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Besucher machen Schmöker-Schnäppchen am Kloster Gerleve

Fette Beute für Bücherfreunde

Billerbeck

Keine Frage: Schnäppchenjagd ist nichts für Langschläfer. Bestens ausgestattet mit Trolley, Bollerwagen, Rucksäcken oder zumindest Tragetaschen fieberten gestern Morgen gegen 9 Uhr schon rund 100 Beutegänger der Sonne und ihrem besonderen „Schnapper“ entgegen. Tatort: Der Bücher- und Flohmarkt im Klosterbauernhof Gerleve. Endlich wieder nach zweijähriger Abstinenz. Der imaginäre Startschuss fiel gegen 9.30 Uhr. Da griff Pater Daniel Hörnemann zur Schere, um das Absperrband zu durchtrennen. Dafür wählten er und Gisbert Kunze (Yennenga-Förderverein Burkina Faso) keinen Platz in der Mitte, sondern – aus bester Erfahrung – eher seitlich, „sonst werden wir überrannt. So können wir uns schneller in Sicherheit bringen“, erklärte der Pater amüsiert.

Auch der Flohmarkt lockte das Publikum mit einigen Kuriositäten und Raritäten.

Tatsächlich strömte die Menschenmenge, das Ziel fest im Fokus, in Sekundenschnelle auseinander, fast so als gäbe es kein Morgen. Wobei sich das erste hektische Treiben sehr schnell beruhigte. Bereits nach kurzer Zeit war klar, dass es für alle mehr als ausreichend zu stöbern gab. „Wir haben viel mehr Krimis als sonst bekommen“, resümierte Gisbert Kunze, der diesen Umstand mit der langen Coronapause begründete, ebenso wie der umfangreichere Ausschuss, der mit 40 Kubikmetern Müll deutlich höher lag als in den Vorjahren. „Ohne Bücher geht gar nicht!“, gab es zwischen den Reihen zu hören. „Ohne Flimmerkiste wohl, nicht aber ohne Bücher“, so ein Gast, der das Volumen seiner Fahrradtasche komplett ausschöpfte.

Selbst für diejenigen, die nichts kaufen wollten, war das Flanieren ein Genuss. Wobei arg bezweifelt werden darf, ob es tatsächlich jemandem gelungen ist, selbst bei festem Vorsatz, das Gelände ohne irgendeine Beute zu verlassen. „Ich habe extra nur 20 Euro mitgenommen, weil ich weiß, wo das sonst endet“, erklärte ein vollbepackter Bücherfreund aus Münster.

Viel Außergewöhnliches gab es im Flohmarktsektor zu entdecken. Dort fand sich neben Kruzifixen und „Wiehwaterpöttkes“, ein betagter und dennoch formschöner „Apparillo“. Dieses „Mavometer“ dient der genauen Messung von Gleichspannungen und -strömen. Bei der Beschreibung „Nuristan“ handelte es sich nicht um einen Schreibfehler, sondern vielmehr um das „Land der Erleuchtung“, einer Provinz in Ostafghanistan am Hindukusch. Der urige niedrige Holzstuhl aus dieser Region war ein echter „Eyecatcher“, der viele neugierige Besucher magisch anzog, die dann von Lothar Lebkücher mehr zur Geografie erfahren konnten. Auch hatte der engagierte Helfer gleich noch die passenden Korallen-Silber-Ohrringe dazu im Angebot.

Ein Nottulner Vinylsammler erfreute seine Beute „Heinrich Lübke redet für Deutschland“. Der Bundespräsident aus dem Sauerland soll unter anderem beim Opernbesuch zur Queen gesagt haben: „Equal goes it loose“ und der Kabarettszene mit weiteren verrückten Zitaten reichlich Futter geliefert haben. Gleich nebenan nahmen die kommerziellen Profis die große Auswahl ganz genau unter die Lupe. Sie holten die LPs aus ihrer Hülle und hielten sie gegen das Licht, um sie auf Kratzer zu untersuchen.

Ein ganzes Team von Ehrenamtlichen war seit April damit beschäftigt, die zahlreichen Spenden zu sichten und diese auf 40 Kategorien zu verteilen. Spannend bleibt es, welche Summe letztlich zusammengekommen ist, die den Yennenga-Projekten zugutekommen.

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