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Grüne kritisieren Vorgehen der Verwaltung und bemängeln fachliche Fehler

Querelen um den Quellteich

Billerbeck. Dunkle Regenwolken und ruppig-kalter Wind – das Wetter passte zur Stimmung, als sich die Mitglieder des städtischen Umweltausschusses, Vertreter der Verwaltung sowie interessierte Bürger und Politiker am Donnerstagnachmittag zum Ortstermin an der Berkelquelle trafen. Denn eitel Sonnenschein ist dem mittlerweile abgeschlossenen Projekt „Naturnahe Entwicklung der Berkelquelle und der Berkel“ nicht beschieden. Vor allem der kleine Quellteich, der auf Wunsch vieler Bürger und der Mehrheit der Ratsmitglieder als Ersatz für den zurückgebauten Berkelquellteich angelegt wurde, ist Quell fortdauernden Streits. Aktueller Aufreger: Die Entscheidung, das Wasser aus dem Restteich abzulassen und die Anlage verlanden zu lassen. Erste Schritte in diese Richtung sind mit der Entfernung der Überlaufschwelle und dem Anpflanzen von Brunnenkresse und Schilf bereits erfolgt.

Christine Tibroni

Ortstermin an der Berkelquelle: Mitglieder des Umweltausschusses, Vertreter von Verwaltung und Naturschutzzentrum sowie interessierte Bürger und Politiker diskutierten über den Restteich, der nach kurzer Zeit schon wieder passee sein soll. Foto: Christine Tibroni

Betriebsleiter Rainer Hein, der für die Stadt Billerbeck das Projekt betreut, erklärte beim Ortstermin, warum der hart erkämpfte Restteich knapp ein Jahr nach Abschluss der Umbaumaßnahme im Quellgebiet schon wieder passee sein soll. „In verschiedenen Bereichen gibt es kleine und größere Quellaustritte, über die Feinsand in den Teich gelangt.“ Innerhalb kurzer Zeit habe sich so die Tiefe des Gewässers von ursprünglich 1,80 bis 2 Meter auf aktuell nur noch 30 bis 40 Zentimeter reduziert, was wiederum zu einem erhöhten Nährstoffgehalt im Wasser mit negativen Folgen für die Gewässerökologie führte. „Wir haben daraufhin mit den zuständigen Behörden überlegt, wie wir weiter vorgehen können und sind zu dem Ergebnis gekommen, den Teich verlanden zu lassen“, so Hein.

Die Maßnahme wurde in das Pflege- und Entwicklungskonzept „Berkelquellteich“ aufgenommen, das in Abstimmung mit der Bezirksregierung, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld aufgestellt wurde und eigentlich im Umweltausschuss am 21. Januar vorgestellt werden sollte. Die Sitzung wurde jedoch aus Gründen des Infektionsschutzes abgesagt.

Deutliche Kritik übten die Grünen. Dr. Anne Monika Spallek etwa echauffierte sich, dass die Politik „nicht beteiligt und vor vollendete Tatsachen gestellt“ wird. Ralf Flüchter erneuerte die Kritik der Grünen, dass schon bei der Planung und Herstellung des Teiches Fehler begangen wurden. So sei der Standort falsch gewählt. Spätestens nach dem Ausbaggern des alten Berkelquellteichs hätte man Quellaustritte erkennen und den Weiher so platzieren müssen, dass weniger Quellwasser zufließt. Nach Einschätzung der Grünen hätte der Teich auch tiefer ausgehoben werden müssen.

Rainer Hein hielt dem entgegen, dass auch an einem anderen Standort mit Quellaustritten zu rechnen sei. Zudem hätte ein Alternativ-Standort dem Planungsziel entgegengestanden, „einen freien Abfluss der Quellaustritte in Richtung Berkel zu gewährleisten.“ Auch den Vorwurf, man hätte tiefer baggern müssen, wollte Hein nicht stehen lassen und verwies auf den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung: „Eine Eintiefung des Teiches über die grundwasserstauenden Schichten hinaus ist nicht empfehlenswert.“

Bürgermeisterin Marion Dirks wandte sich ebenfalls an die Kritiker: „Welchen Grund sollte die Verwaltung haben, nicht das zu tun, was Planer und Behörden für richtig erachten? Sie müssen einfach akzeptieren, dass es fachlich eine andere Einschätzung gibt, als die, die Sie haben. Die Bezirksregierung sagt, wir haben alles richtig gemacht.“

Peter Rose (CDU) meinte in der anschließenden Sitzung, dass der Sachverhalt „umfangreich aufgeklärt“ worden sei. „Ich glaube, es ist gut so wie es ist. Wir sollten das jetzt positiv begleiten.“ Sarah Bosse (SPD) beantragte, dass der Umweltausschuss regelmäßig über die Ergebnisse des jährlichen Monitorings durch das Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld informiert wird.

Dessen Vertreterin Birgit Stephan betonte im Hinblick auf die geplante Verlandung des Restteichs: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht mit der Entscheidung, wie es hier weitergehen soll.“ Und mit Blick auf das gesamte Quellgebiet sagte sie: „Es ist toll geworden. Sie haben hier viel erreicht. Man sieht die Quelle wieder.“ Auch der angrenzende Erlenbruchwald entwickle sich positiv. „Er bekommt jetzt Auenwaldcharakter. Man sieht, dass die Maßnahmen greifen.“

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