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Neue Gastronomie-Regel ab heute

Gemischte Gefühle bei 2G plus

Billerbeck

Mit 2G war Klaus Osthues vom Sportpark seiner Zeit voraus. Und anders als manch anderer Gastronom hat er auch mit der neuen 2G-Plus-Regel kein Problem. „Für uns ist das absolut in Ordnung“, so Osthues. Beim Tennis habe er schon gute Erfahrungen mit der Regel gemacht. Dort habe die Testpflicht auch kaum Auswirkungen auf die Besucherfrequenz gehabt. „Es sind so gut wie keine Stunden ausgefallen“, sagt er. Ohnehin sei ein Großteil der Gäste geboostert und somit von der Testpflicht befreit. „Das ist für uns eine gute Lösung“, so Osthues. Ein Problem sehe er eher an anderer Stelle. „Ich fürchte, dass die Welle uns überrollt und dann sehr viele ausfallen, weil sie in Quarantäne müssen.“ Die Auswirkungen von 2G-Plus auf das Gastronomie-Geschäft sehe er dagegen entspannt.

Von Falko Bastos

Leere Tische in der Gastronomie gibt es nicht nur wegen strenger Zugangsregeln. Viele Gäste halten sich derzeit freiwillig zurück. Foto: Foto: Pixabay

Auch Gerlinde Frede vom Domcafé sieht der neuen Regel optimistisch entgegen. „Wir sind positiv gestimmt.“ Die allermeisten Gäste seien geboostert. Und sowieso sei alles besser als ein Lockdown. „Das war eine Vollkatastrophe.“

Karin Holzknecht ist da skeptischer. Sie fürchtet, dass es im Kleinen Café noch ruhiger wird als im Dezember. „Schön wird das nicht.“ Denn für die spontane Tasse Kaffee würden wohl die wenigsten einen Test machen. „Das wird alles wegbleiben.“ Für die Leute gebe es mehr Sicherheit, „aber für die Betreiber ist das ein ganz hartes Los.“ Da helfe dann auch die Booster-Ausnahme nicht. Denn gerade die, oftmals geboosterten, älteren Gäste blieben aus Vorsicht zu Hause, während viele jüngere noch keine Drittimpfung erhalten hätten. Die allgemeine Zurückhaltung werde schon beim Blick in die Fußgängerzone deutlich. „Die Angst grassiert.“ Ein Umstand, der sich durch Regeln kaum ändern lässt.

Wie sie damit umgehe, bleibe noch abzuwarten. Schon im Dezember hatte sie die Öffnungszeiten eingeschränkt und montags geschlossen. Dennoch habe sie an den meisten Tagen noch draufgezahlt. Aktuell seien Öffnungszeiten und personelle Besetzung schwer zu planen.

Finanziell seien die Auswirkungen aber jetzt schon dramatisch. Nur mit Außer-Haus-Verkauf könne sie vielleicht auf plus minus null kommen. „Gewinn machen kann man als Café damit nicht. Ich fürchte, dieser Winter wird noch mehr Gastronomen die Existenz kosten.“ Mehr als der Lockdown im letzten Winter, denn da habe es wenigstens finanzielle Unterstützung gegeben.

Auch für Augustinus Niehoff von der Weißenburg sind es nicht die Regeln, sondern die Folgen der Pandemie selbst, die ihm das Leben schwer machen. Eine große Veränderung im Gästeaufkommen erwartet er durch die neue Regel nicht. Schließlich seien Besuche in der Weißenburg meist geplant und weniger spontan. „Viel tragischer sind die Inzidenzzahlen, davon sind wir automatisch negativ betroffen, unabhängig von 2G plus“, sagt Niehoff.

Schon Mitte November seien die Besucherzahlen deutlich eingebrochen, unabhängig von der Einführung der 2G-Regel. Finanziell lohnen könne sich das nicht. Besonders belastend seien da die Öffnungszeiten von früh morgens bis spät abends. Anders als andere Gastronomen könne er mit dem Hotelbetrieb nicht mal eben mittags schließen.

„Aber wir werden nicht den Kopf in den Sand stecken“, gibt sich Niehoff kämpferisch. Die große Frage sei nur: Wie lange hält dieser Zustand an? „Wir müssen durchhalten und wir werden auch noch eine Weile durchhalten.“

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