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Stele erinnert an Mühle und Haus Wilde an der Berkel

„Die Haustür war nie abgeschlossen“

Billerbeck

Das Foto, das die Seite des historischen Billerbeck-Kalenders für den Monat Juli zeigt, ist das Wohnhaus von Müller Wilde, das vor der Kornmühle stand, die ursprünglich zum Richthof gehörte. Später wurde sie jedoch von der Stadt verpachtet. In den 1960er-Jahren musste es für den Bau der Feuerwehr weichen. Dort, wo sich heute die Zufahrt der Feuerwehr befindet, lebte die Müllerfamilie Wilde.

Von Ulla Wolanewitz

Auf diesem Bild ist das Haus Wilde abgebildet, das vor der Kornmühle stand. In den 1960er-Jahren musste es für den Bau der Feuerwehr weichen. Foto: Foto: Stadtarchiv

Hier in der Mühlenstraße 40 „habe ich zwanzig Jahre gewohnt“, erklärt Fotograf und Enkel Winfried Rusch, Jahrgang 1944, dessen Mutter Walburga das siebte Kind von Josef Wilde und seiner Frau Anna war. Gegenüber war das Lebensmittelgeschäft Frenster angesiedelt, in dem seine Mutter seinerzeit als Verkäuferin arbeitete.

An die bescheidenen Wohnverhältnisse mit Wasserpumpe und Bolleröfen, der Tenne auf der geschlachtet wurde und den langen Garten bis zur Berkel, kann er sich noch allzu gut erinnern. Das alltägliche Leben fand – wie so oft üblich – überwiegend in der Küche statt, da ansonsten gerade mal sonntags weitere Räume geheizt wurden. „Die Haustür war nie abgeschlossen“, weiß der Zeitzeuge noch von damals. „Wohl aber wurden die Blendläden abends geschlossen.“

Seiner Recherche entsprechend waren die Linden, die hier abgelichtet sind, schon 1902 vorhanden. Wer die beiden Frauen und die zwei Kinder auf dem Foto sind, kann er nicht genau sagen. „Das Haus hatte eine interessante Architektur und würde sicherlich heute nicht einfach abgerissen“, ist sich Rusch sicher.

Neben dem Wohnhaus stand eine „Nepomuk-Skulptur“, die es auch heute noch unweit entfernt am Berkelweg gibt. Neben ihr führten ein paar Stufen herab, wo sich auch eine Wasserquelle befand. Auf der anderen Straßenseite, gegenüber dem Wohnhaus, befand sich ein kleines Häuschen, dass der „Aufwäsche“ für den großen Waschtag im öffentlichen Raum diente.

Zur Mühle kamen die Bauern damals mit ihren Pferdewagen, um ihr Getreide vermahlen zu lassen. Archivar Dieter Nagorsnik, Jahrgang 1958, war dort in Kindertagen auch einige Male Kunde, um Tierfutter zu holen für die Hühner- und Kaninchen seines Vaters, dass „in braunen Papiertüten abgewogen wurde.“

Der Standort der Mühle ist bis ins Mittelalter zurückzuführen. Über die Jahrhunderte wurde die Mühle aber oftmals umgebaut, abgerissen und neu gebaut und wechselte häufig seine Pächter.

Die Mühle selber fiel in den 1980er-Jahren dem Bagger zum Opfer, obwohl es Pläne gab, das Kleinod gastronomisch für ein Café zu nutzen. Diese Idee setzte sich allerdings nicht durch. Ein originaler Mühlstein erinnert heute noch an die Mühle Wilde sowie ein Wasserrad, das die Blumen- und Gartenfreunde hier realisierten. Die Initiative „Berkelspaziergang“ hat an diesem historischen Ort eine Stele installiert, auf der seine Geschichte nachzulesen ist.

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