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Kampfkunst-Abteilung bietet Online-Training an

„Das ist wie beim Schattenboxen“

Billerbeck. André Brockhoff macht es vor. Er schließt die Augen, formt seine Hände wie zu einer Schale, schiebt die Arme langsam hoch und streckt sie dann seitlich vom Körper weg. „Mokuso“ lautet sein Kommando und alle machen es ihm gleich. Sie schließen die Augen. „Es geht darum, dass man sich auf sich konzentriert. Wir atmen ein, nehmen die positive Energie auf und drücken alles Schlechte von uns weg“, erklärt er. Bei „Mokuso Yame“ öffnen alle wieder ihre Augen. „Tatsächlich handelt es sich um eine Technik und nicht nur um reine Meditation“, erklärt er und zeigt an seinem Übungspartner Andreas Kleinschumachers direkt ein Einsatzbeispiel.

Stephanie Sieme

Das Wohnzimmer wird zur Trainingsstätte: André Brockhoff (l.) und Andreas Kleinschumachers von der Kampfkunst-Abteilung des DJK-VfL leiten das Online-Training. Foto: privat

Die beiden Männer leiten an diesem Vormittag das Online-Training des Billerbecker Dojo, der Kampfkunst-Abteilung beim DJK-VfL. Es ist das zweite digitale Training, das von ihnen angeboten wird. „Wir sind da relativ am Anfang und wollen es weiter aufbauen“, sagt Andreas Kleinschumachers. Durch das digitale Training könnten weiterhin Techniken trainiert werden. Denn unter einer langen Trainingspause würde auch die Technik, aber auch der komplette Bewegungsapparat leiden. Man bleibe so am Ball. Und das gemeinsam. So könne auch der innere Schweinehund bezwungen werden. Denn aufgrund der aktuellen coronabedingten Beschränkungen können auch sie nicht in der Halle trainieren. Auch nicht draußen. „Aber zu Hause“, so Kleinschumachers.

Und die heimischen Wohnzimmer werden dabei zu wahren Trainingsräumen. Beim zweiten Online-Training ist es eine kleine Gruppe, die mitmacht. Ein Trio. Nina mit ihrer Tochter Isabella und ihrem Sohn Vincent. Um ein bisschen auf Temperatur zu kommen, wird sich aufgewärmt. Dabei kommen auch PET-Flaschen zum Einsatz. Als 1,5-Kilo-Hanteln. Eine für jede Hand. „So kann man aus alltäglichen Sachen Trainingsgeräte machen“, sagt Brockhoff. „Wie gut, dass ich Hanteltraining aus dem Fitnessstudio kenne und mir das nichts ausmacht“, sagt Nina und lächelt. Verschiedene Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken stehen auf dem Programm. „Man braucht nicht immer einen Partner. Das ist wie beim Schattenboxen“, so Kleinschumachers. Mal macht er eine Technik vor, mal Brockhoff. Jede Übung wird zehnmal wiederholt. Ichi, Ni, San, Shi, Go, Roku, Sichi, Hachi, Kyu, Ju – auf Japanisch wird bis zehn gezählt. „Nina, das sieht super aus“, lobt Trainer Brockhoff. „Vincent, bei dir sollten nicht die Schultern so weit vorne sein.“ Also nochmal. Es klappt besser. „Jawohl, klasse!“. Die nächste Übung. Die Laptop-Kamera wird auf die Beine der Trainer geschwenkt. Bei dieser Übung kommt es vor allem auf die Beintechnik an. Das Trio schaut es sich genau an, macht es dann nach.

Beim Karate kommt es aber im Allgemeinen vor allem auf die Schnelligkeit an. Man sollte nicht mehr über das Ausführen von Bewegungen nachdenken, sondern einfach machen und reagieren. „Das ist der Sinn und Zweck von Karate“, so Kleinschumachers. Und je öfter die Techniken geübt werden, umso schneller und präziser werden sie. Viel erklären die beiden Trainer während der Übungen. Und wenn es zwischendurch auch mal ruckelt, die Internetverbindung streikt, wird die Erklärung einfach wiederholt, sobald alles wieder läuft.

Nina, Isabella und Vincent freuen sich darüber, dass es das Online-Training nun gibt. So können sie ihrem Hobby auch im Lockdown nachgehen. Außerdem bewege man sich dabei. „Das ist immerhin etwas“, sagt Nina. Am kommenden Samstag findet das nächste Online-Training statt. Eine Stunde lang werden Techniken geübt. Mal wird mehr Judo, mal mehr Arnis und mal mehr Ju-Jutsu thematisiert. „Jede Sparte soll auf ihre Kosten kommen“, sagt Kleinschumachers. „Wir lassen uns von Corona nicht unterkriegen.“ Das Online-Training soll motivierend sein.

„Mit der Kampfkunst sollen die Menschen an sich selbst arbeiten“, so Andreas Kleinschumachers. Es sei nicht nur der Aspekt der Selbstverteidigung. „Man sagt auch, dass Kampfkunst dafür da ist, um nicht kämpfen zu müssen“, so der Trainer. Es komme auf das Mentale an. Man übe sich in Klarheit und Gelassenheit.

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