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Kurze Probenphase auf der Freilichtbühne für das Ensemble von „Schtonk“

Noch drei Wochen bis zur Premiere

Billerbeck

Ab August gibt’s richtig Stunk auf der Freilichtbühne. „Schtonk“ hätte Charlie Chaplin gesagt. Nein, der Komiker wird hier nicht inszeniert. Wohl aber lieferte das Unikum indirekt den Titel für das gleichnamiges Drehbuch von Helmut Dietl, da der Schauspieler in „Der große Diktator“ vielfach das Wort „Schtonk“ verwendete, hinter dem sich – die Hitler-Sprache imitierend – nichts anderes als Stunk verbirgt.

Von Ulla Wolanewitz

Regisseur Johannes Lang (r.) bei einer Szenenprobe mit Sigi Schulz, der den Kunstfälscher Fritz Knobel spielt, und Mari Steinmann, die seine Frau Biggi verkörpert. Die „Hotzenplotz“-Pause war eine ideale Zeit, um „Schtonk“ zu erarbeiten. Foto: Foto: ul

Auf spannende und satirische Unterhaltung vom Feinsten können sich Kulturfreunde in dieser späten Sommersaison freuen. Zuletzt liefen täglich – nachmittags bis in die Abendstunden – die Proben der acht Schauspieler und der Sängerin Johanna Haecker, die „Schtonk“ auf die schöne Waldbühne bringen. Seit Mitte Juni ist Regisseur Johannes Lang aus Nürnberg im Lande. Er kommt immer wieder gerne in die Domstadt und inszeniert hier mittlerweile das fünfte Stück. Diesmal studiert er die Persiflage auf den Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher mit dem Ensemble ein. Premiere ist am Freitag (20. 8.). Keine Frage: Diese kurze Vorbereitungszeit hat schon mal das Prädikat „sehr ambitioniert“ verdient.

„Das ist den Coronaschutz-Maßnahmen geschuldet“, erklärt Christian Alexander, Geschäftsführer Kultur. Normalerweise laufen die Proben für das Kinder- und Familienstück parallel. Diesmal wurde erst nach der Premiere von „Der Räuber Hotzenplotz“ mit dem zweiten Stück begonnen. Auch wurde coronabedingt mit „Schtonk“ ein Stück ausgewählt, dass keine 20 Schauspieler oder mehr erfordert. Das macht deutlich, wie viel umfassende und flexible Planung und Organisation Aufführungen in dieser Zeit benötigen.

In den vergangenen Wochen war die Hotzenplotz-Kulisse mit Großmutterhäuschen, Boot und Schloss frei, da sich der Räuber in den Urlaub verabschiedet hatte (der übrigens am heutigen Mittwoch endet). Stattdessen lebten Prof. Dr. Knobel, seine zwei Damen und die anderen Akteure sich dort entsprechend aus.

Die Story: Professor Knobel, hinter dem sich der Kunstfälscher Konrad Kujau verbirgt, verkauft Ende der 1970er Jahre dem Alt-Nazi Lentz den angeblich vom Führer selbst gemalten Akt von Eva Braun. Inspiriert durch den Handel, der so schön rund lief, setzt er gefälschte Hitler-Tagebücher mit frei erfundenem Inhalt in die Welt, um noch mehr Kohle zu machen. Nazi-Freund und Reporter Hermann Willé wittert eine Sensation und den Verkauf dieser Fake News für neun Millionen an ein Nachrichtenmagazin.

Szenenausschnitt: „Ihr vernichtet meine Produktionswerkzeuge“, verzweifelt der Professor (Sigi Schulz), der seine Gattin (Mari Steinmann) und seine Affäre Martha (Juliane Wegener) dabei erwischt, wie sie seine Werkstatt aufräumen. Die Frauen haben die Nase voll. Es wird ihnen zu heiß mit Knobels kriminellen Machenschaften und sie nehmen die Entsorgung seiner Werke in Angriff. „Ich habe eine übermenschliche Anstrengung vollbracht. Seine Handschrift schreibe ich schneller als meine. Ich habe die bisher größte Gesamtfälschung der Welt geschaffen“, versucht er die Frauen von ihrem Tun abzuhalten. Tatsächlich wird der Kunstfälscher in seiner Besessenheit und vor allem seiner Sprechweise dem Führer immer ähnlicher.

Wie das Chaos in diesem „Schtonk“ ein Ende findet, ist nach der Premiere in neun Aufführungen zu erleben. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.

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