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Die ukrainischen Mädchen Eva und Alisa finden bei den Rölvers Spaß und Ablenkung

Omelette für die Gastfamilie

billerbeck

Was ihre Hobbys sind? Alisa (12) und Eva (10) schauen sich kurz an, dann schnappt sich Eva das Smartphone vom Gartentisch und spricht auf Ukrainisch ein paar Sätze hinein. „Wir spielen gern mit unseren Freunden Fußball und wir rufen uns gegenseitig an und verabreden uns zum Kochen“, schnarrt die Computerstimme aus dem Handy. Hat sie das wirklich richtig übersetzt? „Ja“, lacht Gastmutter Margret Rölver. „Für uns haben die zwei schon mehrfach gekocht.“ Omelette und ein Gericht mit Krabben – so wie sie es von zu Hause kennen. Zu Hause – das ist Malyn in der Ukraine und Alisa und Eva gehören zu der Kindergruppe, die auf Initiative der Stadt und mit Unterstützung vieler Billerbecker noch bis Ende der Woche Urlaub in Billerbeck und Umgebung macht (wir berichteten).

Von Ulrike Deusch

Eva (M.) und Alisa (r.) fühlen sich bei der Familie Rölver sehr wohl und haben sich fürs Foto auf ein Klettergerüst im Garten gesetzt. Margret Rölver ist es ein Anliegen, dass die Mädchen während ihrer Zeit in Billerbeck viel Schönes erleben und Ablenkung finden. Foto: Foto: ude

„Vor allem geht es darum, dass sich die Kinder abseits vom Krieg in ihrem Land erholen können“, sagt Margret Rölver. „Wir wollen sie ablenken und ihnen einfach eine schöne Zeit schenken“, formuliert sie das Anliegen der Gastgeber. Immer klappt das nicht. „Wir spüren, dass die Mädchen Ängste haben, zum Beispiel, wenn sie ihre Familie mal nicht sofort übers Handy erreichen können.“ Einige Tage nach ihrer Ankunft hätten die Mädchen gefragt, ob sie den Gasteltern ihre ganz persönlichen Kriegsgeschichten erzählen dürfen. Wie alles angefangen hat. Wie es war, als sie die Nachricht vom Angriff erhalten haben. Da gab es auch Tränen, so Rölver. Auch Angehörige der Kinder kämpfen an der Front. Dass sie sehr traurig über den Krieg in ihrer Heimat sind, sagen die Mädchen – wieder mit Hilfe der Sayhi-Übersetzungs-App – und Eva glaubt nicht, dass sie zu Hause nach den Sommerferien wieder in die Schule gehen können.

Schulkameradinnen sind Eva und Alisa nicht, aber Nachbarskinder, berichtet Alisa, die in der Schule Englisch lernt und hier in Billerbeck ihre ersten Kenntnisse anwenden kann. Das abwechslungsreiche Programm, das die Stadt spontan auf die Beine gestellt hat, gefällt den jungen Gästen sehr gut. Und Billerbeck auch. Die Innenstadt hat sie beeindruckt mit den beiden großen Kirchen. Und „people are very friendly“ – die Menschen sind sehr nett“, sagt Alisa.

Wenn mal kein gemeinsames Programm organisiert ist, sorgen Margret und Ferdi Rölver zusammen mit den anderen Gastfamilien dafür, dass die Mädchen eine gute Zeit und Spaß haben. Fünf Familien aus Billerbeck haben ja gesagt, als die Stadt für die 20-köpfige Gruppe aus Malyn sehr kurzfristig Gastgeber suchte, dazu einige aus den Nachbarorten.

Die Rölvers sind erfahrene Gasteltern. Schon vor vielen Jahren haben sie mehrfach Kinder aus Belarus für die Ferien aufgenommen. „Wir haben das immer als Bereicherung auch für unsere eigene Familie empfunden“, sagt Margret Rölver. Damals sei es neben der Erholung auch um gesundes Essen und materielle Hilfe gegangen. „Das spielt heute keine Rolle“, so Rölver. Die Kinder stammten im wesentlichen aus guten Mittelstandsfamilien. Dieses Mal gehe es ums Ablenken, ums Bespaßen im allerbesten Sinn.

Das gelingt offenbar gut. Schwimmen macht den Mädchen besonderen Spaß, kleine Ausflüge in die Umgebung, das Spielen mit den Freunden aus den anderen Gastfamilien. Mit einem Blick aufs noch ausstehende Programm der nächsten Tage freuen sich Alisa und Eva besonders aufs geplante Soccer-Turnier. Klar, das ist ja auch eins ihrer Hobbys.

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