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Bezirksschornsteinfeger Horst Kuhl geht in den Ruhestand – Michael Warmes aus Coesfeld übernimmt

Neuer Glücksbringer für Billerbeck

Billerbeck

Der Blick schweift über die Dächer Billerbecks. Hoch oben, vom Dach des Rathauses, auf der kleinen Plattform direkt neben dem Türmchen, hat man wahrlich eine gute Aussicht auf die Domstadt und ihr Umland. Horst Kuhl kennt so gut wie jedes Haus und jeden Schornstein. „Da wird man schon ein wenig wehmütig“, sagt der Osterwicker, der 49 Jahre lang als Schornsteinfegermeister gearbeitet hat – davon zwölf Jahre als Bezirksschornsteinfeger in der Domstadt.

Von Stephanie Sieme

Bezirksschornsteinfeger Horst Kuhl (l.) geht in den wohlverdienten Ruhestand. Zu einem Nachfolger hat die Bezirksregierung Michael Warmes bestellt. Foto: Foto: Stephanie Sieme

Nun ist Schluss. Kuhl wird seinen schwarzen Anzug mit den goldenen Knöpfen und auch den Zylinder an den Nagel hängen, er geht in den wohlverdienten Ruhestand. Und er geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Die Verabschiedungstour fällt schon schwer“, sagt er. Klar, in all den Jahren ist er durch seine Arbeit vielen Menschen begegnet. „Das ist ein ganz besonderer Beruf“, findet der Schornsteinfegermeister. „Man kommt zu den Leuten nach Hause.“ Man hält ein Pläuschchen, lernt sich mit der Zeit kennen. Natürlich freut er sich auch auf seinen neuen Lebensabschnitt. Seinem großen Hobby, das Segeln, will er wieder nachgehen. „Dafür fehlte leider die Zeit“, so der Osterwicker. Viele Törns will er machen. Aber auch Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen. „Jetzt wird der Opa ein bisschen mehr Zeit haben“, sagt er lächelnd.

Billerbeck ist in zwei Kehrbezirke aufgeteilt. In einem war Kuhl als Schornsteinfegermeister tätig. „Ich würde sagen, das waren 90 Prozent der Stadt“, so der Osterwicker. Den Bezirk übernimmt zum 1. Juni Michael Warmes aus Coesfeld. In den nächsten Tagen werden die beiden eine Tour durchs Gebiet machen, damit Warmes seinen neuen Arbeitsplatz kennenlernt. 3000 Liegenschaften hat er zu betreuen. Wer das Amt eines Bezirksschornsteinfegers übernehmen will, muss sich auf einen freien Kehrbezirk bewerben, den die Bezirksregierung ausschreibt. Meistertitel, Fortbildungen, Erfahrungen – all das wird beim Bewerbungsverfahren herangezogen und bringt Punkte. „Je höher der Punktestand ist, desto höhere Chancen hat man“, sagt Warmes, der sich durchgesetzt hat und von der Bezirksregierung zum neuen Bezirksschornsteinfeger bestellt wurde. Eine 33-jährige Erfahrung bringt er mit – zuletzt war er elf Jahre in Coesfeld. Und auch er verlässt seinen Bereich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er sagt.

Der Schornsteinfeger ist für die Betriebs- und Brandsicherung von Feuerstellen verantwortlich. „Dahinter verbirgt sich unheimlich viel. Viele DIN- und Rechtsvorschriften“, erklärt Kuhl. Zu den hoheitlichen Aufgaben gehören unter anderem Bauabnahmen und das Führen eines Kehrbuchs, die Überprüfung von neu errichteten oder geänderten Feuerstätten, und auch Energieberatung. „Momentan das Thema schlechthin. Die ersten Umweltschützer waren Schornsteinfeger“, berichtet Kuhl. Und nicht nur das. Sie sind auch die Glücksbringer schlechthin. „Wie oft an diesem Knopf schon gedreht wurde – ich weiß es nicht“, sagt der Osterwicker und zeigt auf einen der goldenen Knöpfe an seinem Anzug. Das soll Glück bringen. „Ich weiß auch nicht, bei wie vielen Hochzeiten ich Spalier gestanden habe.“ Während Michael Warmes und Horst Kuhl gemeinsam durch die Innenstadt laufen, wird ihnen zugelächelt. „Wie schön, gleich zwei Schornsteinfeger“, sagt eine Frau im Vorbeigehen. Das bringt sicher doppelt Glück.

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