1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Billerbeck
  6. >
  7. Fachwerkhaus wird Leben eingehaucht

  8. >

NRW-Ministerin Ina Scharrenbach überreicht Förderbescheid für Denkmalsanierung auf dem Richthof

Fachwerkhaus wird Leben eingehaucht

Billerbeck

Wer das alte Wirtschaftsgebäude betritt, begibt sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Kaum einen Schritt über die Türschwelle gemacht und schon ist man mittendrin – in der alten Brauküche. Eine große Feuerstelle nimmt die komplette Wand ein. Kesselhaken lugen aus dem Rauchfang heraus. Es gibt sogar noch den Original-Braukessel. Die Zeit hat an dem historischen Fachwerkhaus, das zum altehrwürdigen Richthof an der Mühlenstraße gehört, aber auch Spuren hinterlassen.

Von Stephanie Sieme

Bei der Übergabe des Förderbescheides: (v.l.) Renate-Maria Elpers, CDU-Landtagsabgeordneter Wilhelm Korth, NRW-Ministerin Ina Scharrenbach, Bürgermeisterin Marion Dirks, Dr. Sophie Elpers-von Samson-Himmelstjerna, Tochter Felicitas und Philipp von-Samson-Himmelstjerna. Foto: Foto: sdi

Heute soll der Startschuss für eine aufwendige Sanierung fallen. Das Gerüst ist schon aufgebaut und kündigt die ersten Arbeiten an. „Das Dach wird abgedeckt, damit die Last nicht zu groß ist“, erzählt Eigentümerin Dr. Sophie Elpers-von Samson-Himmelstjerna. Denn das Gebäude wird dann durch Holzbalken abgestützt, damit darunter das neue Fundament gelegt werden kann. „Es wird eine vorsichtige, denkmalgerechte und historisch sensible Heranführung an eine neue Funktion“, sagt die Billerbeckerin, die dort mit ihrem Mann Philipp und ihrer Tochter Felicitas künftig wohnen möchte. Drei Jahre sollen die Arbeiten, die in drei Abschnitten erfolgen, voraussichtlich dauern. Für den ersten Bauabschnitt hat Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, am Montag den offiziellen Förderbescheid für einen Zuschuss in Höhe von 35 000 Euro an Dr. Sophie Elpers-von Samson-Himmelstjerna überreicht.

Das Fachwerkhaus ist ein Gebäude mit Geschichte. Sowieso sprüht das komplette Areal des Richthofs, das von einer Gräfte umgeben ist und erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde, nur so vor Geschichte. Es war ein fürstbischöflicher Amtshof, auf dem der Stadtrichter schaltete und waltete. „Daher auch der Name“, so Dr. Sophie Elpers-von Samson-Himmelstjerna. Seit über 200 Jahren ist es im Besitz der Familie Elpers. 1820 kaufte der Leinengroßkaufmann Elpers den Richthof und funktionierte direkt das alte Fachwerkhaus, das sich gegenüber dem Haupthaus befindet, für seine Zwecke um. Ein Zeugnis aus dieser Zeit: eine Wetterfahne auf dem Dachfirst, auf der das Jahr 1820 und die Initialen des Bauherrn noch immer zu sehen sind.

„Der Kernbestand ist noch aus dem 16. Jahrhundert“, so die Billerbeckerin. Er zeugt vom Richthof als landwirtschaftlichen Großbetrieb, die 1820 erneuerte und weitgehend erhaltene Substanz von dem Wirtschaftsbetrieb eines Handelshauses – mit Vieh- und Pferdeställe sowie mit einem Brauhaus. Seit 1820 diente der Hof einem Leinenhandelshaus. Zuletzt wurde das Gebäude als Werkstatt, Garage und zur Aufbewahrung genutzt. Nun soll dem Gebäude wieder neues Leben eingehaucht werden. „Durch eine Belebung bleibt es erhalten, sonst verfällt es“, so Dr. Sophie Elpers-von Samson-Himmelstjerna. Und was historisch ist, soll auch erhalten bleiben. Das gilt auch für die Materialien. „Backsteine werden rausgenommen, wo nötig ersetzt und ansonsten gesäubert und wieder eingesetzt“, nennt die Eigentümerin ein Beispiel.

„Wenn Steine erzählen könnten, aber das können sie nicht“, so Ministerin Ina Scharrenbach. Deswegen brauche es Menschen wie die Familie Elpers, die die Geschichte erzählen. Die Kommunen in NRW seien einzigartig und geprägt durch solche Gebäude. Deswegen seien sie auch baukulturell bedeutend.

Im vergangenen Jahr ist der Richthof seit exakt 200 Jahren im Besitz der Familie Elpers gewesen. Eigentlich war dafür ein größeres Fest mit Open-air-Gottesdienst vorgesehen, das aber coronabedingt nicht stattfinden konnte. „Wir planen, es nach Fertigstellung der Sanierung nachzuholen“, so Dr. Sophie Elpers-von Samson-Himmelstjerna.

Startseite