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Sandsteinfigur an ehemaliger Haulingbach-Quelle zeigt ein Stück Stadtgeschichte

Heimatverbundenheit mit Details

Billerbeck

Sie steht für einen Teil Billerbecker Geschichte, nimmt den Betrachter mit auf eine kurze Reise in die Vergangenheit. Jeder kennt sie. Jeder ist ihr schon einmal begegnet. Seit fast 20 Jahren wäscht „Die Waschfrau“ unermüdlich Wäsche an der Straße „Am Haulingbach“. Mit gesenktem Kopf. Vertieft in die schwere Arbeit. Genau an der Stelle, an der Quelle des Haulingbaches, der 1959 verrohrt wurde, haben früher Billerbecker Frauen ihre Wäsche gewaschen.

Von Stephanie Sieme

Das Haupt ist geneigt. Es scheint als wäre die Waschfrau tief in ihre Arbeit versunken. Foto: Foto: sdi

Klaus Hessling, der zufällig beim Pressetermin vorbeiläuft, erinnert sich noch ganz genau. „Es führte eine Treppe runter zum Wasser“, erzählt er. Dort wurde dann Wäsche gewaschen. Und nicht nur das. „Als Kinder haben wir dort auch gespielt“, so der Domstädter, der damals etwa im selben Alter war wie Piet Voss und Lotta Aupert jetzt. Die beiden Achtjährigen nehmen die Skulptur zusammen mit Steinmetz und Bildhauer Bernd Dirks, in dessen Betrieb die Figur von Theo Weiling, entworfen und geschaffen wurde, unter die Lupe. Und ein genauerer Blick lohnt sich. „Vieles ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Aber wenn man sich die Figur einmal näher anschaut, gibt es Vieles zu entdecken“, so Dirks. So wie zum Beispiel die Schuhe, die die Frau trägt. „Das sind Holzschuhe“, sagt Lotta. Sogar der Lederbesatz in Form einer durchgehenden Kappe, wie er für original münsterländischer Holzschuhe typisch ist, ist abgebildet. Auch die Kleidung, die die Waschfrau trägt und bäuerlich anmutet, ist typisch für die Zeit gewesen. Die Ärmel sind hochgekrempelt. „Damit sie nicht nass werden“, so die Achtjährige. Deshalb sind auch die langen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. „Die wären sonst auch im Weg gewesen“, sagt Piet. Der Grundschüler zeigt auf einen kleinen rechteckigen Steinblock, der vor der Waschfrau liegt. Was das ist? „Seife“, sagt er und grinst. „Damals hat es ja auch keine Waschmittel gegeben“, so Dirks. „Wisst ihr, was ein Waschbrett ist?“, fragt er. Denn auch das ist abgebildet. Darüber wurde früher das Kleidungsstück gerieben, um die Verschmutzungen zu lösen.

Es sollte eine reelle Darstellung der Waschfrau sein. Die vielen Details wie Schuhe und Kleidung – „sie drücken Heimatverbundenheit aus“, erklärt Dirks. Mit der Skulptur soll Geschichte lebendig gemacht werden. Wie damals die mühselige Arbeit des Wäschewaschens ausgesehen hat. Die Figur der Waschfrau ist kräftig, die Arme wirken muskulös. „Als wäre sie in die Muckibude gegangen“, so Dirks schmunzelnd. Lotta und Piet lachen. Im Billerbecker Nachbarort gibt es ebenfalls eine solche Figur. Aus Bronze. An der Vechte. „Es ist eine ganz zierliche Darstellung in Darfeld. In Billerbeck geht es rustikaler zu“, so Dirks.

Die Skulptur ist aus Baumberger Sandstein gefertigt. Aus einem nur rund fünf Kilometer entfernten Steinbruch abgebaut. Gefertigt ist die Figur aus einem großen Steinblock. Echte Handarbeit. Rund vier Wochen hat es gedauert, bis die Skulptur fertig war. Ob dabei auch mal etwas schief gehen kann, wollen Lotta und Piet sowie ihre Mütter wissen. „Natürlich können mal Knöpfe oder ein Fingernagel abbrechen, aber das ist eher selten. Wir arbeiten so behutsam, dass nichts passiert“, antwortet der Bildhauer und berichtet, dass der Baumberger Sandstein angenehm zu verarbeiten sei. Es sei für solche Skulpturen ein gutes Material.

 Anschauen und rätseln dürfen auch Sie, liebe Leserinnen und Leser. Unsere Frage zur Waschfrau-Skulptur im Bereich „Am Haulingbach“ lautet: Welches schützende Kleidungsstück trägt die Waschfrau über ihrem Kleid?

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