Historische Fotoausstellung zum 75. Geburtstag des besonderen Motorrollers im Natz-Thier-Haus

Als die Vespa in Coesfeld Kult war

Coesfeld

Was für eine Hochzeitsreise! Mit der Vespa an den Luganer See. Und am Gotthard geht nichts mehr. Der Kolbenfresser hatte zugeschlagen. „Da sind wir dann per Anhalter den Pass rauf“, muss Hubert Volmer schmunzeln, als er sich an diese Geschichte erinnert – eine aus der wunderbaren Jugend-Zeit, als der legendäre Motorroller aus Italien auch in Coesfeld Kult war. Hubert Volmer war Vorsitzender des Vespa-Clubs und hat in den Jahren seines Bestehens von 1958 bis 1964 so viele Fotos gemacht, dass jetzt in den Fenstern des Natz-Thier-Hauses in der Pfauengasse eine Ausstellung mit den Bildern gezeigt werden kann.

Von Ulrike Deusch

Nahmen 1958 am Gleichmäßigkeitslauf des VC Unna teil: die Vespa-Fahrer Walter Dreier, Hubert Volmer und Heinz Schelp. Foto:

„Die Vespa wird in diesem Jahr 75. Das war der Anlass für uns, in die Fotosammlung des damaligen Vespa-Clubs Coesfeld zu schauen, der ein aktives Vereinsleben führte“, sagt Projektkoordinator Michael Banneyer vom Stadtmarketing Verein. Die Bilder zeigten „tolle Touren und wirklich coole Jungs und Mädels.“ Vespa-Clubs gab es damals in vielen Städten. Sie waren war unter dem Dach des Vespa-Clubs von Deutschland (VCVD) ein eingetragener Verein. Die Clubs pflegten Freundschaften und organisierten Treffen, man schraubte zusammen an den Rollern oder unternahm am Wochenende Ausfahrten, berichtet Banneyer. Vereinslokal der Coesfelder Vespafahrer war Mey-Bülten an der Borkener Straße. An der Tankstelle Leifkes gegenüber starteten sie zu den Ausfahrten.

Eine besondere Ehre wurde dem vergleichsweise kleinen Vespa-Club Coesfeld 1962 zuteil. Damals durfte Paul-Heinz Stähler als Delegierter des Vespa-Clubs Deutschland zur Eurovespa nach Madrid fahren – 1850 Kilometer.

80 Stundenkilometer fuhr die Vespa damals, erinnert sich Hubert Volmer. Vor allem die Modelle GS 125 und GS 150 waren auf den Straßen unterwegs. „Rund 1800 D-Mark kosteten die damals“, erinnert sich Volmer. „Das sind heute gesuchte Modelle, für die 8000 bis 10 000 Euro gezahlt werden“, weiß Banneyer, selbst Vespa-Fahrer, -Fan und -Kenner. Die Vespas hätten damals eine ganz einfache Technik gehabt und seien doch zuverlässig und robust genug gewesen, um mit ihnen weite Touren durch Europa zu unternehmen.

1964 endete das Vereinsleben im Club. Das lag auch daran, dass das Vespa-Fieber so langsam nachließ. „Die Leute hatten zunehmend genug Geld, um sich einen Kleinwagen kaufen zu können“, sagt Volmer. „Und viele hatten dann eben doch lieber ein Dach überm Kopf.“ Auch er nahm Abschied von der Vespa – im Alltag wurden andere Fortbewegungsmittel für ihn wichtiger. An seine Vespa-Zeit denkt er aber mit großer Freude zurück.

„Die Bilder sind ein echtes Zeitdokument“, sagt Michael Banneyer, „der Coesfelder Vereinsgeschichte und der vielgeliebten Vespa.“

7 Die Fotoausstellung in den Fenstern des Natz-Thier-Hauses ist noch bis zum 4. Juli zu sehen.

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