Billerbeck
Vorhänge gegen zehn Pfennige verliehen
Billerbeck. Die Badende, die auf dem Steg thront, ist eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten. An Zeiten, in denen das ehemalige Schwimmbecken, das sich am Berkelspaziergang und unweit der Berkelquelle befindet, von 1924 bis 1960 von den Billerbecker Bürgern zur Abkühlung genutzt wurde. Heute zeugen nur noch gemauerte Reste, die bei niedrigem Wasserstand im Randbereich zu sehen sind, von der Alten Badeanstalt. In diesem Monat hätte die Alte Badeanstalt, wenn es sie noch geben würde, ihr 95-jähriges Bestehen. Heute sind es aber nur noch Enten, die dort schwimmen.
Am 20. Juli 1924 wurde die Alte Badeanstalt eröffnet. Dem 1923 gegründeten Schwimmverein wurde die Führung des Bades übertragen. Auf einer Stele im Bereich der Alten Badeanstalt wird darüber informiert, dass der Bademeister nicht nur für Sicherheit im Wasser sorgte, sondern auch gleichzeitig als Kassierer fungierte und Vorhänge für die Umkleiden für zehn Pfennige verlieh. „Der damalige Propst hatte gefordert, dass Frauen und Männer getrennte Badezeiten haben. Dem ist man nachgekommen“, so Stadtarchivar Dieter Nagorsnik, der erzählt, dass es auch noch ein zweites „inoffizielles Bad“ gegeben hat. Gebadet wurde auch im Mühlenteich in der Nähe von Haus Hameren.
Am 3. Juli 1960 ist das jetzige Freibad, das mittlerweile denkmalgeschützt ist, an der Osterwicker Straße eröffnet worden. Kinder und Jugendliche sind für dieses Freibad sogar auf die Straße gegangen und haben demonstriert. Auf einem alten Foto sind Plakate mit „Wir wollen eine neue Badeanstalt“ und „Rattenloch: Badeanstalt“ zu lesen. „Die Alte Badeanstalt ist den zeitgenössischen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Es hat dann eine Initiative von Kindern und Jugendlichen gegeben“, berichtet Nagorsnik.
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