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Pfarrdechant Johannes Arntz feiert mit der St.-Lamberti-Gemeinde seinen letzten Gottesdienst in Coesfeld

Abschied mit Apfelbaum und Applaus

Coesfeld

Als Johannes Arntz sieht, dass ein älterer Mann alleine in der Bank sitzt und nicht zur Kommunion aufstehen kann, bringt der Kreisdechant dem Senior die Hostie persönlich zum Platz. Es sind kleine Gesten wie diese, die zeigen, dass die Dankesreden, die Arntz’ Weggefährten halten, eben nicht nur schmeichelnde Worthülsen sind – und die begründen, warum es rund 300 Gemeindemitgliedern am Samstagnachmittag in der Jakobikirche ein Bedürfnis ist, sich nach elf Jahren von ihrem Pfarrer persönlich zu verabschieden.

Johannes Arntz nimmt sich für jeden Einzelnen, der sich nach dem Gottesdienst von ihm verabschieden will, Zeit. Auch im Paradies der Jakobikirche kommen die Menschen noch zum Umtrunk zusammen.

Zu Beginn des Gottesdienstes erklingt das Lied „All are welcome“, das Arntz während seiner Zeit in Chicago 2006 kennengelernt hat. „Das muss unsere Idee von Kirche sein; dass wir alle willkommen heißen“, bekräftigt Arntz, der schon in dieser Woche die Leitung der Gemeinde St. Willehad in Oldenburg übernimmt. Dorthin folgt ihm zum 1. Dezember auch Pfarrer Dr. Joshy Manjakunnel Devasia.

In seiner Predigt zeigt sich Arntz „dankbar für all die Menschen, die sich hier engagieren“. Für die Botschaft, dass „die Hoffnung der Verzweiflung den Garaus macht“, lohne es sich zu leiden. „Aber nicht für die Kirche als Institution“, betont der Geistliche. Denn Kirche dürfe „niemals Selbstzweck sein“.

Sichtlich gerührt zeigt sich Arntz bei der Verabschiedung durch seine Kollegen. Berthold Kreikenberg und Thomas Hesker haben dem „Obstliebhaber“ nicht nur besondere Marmeladen („Kirchenvorstandsbeste“ und „Pfarreiratsbeste“), sondern auch einen Apfelbaum für seinen neuen Garten mitgebracht. „Was dich auszeichnet, ist eine ehrliche Neugierde“, sagt Hesker. Außerdem lobt der Pfarreiratsvorsitzende Arntz’ wertschätzende Art. Kreikenberg nennt Arntz einen „Teamplayer“. „Aber ein kleiner Schelm steckt schon in dir“, fügt der stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende schmunzelnd hinzu. Johannes Hammans überreicht Arntz neben Kaffee zum Wachbleiben und Brauhaus-Bier auch die Biografie von Mathias Mester „Klein anfangen, groß rauskommen.“ „Du gehst groß und hinterlässt eine funktionierende Gemeinde“, bilanziert der Pfarrer von Anna Katharina. Immer wieder brandet zwischendurch zustimmender Applaus auf – auch für Arntz’ Mutter Anne, der von allen Seiten Danksagungen für ihre Kochkünste im Pfarrheim zufliegen.

Kreisdekanatsvorsitzender Dr. Matthias Laarmann bescheinigt Johannes Arntz: „Ihr Stil bleibt unser Vorbild.“ Superintendentin Susanne Falcke vom Evangelischen Kirchenkreis bedauert lediglich, dass sie nur so kurz mit Arntz habe zusammenarbeiten können, freut sich aber über den guten ökumenischen Austausch und versichert: „Wir haben uns nie nur als kleiner Nachbar gefühlt.“ Auch da zeigt sie sich wieder: die Wertschätzung.

Die bringen auch die Pastoralreferenten und Pfarrer der Weltkirche ihrem scheidenden Chef entgegen. Pfarrer Uche Bernard Ugwueze, der nun neu im Seelsorger-Team ist, sagt: „Kommen und Gehen gehört zu unserer Berufung.“ Und Ruth Fehlker unterstreicht: „Du hast uns immer spüren lassen, dass wir für die gleiche Sache brennen.“ Nicht von ungefähr kommt das Geschenk einer Feuerschale daher, damit Arntz den Funken auch auf seine neue Gemeinde überspringen lassen kann.

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