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Windharfen am Billerbecker Dom

Dem Klang der Brisen an der Kirche lauschen

Billerbeck

Auf der Domplatte in Billerbeck kann der Wind ein pfeifender sein, der die Sehnsucht nach einer warmen Behausung schürt. Wer öfter am Dom weilt, wird ein Lied davon singen können. Der passende Ort also für die temporäre Installation zweier Windharfen, dachte sich Lukas Reiber, der in Dresden lebt und arbeitet und in Billerbeck aufgewachsen ist.

Die Windharfen bestehen aus einem Resonanzkasten, auf dem zehn Nylonsaiten aufgespannt sind. Streift der Wind über die Saiten, erzeugt er dabei Luftwirbel. Durch diese werden die Saiten in Schwingung versetzt. Je nach Windgeschwindigkeit variiert das Geschehen. Foto: Fotos: privat

Jetzt hängt seine hörkünstlerische Installation, die er für Billerbeck konzipiert hat, an den Fahnenmasten auf der Domplatte und schickt zauberhafte Obertöne auf den Markt und in die Lange Straße – wenn der Wind weht. Und wenn der Wind nicht weht? „Warten oder wiederkommen, wenn er weht“, sagt Lukas Reiber. „Die Windharfe entzieht sich unserer Verfügbarkeitslogik. Wer sich Zeit gibt, nah an die Harfen herangeht, bewusst, zugewandt und hörend dem akustischen Geschehen folgt, gibt gelassen diesen fremden Klängen eine Ordnung und sich selbst möglicherweise ein kleines musikalisches Erleben, inklusive Stille“, beschreibt Lukas Reiber seine künstlerische Intention zu dieser Hörinstallation. Diese ist Teil der Kunstintervention „über den Wassern“, die vom 25. Mai bis 18. Juni in der Billerbecker Innenstadt stattfindet. An sieben unterschiedlichen Stationen, die als Rundgang durch die Innenstadt konzipiert sind, lässt sich der vermeintlich bekannte Ort der Innenstadt neu entdecken, erleben und hören. Die Klanginstallation baut Lukas Reiber zusammen mit seinem Vater Klaus – ebenfalls Klangkünstler – auf. „Lauschen Sie doch mal – nicht nur darauf, wie es klang, sondern was dieser Klang in Ihnen auslöst“, rät Klaus Reiber, sich auf die Windharfe richtig einzulassen.

Windharfen sind seit der Antike bekannt und sie stehen wie Hören, Wind, Hauch und Sturm für Inspiration und Poesie. Wind und Hauch sind auch Sinnbild der Menschheit für Schöpfungsmythen und Schöpferkraft in vielen Kulturen, teilen die Künstler mit. Das hebräische Wort Ruach zum Beispiel, es ist feminin, bedeutet zugleich Wind, Atem und Geist, der wachsen lässt, mit dem Neues entsteht, der beflügelt. Sie ist dabei, wenn aus dem Chaos eine neue Ordnung wird, heißt es weiter im Pressetext.

Seinen Beitrag sieht Lukas Reiber als einen Anlass zum Nachsinnen, zum Sich-überraschen-lassen, zum Raum geben und Hinwenden zu etwas, was man nicht jeden Tag tut; besonders mit dem Blick auf die letzten Monate und der Freude auf den Mai.

Weitere Informationen zu dem Klangprojekt gibt es auf der Internetseite: | www.überdenwassern.de.

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