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Im ehemaligen Gebetsraum an der Münsterstraße 2 wird jetzt an das Schicksal jüdischer Familien erinnert

Gedenkort beeindruckt erste Besucher

Billerbeck

Ein paar schlichte Hocker mit schwarzen Kissen, eine handvoll beleuchteter Infotafeln an den Wänden, ein Bildschirm, eine Vitrine mit der Thora. Das Gewölbe unter dem Haus an der Münsterstraße 2 hat in seiner klaren Schlichtheit eine ganz besondere Ausdruckskraft, die die Besucher spüren, als sie den neuen Gedenkort für die jüdischen Familien, die seit dem 18. Jahrhundert in Billerbeck gelebt haben, betreten: einen Raum unter dem Geschäftshaus an der Münsterstraße 2, in dem sich gläubige Juden einst zum Gebet getroffen haben. Hier wird auf Initiative der Suwelack-Stiftung an das Leben und das Schicksal der jüdischen Mitbürger erinnert.

Von Ulrike Deusch

Die geladenen Gäste sind beeindruckt von der Umgestaltung des einstigen Gebetsraum zum Gedenkort: (v.l.) Wolfgang Polak (Jüdische Kultusgemeinde Dortmund), Dr. Christian Dirks (hinten, Ausstellungskonzeption fürs Riga-Komitee), Wolfgang Suwelack (Suwelack-Stiftung), Ulla Ewelt (Suwelack-Stiftung), Carina Fischer (Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe), Hausbesitzerin Erika Kestermann-Losse, Nicole Dick (nick emotion Medienproduktion), Stefan Querl (Geschichtsort Villa ten Hompel Münster), Ilja Golub (Jüdische Gemeinde Münster), Bürgermeisterin Marion Dirks, Alexander Sperling ( (Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe). Foto: Fotos: ude

Zur offiziellen Wiedereröffnung gibt es keinen Festakt und keine Ansprachen – aber es sind einige fachkundige Gäste eingeladen, die in persönlichen Gesprächen nicht nur das Engagement der Suwelack-Stiftung loben, sondern auch den Charakter des Gedenkraums. „Es ist sehr beeindruckend, wie hier in Billerbeck mit diesem Ort umgegangen wird“, sagt Alexander Sperling vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Westfalen-Lippe am Rande der Gespräche. Er erklärt die wichtige Bedeutung der Gebetsrolle, der Thora, im jüdischen Glauben. Das schlichte, in einer Vitrine gezeigte Exemplar hat die Jüdische Kultusgemeinde in Dortmund zur Verfügung gestellt. Wolfgang Polak ist von dort als Gast gekommen.

Das Konzept der Ausstellung erklärt Nicole Dick von nick emotion Mediengestaltung. Sie hat in Zusammenarbeit mit der Suwelack-Stidtung die Gestaltung übernommen. Die beleuchteten Tafeln schildern in Bildern und kurzen Texten, Daten und Stammbäumen die persönlichen Schicksale der Familien. Zusammen mit zeitpolitischen Hintergründen spiegeln sie den aktuellen Stand der Forschung wider. Die Arbeit der Suwelack-Stiftung wird an einer Medienstation deutlich, an der sich Besucher – mit Kopfhörern auf den Ohren – Filme und Videos zur Erinnerungsarbeit in Billerbeck anschauen können.

„Ich freue mich, dass ich einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten kann, sagt Hausbesitzerin Erika Kestermann-Losse, die gern mit der Suwelack-Stiftung kooperiert hat, um den einstigen Gebetsraum zum aktuellen Gedenkort zu machen.

Ab sofort können Interessierte während der Öffnungszeiten der Geschäfte im Haus den Gedenkort besuchen. „Wir werden ihn auch in unser Programm zu den Stadtführungen integrieren“, kündigt Bürgermeisterin Marion Dirks an. Ein Schild an der Hauswand weist auf den neuen Raum hin. Darauf findet sich auch ein QR-Code zum Herunterladen des Info-Flyers.

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