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Publikum von Premiere von „Räuber Hotzenplotz“ begeistert

Herrlich turbulente Inszenierung

Billerbeck

Großmutter sitzt strickend auf der blauen Bank vor ihrem Haus, Polizist Dimpfelmoser packt vorm Polizeirevier erst mal seine Brotzeit aus, die Postbotin verteilt das Extrablatt, Kasperl und Seppl beobachten das Dorfleben, und das Publikum wiegt sich in leiser Vorfreude im Walzertakt, der diese idyllische Szene untermalt.

Von Ursula Hoffmann

Riesenapplaus gibt es auch für das Regieteam für die gelungene Inszenierung von „Räuber Hotzenplotz“, die Jung und Alt einen Nachmittag voller Spaß und Spannung bereitet hat : (1. Reihe v.l.) Tomke Schneider (Regieassistenz), Anke Lux (Regie), Johanna Haecker (Gesang). Foto: Fotos: Ursula Hoffmann

Dass es so friedlich nicht bleibt, machen die Dorfbewohner mit ihrem schwungvollen Eröffnungslied schnell klar, denn „Wer lebt im finstern Wald allein? Der Hotzenplotz.“ Ein Schurke, der am Gürtel sieben Messer und eine Pfefferpistole trägt und alles stiehlt, was ihm vor die Augen kommt. Natürlich auch die schöne neue Kaffeemühle, die Kasperl und Seppl der Großmutter zum Geburtstag geschenkt haben und die ihr Lieblingslied „Alles neu macht der Mai“ spielen kann. Da der Dimpfelmoser lieber Protokolle schreibt, als im finsteren Wald den Räuber zu suchen, müssen Kasperl und Seppl einen Plan aushecken, wie sie die Kaffeemühle zurückholen.

Die von Ottfried Preußler mit unverwüstlichem Humor und großer Herzenswärme geschriebene Geschichte vom Räuber Hotzenplotz bringt die Freilichtbühne Billerbeck in einer herrlich turbulenten Inszenierung voller Dynamik und Witz auf die Bühne. Normalerweise liegt der Reiz der Inszenierungen ja darin, dass ein großes Ensemble die Naturbühne mit Leben füllt. In diesem Jahr ist die Zahl der Darsteller wegen der Corona-Pandemie auf acht begrenzt. Wie die acht vor Energie sprühenden Spieler unter der Regie von Anke Lux diese mit Überraschungen und viel Musik gespickte Gaunerjagd in Szene setzen, das ist einfach großartig. Angefangen bei dem an eine bunte und herrlich schiefe Spielzeugwelt erinnernden Bühnenbild über liebevolle, bis ins kleinste Detail stimmig gezeichnete Figuren, (so trägt Seppl einen Strumpf bis zum Knie, der andere hängt runter) bis zu der immensen Spielfreude der Akteure stimmt einfach alles.

Emilia Alexander schlüpft in die Rolle des springlebendigen Kasperls, agiert herrlich kess und frech, Leo Nowitzki ist als etwas linkischer und bedächtiger Seppl ein passender Gegenpol. Ralf Windfuhr als überforderter Dimpfelmoser spielt köstlich seine ziemlich sinnfreie Dienstbeflissenheit aus, Anne Schuhmacher verkörpert als Großmutter naive Herzlichkeit. Bertram Nabbelfeld füllt mit sonorer Stimme den Räuber mit der blutroten Feder am Hut prächtig aus. Klasse auch Heinz Bösing als Zauberer Petrosilius Zwackelmann, der zwar eine Fee in eine Unke verzaubern kann, aber nicht Kartoffeln die Schale wegzaubern.

Begeisterten Applaus bekommt Carola Windfuhr als dicke, köstlich ausstaffierte verzweifelte Unke, die ihre Stimme perfekt an die Rolle angepasst hat. Vor allem die Mädels begeistert ihre Verwandlung in die bezaubernde Fee Amaryllis (Sandra Dirks). Ein besonderes Schmankerl sind die fröhlich-eingängigen Lieder, hervorragend einstudiert von Johanna Haecker, die den Charakter der Figuren unterstreichen.

Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, es knallt, dampft und pufft, dass es eine Freude ist, und das Publikum bedankt sich mit jubelndem Applaus und stehenden Ovationen für diesen ebenso witzigen wie spannenden Nachmittag.

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