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Schülerinnen enthüllen Bronzeplastik an der Geschwister-Eichenwald-Aula

Erinnerung mitten im vollen Leben

Billerbeck

Eva und Rolf-Dieter Eichenwald? Mit den jüdischen Kindern aus Billerbeck und ihrem schrecklichen Schicksal haben sich Johanna, Tabea und Magdalena aus der 10a der Geschwister-Eichenwald-Schule schon länger intensiv beschäftigt. In der Schule und in verschiedenen Projekten darüber hinaus. „Es ist wichtig, dass die Kinder nicht vergessen werden“, sagt Magdalena, nachdem die drei Mädchen am Dienstag in Anwesenheit zahlreicher Schüler und Lehrer, Vertreter der Stadt und der Suwelack-Stiftung an der Außenwand der Aula die Bronzeskulptur der Geschwister enthüllt haben. Darüber prangt der neue Name: Geschwister-Eichenwald-Aula.

Von Ulrike Deusch

Johanna (l.), Tabea (2.v.l.) und Magdalena (4.v.l.) aus der 10a der Geschwister-Eichenwald-Schule haben die Bronzeplastik an der Aula-Wand enthüllt. Das Bild zeigt sie mit Dr. Torsten Habbel (3.v.l., Leiter der Anne-Frank-Gesamtschule) und (ab 5.v.l.) Thomas Wischnewski (komm. Leiter der Geschwister-Eichenwald-Schule), Hubertus Messing (Stadt), Christoph Sandkötter (Designer), Bürgermeisterin Marion Dirks, Wolfgang Suwelack, Ulla Ewelt (beide Suwelack-Stiftung). Foto: Fotos: ude

„Heute ist ein Tag des Gedenkens und der Trauer“, begrüßt Bürgermeisterin Marion Dirks die Gäste unter freiem Himmel – die große Feierstunde am Abend musste coronabedingt abgesagt werden. „Aber es ist auch ein Tag der Freude“, betont sie. „Ich freue mich, dass der Rat der Stadt und die Suwelack-Stiftung sich entschieden haben, mit der Namensgebung für diese Aula den Geschwistern Eichenwald ein dauerhaftes Gedenken zu geben.“ Ausdrücklich dankt Dirks der Suwelack Stiftung und den Schülern, auch ehemaligen, die seit vielen Jahren dazu beitragen, die Erinnerungskultur in Billerbeck wachzuhalten.

Dirks wendet sich an die Schüler und berichtet von den Diskussionen darüber, ob es angemessen sei die Aula, die auch ein Ort der Freude und des Feierns ist, nach den nach Riga deportierten und ermordeten Kindern zu benennen. „Ja“, sagt sie. „Die Aula ist ein Zentrum unserer Stadt und die beiden, Rolf-Dieter und Eva Eichenwald, gehören mit in diese Stadt.“ Sie danke allen, „die sich durchgerungen haben, diesen Beschluss zu fassen.“

Wie sehr auch er die beiden Kinder durch seine Bronzearbeit in der Gegenwart und im Alltag verankert wissen möchte, macht Designer Christoph Sandkötter deutlich, der die Skulptur nach einem Foto der Geschwister angefertigt, aber Eva Eichenwald ein keines Büchlein in die Hand gegeben hat. „Wer das Büchlein berührt, kann angeblich bessere Arbeiten schreiben“, sagt er augenzwinkernd zu den versammelten Schülern – in der Absicht, dass sie das Bronzerelief in den Schulalltag integrieren. „Ich hoffe, dass es von euch mitgetragen und nicht beschmiert wird“, appelliert er an seine jungen Zuhörer. Er ermuntert sie, nicht nur Rolf-Dieter und Eva Eichenwald in ihr Herz zu lassen, sondern die Skulptur als Denkmal gegen Krieg und Gewalt überhaupt zu begreifen – ein Gedanke, den auch Marion Dirks den Jugendlichen vor Augen führt.

„Ihr jungen Menschen seid ganz wichtig, wenn es darum geht, jemanden, der anderer Meinung oder Herkunft ist, nicht herabzuwürdigen, sondern ihn anzuhören und ihm mit Respekt zu begegnen.“ Sie wünsche sich sehr, so Dirks, dass es bald gelingen möge, wieder zu einer Schule in Riga Kontakt zu knüpfen, nachdem die frühere Partnerschule aufgelöst worden ist. Dr. Torsten Habbel, Leiter der Anne-Frank-Gesamtschule, macht deutlich, dass der Name der Aula auch nach dem Auslaufen der Geschwister-Eichenwald-Schule seine Bedeutung behalten solle. „Die Botschaft, die unsere Schulnamen vermitteln wollen, ist ja die gleiche“, sagt er mit Bezug auf das jüdische Mädchen Anne Frank. „Nur die Personen sind verschieden.“

Am Dienstag ist auch der ehemalige Gebetsraum der jüdischen Mitbürger Billerbecks im Haus an der Münsterstraße 2 als Gedenkort eröffnet worden. Ein ausführlicher Bericht folgt. Beide Veranstaltungen nehmen Bezug auf „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und die 80. Wiederkehr des Tages, an dem jüdische Mitbürger aus Billerbeck nach Riga deportiert wurden.

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