin. Am Samstag war ihnen das Glück gleich dreimal sehr hold. Aufbauen konnten sie am Nachmittag zwischen zwei kräftigen Regenschauern. Tatsächlich tat sich bei Beginn gegen 20 Uhr dann auch der Himmel auf, nachdem es zuvor noch ordentlich geschüttet hatte. Erst am Vormittag hatte Gerd Gorke eine unglückselige Nachricht von Kulturmacher Jürgen Maas erreicht, denn der befand sich mit Verdacht auf Rauchvergiftung im Krankenhaus. Was war passiert? Bei den Vorbereitungen zum Konzert war in der Küche ein Karton an eine Herdplatte geraten und hatte sich entzündet. Kurzschluss, Alarm, Feuerwehr. Glücklicherweise hielt sich der Schaden in Grenzen und auch das lang geplante und lang ersehnte Konzert konnte reibungslos über die Bühne gehen.

Ulla Wolanewitz

Sorgte in der zweiten Halbzeit des Konzerts für Verstärkung: Blues-Soul-Gitarrist Michael van Merwyk Foto: az

Die Gäste, mit ihrer großen Vorfreude mal endlich wieder ein Live-Konzert genießen zu können, wussten diesen unermüdlichen Einsatz schon gleich zu Anfang sehr zu schätzen. Keine drei Takte waren gespielt, da wurde auch schon mitgeklatscht. Das Trio präsentierte sich ebenfalls ab der ersten Minute in Bestform. Weder in Virtuosität noch in Kondition war hier die Coronapause zu spüren, auch, wenn „ich erstmal das Eis von meinen Harps kratzen musste“, flachste Gorke, stets bestens ausgestattet mit seinem Hüftgürtel, der ihm immer einen schnellen Zugriff auf seine Instrumente garantiert. Wie groß sein Lungenvolumen ist, verriet er an diesem Abend nicht. Sicher ist, dass es sehr weit über dem Durchschnitt liegen dürfte.

Gitarrist Günther Leifeld-Strikkeling lernte Gorke Mitte der 80er Jahre im schönen Stevertal kennen. Dort lebte der junge Harpinist auf dem elterlichen Hof, während der Tischlermeister nebenan in einer Wohngemeinschaft das Landleben genoss. Sie trafen sich zu spontanen Sessions und machten bereits 1988 ihre erste Tour durch Polen. Als dritten Mann holten sie sich den Geographen Rupert Pfeiffer ins Boot, weil „ihr einen Fahrer brauchtet“, hält der gerne augenzwinkernd im Trio-eigenen Humor dagegen. Damals verdienten sie auf ihren Polentrips noch Millionen, allerdings nur Zloty.

Trotz frischer Temperaturen verging an diesem Abend die Halbzeit wie im Fluge, auch wenn sie immerhin 70 Minuten währte. Hier bot „Hottin’“ schon ein recht energiegeladenes abwechslungsreiches Programm, unter anderem mit Titeln von US-amerikanischen Country- und Bluesmusikergrößen wie Hank Williams und Robert Johnson - insgesamt ein schöner Querschnitt von Delta-Blues und Memphis-Country-Sounds.

In der zweiten Halbzeit zeigte sich nicht nur die beleuchtete Waldbühne von ihrer schönsten Seite, da das Trio mit Schlagzeuger Jochen Welle und Blues-Soul-Gitarrist Michael van Merwyk für Verstärkung gesorgt hatte. So gab es noch eine spannend arrangierte attraktive Mischung an Songs der 80er Jahre zu hören, inklusive David Bowies „Heroes“. Das dankbare Publikum geizte dementsprechend nicht mit Applaus und stehenden Ovationen, denn bei diesem Konzert war es einfach, die Zeit und auch die leider noch nicht sommerlichen Temperaturen zu vergessen.

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