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Jahresbaschluss mit Kourion-Orchester im Dom

Musikalisches Feuerwerk entzündet

Billerbeck

Was für ein erhebendes Gefühl: Hunderte Stimmen singen gemeinsam „O du fröhliche“, überstrahlt von den Trompeten vorn aus dem Altarraum, von hinten mit majestätischen Akkorden der großen Domorgel machtvoll begleitet – die letzten Minuten beim Jahresabschlusskonzert im Ludgerus-Dom ließen so manche Augen im Publikum glänzen, wenn nicht gar ein wenig feucht werden. Einzustimmen in den Gesang zur Ehre Gottes, das ist in Corona-Zeiten alles andere als selbstverständlich und geschah an diesem Abend auch nur unter strenger Einhaltung aller notwendigen Regeln.

Von Christoph Schulte im Walde

Haben das Konzert gestaltet: (v.l.) Kantor Lukas Maschke, Sopranistin Anna-Sophie Brosig und Organistin Anne Temmen-Bracht.

Diese hatten schon im Vorfeld dazu geführt, dass das traditionelle Konzert des Propsteichores verschoben werden musste. Stattdessen gab es ein Programm für Orchester und Solo-Sopran, in kürzester Zeit zusammengestellt von Kantor Lukas Maschke. Das aber war alles andere als bloßer „Ersatz“, im Gegenteil: Mit dem Kourion-Orchester Münster und der Solistin Anna-Sophie Brosig erlebten die Zuhörer im Dom großartige Musik, die einerseits das Licht des neugeborenen himmlischen Königs leuchten ließ, andererseits aber auch stille, verhaltene Töne anschlug. Die beiden Arien aus Johann Sebastian Bachs „Magnificat“ standen exemplarisch für dieses Spannungsfeld, auch Bachs Orchestersuite D-Dur, prachtvoll besetzt mit gleich drei Trompeten, die als Klangkronen des Orchesters wie auf Hochglanz poliert wirkten. Genau richtig, um den feierlichen Rhythmus der Ouvertüre ins Publikum zu tragen. Dann die berühmte „Air“ für Streicher mit ihrer endlos schönen Melodie. Das war Balsam für die Seele, ganz ähnlich wie das „Concerto grosso“ des Italieners Arcangelo Corelli, vom Komponisten ausdrücklich der Nacht der Geburt Jesu gewidmet. Ein Wechselbad der Gefühle und Stimmungen, gipfelnd in der anmutigen „Pastorale“, mit der die Hirten auf dem Feld ihr Wiegenlied singen.

A propos singen: Überaus reizvoll war Lukas Maschkes Idee, sowohl Bachs Suite als auch Corellis „Concerto“ zu bereichern durch Anna-Sophie Brosigs Sopran-Arien. „Er weidet seine Herde“ aus Händels „Messias“ passte haargenau zu Corelli, ebenso wie das „Freue dich, Tochter Zion“ mit seinem temperamentvollen Pulsschlag. Perlen wie geschaffen für Brosig und ihren virtuos geführten Sopran. Ihn durfte die bestens disponierte Sängerin abermals funkeln lassen in Wolfgang Amadeus Mozarts „Laudate Dominum“, geprägt von intensivem Ausdruck und makelloser Linienführung. Wem ging beim Erleben dieser überirdisch schönen Musik nicht das Herz auf?

Und was wäre der Abschied von einem gleichermaßen schönen wie schwierigen Jahr ohne sprühendes Feuerwerk, wenn auch „nur“ in klingender Form? Mit Händels „Feuerwerksmusik“ weckte Lukas Maschke am Pult des Kourion-Orchesters samt großer Orgel noch einmal festliche Stimmung, auf die das Publikum im Dom mit begeistertem Beifall reagierte. Ein bewegendes Konzert, von dem es im bevorstehenden Jahr hoffentlich wieder einige mehr gibt.

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