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Pflege- und Entwicklungskonzept für Quellgebiet: Kompromissgewässer soll verlanden

„Teich ist schlichtweg nicht zu retten“

Billerbeck. Vor vollendete Tatsachen gestellt fühlt sich Ralf Flüchter (Bündnis 90/ Die Grünen) mit Blick auf das Berkelquellgebiet. Dieses wurde bekanntermaßen im Frühjahr des vergangenen Jahres umgestaltet, da der große Quellteich durch Algenbildung und andere negative Einflüsse regelmäßig kippte. Auch gesetzliche Vorgaben zur Wasserqualität machten es erforderlich, zur ökologischen Verbesserung der Berkel und der Quellaustritte umfangreiche Maßnahmen zu ergreifen. „Der Kompromiss war, dass der große Teich verschwindet, aber weiterhin eine offene Wasserfläche geschaffen werden soll“, erläutert Ralf Flüchter auf Nachfrage. Mit der Anlegung eines kleinen „Restteiches“ ist dies passiert – allerdings waren schon kurze Zeit nach Beendigung der Maßnahmen erste Algenteppiche zu sehen, was stark an den „großen Vorgänger“ erinnerte. Nun hat die Stadt die Überlaufschwelle des Restteiches um 15 Zentimeter abgebrochen, sodass das Wasser ablaufen und der Teich im Anschluss verlanden könne.

Leon Seyock

Der Restteich im Berkelquellgebiet ist nur noch wenige Zentimeter tief, was im Vordergrund erkennbar ist. Die Stadt will seine Entwicklung jetzt der Natur überlassen, auch wenn er verlandet. Dass die Politik nicht informiert wurde, ärgert nicht nur Ralf Flüchter (kl. Bild, Grüne). Fotos: ude/Meike Reiners Foto: az

„Das ist ohne weitere Kommentierung und Information von Seiten der Stadt passiert“, kritisiert Flüchter. „Das halten wir für sehr dünn und intransparent.“ Rainer Hein, der bei der Stadt für die naturnahe Entwicklung von Berkel und Quellgebiet zuständig ist, weist die fehlende Kommunikation zurück. In einem Planfeststellungsbeschluss sei festgelegt worden, dass ein Pflege- und Entwicklungskonzept für das Areal erarbeitet werden soll. Dies sei geschehen und öffentlich einsehbar. In Abstimmung mit den zuständigen Behörden habe es sich ergeben, dass der kleine Restteich ökologisch nicht gehalten werden könne. Die Natur sei es gewesen, die dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht habe, wie Hein mehrmals betont. Das Pflege- und Entwicklungskonzept sollte im Umweltausschuss thematisiert werden, der im Januar coronabedingt ausgefallen ist. In der nächsten Sitzung soll dieses Thema auf die Tagesordnung kommen.

Ziel der Maßnahme sei es gewesen, den Hauptquellort der Berkel freizulegen und mit Gerinnen zu gestalten, was im späteren Verlauf auch zu der gewünschten Steigerung der Wasserqualität geführt habe. Den Restteich – in dem ebenfalls aus zwei Bereichen Wasser hervortrete – habe man mit Bagger-Arbeiten und einer Tiefe von knapp drei Metern angelegt. Bereits nach zwei Wochen, so schildert Hein, verlandete dieser auf eine Tiefe von nur noch 70 Zentimetern. „Mit dem Quellwasser tritt auch Feinsand hervor“, erklärt er. Das sei nicht vorhersehbar gewesen und habe in der kurzen Zeit dazu geführt, dass der Teich flacher wurde, sich auf diesem in den Sommermonaten Algenteppiche bildeten und so an den großen Teich erinnerte. Hein betont, dass dieser „künstlich angelegte Teich“ auch in der Zukunft immer wieder verlanden wird. „Der Teich ist schlichtweg nicht zu retten“, redet er Klartext.

Daher habe man sich dazu entschlossen, so hätten es Fachbehörden der Stadt Billerbeck geraten, den Teich der Natur zu überlassen, wie es in dem Konzept nun verankert wurde. Daher wurde die Überlaufschwelle jetzt auf die Ebene der abfließenden Berkel abgesenkt. Je nach Quellschüttung und Klima könne es sein, dass dort immer wieder ein kleiner Teich entsteht – oder aber auch trocken liegt.

Ein offenes Gewässer befürwortete auch Flüchter, allerdings als Still- und nicht als Fließgewässer. „Wird ein Teich ständig mit nährstoffarmem Quellwasser gespeist, kann sich kein Gleichgewicht ausbilden und der Teich kippt“, erklärt Flüchter.

Bereits bevor diese Maßnahme umgesetzt wurde, hätten die Grünen daran Kritik geübt. „Was dort hergestellt wurde, ist ein unnatürlicher Zustand. Und es ist das eingetreten, was wir schon vermutet hatten.“

Zur Erinnerung: Mit einer Unterschriften-Aktion hatten sich Billerbecker für den Erhalt des großen Teiches eingesetzt und forderten eine ökologische Optimierung, berichtet Hein. „Da der große Teich aber ohnehin vor Jahrzehnten künstlich angelegt wurde, kann auch keine ökologische Optimierung erreicht werden“, schildert Hein. Da ein Stillgewässer in einem Quellgebiet ohnehin nicht in Frage käme, sei die Idee gewesen, einen kleinen Teich als Kompromiss zu erhalten.

Nicht nur dieser Restteich, auch das gesamte Areal soll nun zu einem Großteil der Natur überlassen werden. Laut des Pflege- und Entwicklungskonzeptes sollen dort auch Gehölze aufwachsen können – Erlen würden dort schon austreiben, konnte Flüchter beobachten. Wie Hein sagt, sollen diese sowie Bodenkresse und Schilf nun heranwachsen. Eine Sichtachse von der Aussichtsplattform auf das Quellgebiet bleibe erhalten.

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