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Festakt am 14. Dezember

Gebetsraum wird als Gedenkort geöffnet

Billerbeck

Es sind nur ein paar Stufen, die zu einem bedeutsamen Ort führen. Im hinteren Gebäudeteil des Hauses „Münsterstraße 2“ befindet sich ein ganz besonderer Gewölbekeller. „Immer, wenn ich hier bin, bekomme ich Gänsehaut“, sagt Nicole Dick. Dieser Raum wurde von den jüdischen Gläubigen, die in Billerbeck gelebt haben, als Gebetsraum genutzt. „Anna Uhlmann-Albersheim hat mir erzählt, dass sie dort gebetet hat“, berichtet Wolfgang Suwelack, der die 2011 verstorbene gebürtige Billerbeckerin 2001 in Chicago besucht hat. Der Gebetsraum wird nun im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ auf Initiative der Suwelack-Stiftung für die Öffentlichkeit wieder geöffnet und ist ein weiterer Gedenkort in Billerbeck, an dem über das Schicksal der jüdischen Familien in Billerbeck seit dem 18. Jahrhundert erinnert werden soll.

Von Stephanie Sieme

Zeigen den ehemaligen Gebetsraum: (v.l.) Nicole Dick (nick emotion), Wolfgang Suwelack, Ulla Ewelt (beide Suwelack-Stiftung) und Erika Kestermann-Losse (Besitzerin des Hauses). Foto: Foto: Stephanie Sieme

Bis 1905 haben sich in dem Haus Stein-Bendix die jüdischen Gläubigen zum Gebet getroffen. Bis in die 30er-Jahre existierte dann ein Betraum in dem von Bruno Eichenwald erworbenen Haus an der Beerlager Straße, dem ehemaligen Massonneauschen Haus. Nach 1935 fand wieder im Gewölbekeller an der Münsterstraße die verbliebene kleine Glaubensgemeinschaft wiederum einen Ort, sich heimlich zu treffen, wie in dem von der Suwelack-Stiftung herausgebrachten Buch „Zersplitterte Sterne“ zu lesen ist.

Die Vorbereitungen für die Wiederöffnung, die am 14. Dezember geplant ist, laufen auf Hochtouren. Der Raum wurde renoviert. Leuchtende Informationstafeln sollen an den Wänden installiert werden. Auf ihnen soll die Geschichte der ehemaligen jüdischen Billerbecker Familien – auch mit ganz neuen Erkenntnissen – dargestellt und so an sie erinnert werden, wie Nicole Dick von der Medienproduktion nick emotion, die die Gestaltung in Zusammenarbeit mit der Suwelack-Stiftung übernommen hat, berichtet. Eine von der Jüdischen Gemeinde Dortmund zur Verfügung gestellte Thora wird in einer Vitrine präsentiert. Auf einem Monitor werden Filme zu sehen sein. Wie zum Beispiel der Film „Eichenwald – ein nie geschriebenes Tagebuch“, den nick emotion zusammen mit dem Autor Wolfgang Poeplau gedreht hat. Darin gehe es um ein fiktives Tagebuch, das aber auf Tatsachen beruhe.

Der ehemalige Gebetsraum soll künftig zu den Öffnungszeiten der beiden im vorderen Gebäudeteil ansässigen Unternehmen von Interessierten besichtigt werden können – und nach Anfrage. Gespräche über mögliche Führungen zur Geschichte und dem Schicksal der jüdischen Billerbecker gebe es bereits mit der Stadt Billerbeck. Neben dem Gebetsraum sollen auch die im Frühjahr verlegten Stolpersteine, der Gedenkstein in der Kurzen Straße sowie das Mahnmal dabei berücksichtigt werden.

Die Idee, den Raum für die Öffentlichkeit wieder zu öffnen, hatte Erika Kestermann-Losse, heutige Eigentümerin des Hauses Münsterstraße 2, schon lange. Und die Freude darüber, dass dies nun realisiert werde, ist groß. Bei allen Beteiligten. Für alle ist es eine Herzensangelegenheit. Genauso für Wolfgang Suwelack. Was er fühle, wenn er in dem ehemaligen Gebetsraum ist? „Ich fühle Betroffenheit. Unter normalen Umständen würden jetzt die beiden Eichenwald-Kinder, Eva und Rolf-Dieter, unter uns sein. Sie waren ja so alt wie ich. Das bedrückt mich“, sagt der Billerbecker, der sich seit vielen Jahren mit seiner Stiftung für die Erinnerungskultur in der Domstadt engagiert.

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