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Ehemalige Kneipe im Haus Schölling mit Geschichte

Die Urzelle der Akustik Session

Billerbeck. Kneipen haben Geschichte und können jede Menge Geschichten erzählen. Beim Haus Schölling, Ludgeristraße 12, handelte es sich sogar um eine Gastwirtschaft mit Hotel und recht ansprechender Kegelbahn. Seit 1988 steht dieses Gebäude, das sich heute in Privatbesitz befindet, unter Denkmalschutz. Es handelt sich dabei um ein zweigeschossiges Giebelhaus mit Fachwerkkonstruktion, das aus der Zeit zwischen 1870 und 1900 stammt.

Ulla Wolanewitz

Vor dem Haus Schölling parkt ein Opel. Nebenan vor der Bäckerei Ahlers-Kemper stehen zwei Jungen mit ihrer Leeze. Fotos: Stadtarchiv Foto: az

Die Mai-Seite des historischen Billerbecker Bildkalenders zeigt eine Fotografie aus den 50er-Jahren. Vor dem Haus Schölling parkt ein beiger Opel. Nebenan vor der Bäckerei Ahlers-Kemper stehen zwei Jungen mit ihrer Leeze. Vielleicht gönnten sie sich bei ihrem kleinen Streifzug durch die Stadt einen Stopp mit Rosinenbrötchen. Gegenüber befand sich mit Goedereis, ebenfalls eine Bäckerei, die auch Lebensmittel führte. Hier wirtschafteten nicht nur zwei Bäckereien in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern mit dem Haus Schölling und der Gaststätte Hellmann-Dahl auch zwei gastronomische Betriebe.

Auf einer späteren Fotografie von 1961 prunkt an der Fassade vom Haus Schölling das Schild „Hotel“. Das kleine Fachwerk-Schöppken vor Kemper-Ahlers ist nicht mehr vorhanden. Der Bereich hat sich im Laufe der vergangenen Jahre verändert.

Im Bestand von Archivar Dieter Nagorsnik, der in dieser Nachbarschaft aufgewachsen ist, befindet sich noch eine wunderschöne schwarz-weiße Postkarte zum Haus Schölling. „Neue Bundeskegelbahn im Lokal Anton Schölling“ steht darunter in feinster Schreibschrift. Den Vorraum zur Kegelbahn, später der Billardraum vom „Cha Cha“, schmückt ein Lichtfenster in der Decke. Die Gästetafel schmücken – wie könnte es in dieser Zeit anders gewesen sein – die Aschenbecher.

In den 70/80er-Jahren führte ein Herr Schumacher das Unternehmen, bevor Dieter Losse (1984 erstes Ratsmitglied der Grünen) es Ende der 80er-Jahre kaufte. Er führte die gemütliche Kneipe namens „Cha Cha“, die sommertags mit einem attraktiven Biergarten trumpfte, zusammen mit Musiker Willi Roither.

Das „Cha Cha“ gilt beispielsweise auch als die Urzelle der „Akustik Session Billerbeck“, die sich im Dezember 1998 auf Initiative von „Hootin’ the Blues-Gitarrist“ Günther Leifeld-Strikkeling und seinem Bruder Jochen, Gerd Schlüter, Norbert Weigand, Hermann-Josef Vieth und Hedwig Schlüter entwickelte. Grundgedanke der Session war und ist das unverbindliche Treffen von Musikern aller Genres zum Austausch und Zusammenspiel. Viele Jahre gastierte die „Session“ im „Forum Billerbeck“ bis sie in Jöppis Kneipe umzog und derzeit regelmäßig – nach wie vor – am ersten Mittwoch im Monat online stattfindet.

Nach Aussagen des Stadtarchivars betrieb der Schwager von Willi Roither das „Cha Cha“ noch einige Zeit, bevor hier ein Portugiese eine Pizzeria eröffnete. Heute befindet sich die Immobilie in Privatbesitz.

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