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Hans-Karl Seeger bringt Lebensgeschichte von Karl Leisner auf 4400 Seiten / Vorstellung bei Buchmesse

In Sherlock-Homes-Arbeit Chronik verfasst

Billerbeck. Unlängst erhielt Hans-Karl Seeger per E-Mail ein Ultraschallbild. „Bis dahin wusste ich gar nicht, dass ich schwanger bin“, sagt er schmunzelnd. Die Bemerkung, dass so etwas in der biblischen Geschichte auch schon mal vorgekommen ist, bringt ihn zum Lachen. Sein „Kind“ ist die Lebens-Chronik zu Karl Leisner – 4400 Seiten in fünf Bänden – an der er siebzehn Jahre gearbeitet hat. Der Geburtstermin ist für die Frankfurter Buchmesse geplant. Das bevorstehende Jubiläum – am 28. Februar 2015 würde der selig gesprochene Märtyrer 100 Jahre alt – gab den Anlass dazu.

Ulla Wolanewitz

Der Verlag Butzon & Bercker, der dieses Lebenswerk veröffentlicht, ließ ihm bereits eine Datei mit der Vorschau auf die Ansicht der Bände zukommen und die begeisterte ihn sehr.

Zurzeit ist er gerade noch mit dem allerletzten Feinschliff des Textdokumentes beschäftigt: Glossar, Register und Bildnachweise erstellen. Das ist zwar nicht die Lieblingsarbeit eines Autors, gehört aber eben auch zum Ganzen. Sehr viel interessanter ist natürlich die Sherlock-Holmes-Arbeit, die intensive Recherche, die der Chronik des Märtyrers aus Kleve zu Grunde liegen. „Mittlerweile kenne ich mich in der Familie Leisner besser aus als die sich“, bemerkt er. „Wenn einer von ihnen etwas Bestimmtes wissen möchte, fragen sie mich.“ Es sind unter anderem die gemeinsamen Lebensorte Rees, Kleve und Xanten, die Hans-Karl Seeger mit Leisner verbinden. Die Elternhäuser in Kleve waren nur 200 Meter voneinander entfernt. Hans-Karl Seeger engagierte sich viele Jahre als Präsident im Internationalen Karl-Leisner-Kreis (IKLK), war dementsprechend auch in den Prozess der Seligsprechung eingebunden.

Leisner entstammte einer sehr religiösen Familie und zeichnete sich schon früh durch seine Führungsqualitäten aus. Dem Nationalsozialismus stand er sehr kritisch gegenüber, was ihm seinen beruflichen Werdegang nicht gerade erleichterte. Kurze Zeit nachdem er im März 1939 zum Diakon geweiht wurde, bekam er die Diagnose Tuberkulose, was im Juni des gleichen Jahres zum Aufenthalt in der Lungeheilstätte in St. Blasien führte. Als dem Schreiner Georg Elser am 8. November 1939 das Attentat auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller in München misslang, kommentierte Leisner das gegenüber einem Mitpatienten mit den Worten: „Schade, dass er nicht dabei gewesen ist.“ Auf Grund dieser Äußerung verhaftete ihn die Gestapo am Morgen des 9. November. Bis März 1940 war er in Freiburg inhaftiert und blieb bezüglich seiner Äußerung standhaft. Von dort kam er ins KZ Sachsenhausen, im Dezember 1940 ins KZ Dachau. Durch seine stets optimistische Ausstrahlung hatte er eine besondere Wirkung auf seine Mitgefangenen. Er brachte den Kranken heimlich die heilige Kommunion, die er stets bei sich trug. Er ließ sich eine Gitarre schicken, um die Entmutigten mit Spiel und Gesang aufzumuntern. Für alle soll er stets ein freundliches Wort gehabt haben. Das alles, obwohl ihm seine Tuberkulose schwer zu schaffen machte. Am 17. Dezember 1944 erhielt er von dem ebenfalls inhaftierten französischen Bischof Gabriel Piguet die Priesterweihe. Nach der Befreiung durch die Amerikaner am 29. April 1945 wurde das Lager wegen der grassierenden Fleckfieberepidemie zunächst unter Quarantäne gestellt. Am 4. Mai gelang es Pater Otto Pies SJ und dem Stadtpfarrer von St. Jakob in Dachau, Friedrich Pfanzelt, Karl Leisner aus dem Lager zu „entführen“. Noch am selben Tag wurde er in das Waldsanatorium Planegg bei München eingeliefert. Dort starb er am 12. August an den Folgen seiner KZ-Haft. Sein letzter Tagebucheintrag lautet: „Segne auch, Höchster, meine Feinde!“

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