1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Billerbeck
  6. >
  7. Zusätzliche Klärung für besseres Wasser

  8. >

Kanalbauarbeiten an der Mühlenstraße

Zusätzliche Klärung für besseres Wasser

Billerbeck

Es sieht aus wie ein riesiger Betonklotz, der mit einem großen Kran in die Baugrube auf dem Parkplatz an der Mühlenstraße in direkter Nachbarschaft zum Feuerwehrgerätehaus gehievt worden ist. Etwa 45 Tonnen ist er schwer. „Es handelt sich dabei um einen Lamellenabscheider“, informiert Rainer Hein, Leiter des städtischen Abwasserbetriebes. Regenwasser, das künftig hindurchfließt, wird durch schräg stehende Lamellen automatisch verlangsamt und Schmutzteile setzen sich auf dem Boden ab. „Es ist eine zusätzliche Klärung“, so Hein. Eine Verbesserung der Gewässerqualität wird vorgenommen, bevor es weiter in die Berkel geleitet wird. Es soll nicht einfach so in den Fluss fließen, denn es handelt sich eben auch um ein Fischgewässer. Die sich am Boden abgesetzten Schmutzteile werden aufgefangen, später abgepumpt und abgefahren.

Von Stephanie Sieme

In die Baugrube am Feuerwehrgerätehaus wurde ein Lamellenabscheider eingelassen. Regenwasser, das künftig hindurchfließt, wird vor der Einleitung in die Berkel noch einmal geklärt, wie Jürgen Rump (l., Firma Könning) und Rainer Hein (Abwasserbetriebsleiter) informieren. Foto: Fotos: Stephanie Sieme

Diese Maßnahme findet im Zuge der Innenstadt-Fremdwassersanierung statt. Zum Hintergrund: Gesetzliche Bestimmungen machen es erforderlich, Fremd- und Regenwasser nicht mehr zusammen mit dem Schmutzwasser abzuleiten und dadurch die Kläranlage unnötig zu belasten. Fremdwasser ist Grund-, Quell- oder Drainagewasser. Das Mischsystem muss auf ein Trennsystem umgestellt werden, das garantiert, dass sauberes Fremd- und Regenwasser in die Berkel fließen, während das Schmutzwasser zur Kläranlage geleitet wird.

Hier am Feuerwehrgerätehaus, wo sich einst das Haus Wilde befand und auch der Mühlenteich damals bis zur Mühlenstraße reichte, wird der Regenwasserkanal bis zur Berkel verlegt – im sogenannten Bohrpressverfahren. Dabei wird das Loch für die Rohre vorgebohrt, die Rohe anschließend kontinuierlich nachgepresst.

Die Baugrube, die 14,40 mal 4,80 Meter misst, hat eine Tiefe von sechs Metern. Gesichert ist sie aber mit acht Meter tiefen Stahlspundwänden im Schloss. „Damit wird verhindert, dass Grundwasser drunter hergeht und eine Grundwasserabsenkung erfolgt und auch ein Grundbruch verhindert wird“, erklärt Hein. Bis September soll der Anschluss des Regenwasserkanals an den Lamellenabscheider erfolgt sein. Die Grube wird wieder zugeschüttet. „Am Ende sieht man nur noch vier Gullideckel“, so Jürgen Rump von der bauausführenden Firma Könning. Dann geht es mit den Kanalarbeiten und den privaten Hausanschlüssen von der Mühlenstraße in Richtung Lilienbeck weiter. „Wir arbeiten quasi rückwärts“, sagt Rump. Diese Arbeiten können aber erst dann starten, wenn die obere Mühlenstraße an den Einmündungen Lilienbeck und Markt wieder befahrbar ist. Denn dort finden aktuell Kanalmaßnahmen und der barrierefreie Innenstadtumbau statt – nachdem die Arbeiten im Bereich Lilienbeck beendet worden sind. Im August 2022 soll alles fertig sein – auch, wenn die Arbeiten ein wenig in Verzug geraten sind. Aufgrund der Pandemie und Lieferschwierigkeiten von Material, wie Hein berichtet. Ein Betrieb in der Eifel, der die Pflastersteine für das historische Flair der Billerbecker Straßen liefert, ist von der Flutkatastrophe betroffen. Dadurch komme es zu Verzögerungen. „Das ist höhere Gewalt“, betont Hein.

Im Bereich Mühlenstraße handelt es sich um den letzten Bauabschnitt im Rahmen der Innenstadt-Fremdwassersanierung. Der barrierefreie Innenstadtumbau geht aber noch weiter – dann an der Ludgeristraße, der Kirchstraße und auf dem Johannis-Kirchplatz. Die Kosten für die Kanalarbeiten und den barrierefreien Innenstadtumbau belaufen sich auf rund 3,36 Millionen Euro. 1,26 Millionen Euro trägt der Abwasserbetrieb, zwei Millionen die Stadt Billerbeck und etwa 90 000 Euro Gelsenwasser. Rund 450 000 werden alleine für den Lamellenabscheider und die Bohrpressung verwendet. Bislang sei alles im Kostenrahmen, so Hein gegenüber unserer Zeitung.

Startseite