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Letteraner Personalvermittler Paul Zumbült bringt Geflüchtete über Leiharbeit in Unternehmen

Angekommen auf dem Arbeitsmarkt

Karim Shojai (l.) und Mohammed Feroz Anwari konnten sich über Leiharbeit für eine Festanstellung empfehlen. Foto: Foto: MedSkin Solutions

Von Falko Bastos

Lette. „Der Arbeitsmarkt hier ist leergefegt“, sagt Lisa Brillert. Sie muss es wissen, denn die Personalerin des Billerbecker Pharma- und Kosmetikherrstellers „MedSkin Solutions“ ist laufend auf der Suche nach Produktionsmitarbeitern. „Wir wollen exorbitant wachsen, sind dafür aber auf Mitarbeiter angewiesen“, sagt der Produktionsleiter am Standort, Tobias Lausemann.

 An dieser Stelle kommt Paul Zumbült ins Spiel. Der Letteraner Personalvermittler hat sich mit seiner „LetterServiceAgentur“ auf die Vermittlung von Geflüchteten und Arbeitsmigranten in den Arbeismarkt spezialisiert. Offenbar mit Erfolg, denn dem Billerbecker Mittelständler hat er schon eine Reihe von Leiharbeitern vermittelt. „Von Herrn Zumbült kommt der größte Zulauf“, bestätigt Brillert. 24 von 31 Leiharbeitern haben einen Migrationshintergrund. „Diese Community hatten wir vorher gar nicht so auf dem Schirm“, sagt Lausemann. „Man muss etwas anders machen“, meint Zumbült und wundert sich, „dass sich so wenige dem Thema öffnen.“

  Die Erfahrungen seien bisher mehr als positiv, berichtet Brillert. Grundsätzlich gelte: Wer sich bewährt, wird übernommen. So wie wie Mohammed Feroz Anwari und Karim Shojai. Die beiden aus Afghanistan geflüchteten Coesfelder haben sich sich über die Leiharbeit für eine Festanstellung empfohlen.

Keine Zahlen von der Stadt

Paul Zumbült kennt beide schon lange, unterstützte sie mit Behördengängen, besorgte eine Wohnung, organisierte Fahrdienste und Sprachkurse. „Es ist ein hoher Betreuungsbedarf und den leisten wir auch.“ Das schließe auch den privaten Bereich mit ein, denn „sonst hat einer plötzlich aus Versehen drei Handy-Verträge.“ Mohammed Feroz Anwari erklärt, er habe in Afghanistan fünf Jahre als Schneider gearbeitet, aber eine duale Berufsausbildung wie in Deutschland gebe es nicht. „Da gibt dir niemand einen Zettel.“ Für seinen aktuellen Job ist das kein Hindernis. „In Deutschland sind wir ja sehr von Scheinen geprägt“, sagt Lausemann. „Aber Leuten, die wollen, kannst du alles beibringen.“

Paul Zumbült (LetterServiceAgentur) vermittelt Flüchtlinge an Medskin (Billerbeck) Foto: Allgemeine Zeitung Coesfeld

Anwari träumt von einer Ausbildung, ist aber Realist genug, um nicht zu viel auf einmal zu wollen. „Viele Freunde von mir haben eine Ausbildung angefangen – und fast alle abgebrochen.“ Das Hauptproblem sei dabei immer noch die Sprache. „Mann muss Deutsch können, dann kann man weitergehen.“ Denn was für die Verständigung im Betrieb reicht, ist für die Schule noch lange nicht genug. „Man muss auch die Schulbücher verstehen“, sagt Zumbült. Deshalb arbeite die Industrie- und Handelskammer schon daran, Prüfungsfragen zu vereinfachen. Generell werde die Sprachbarriere aber mit jedem Tag kleiner, so Zumbült. Am Ende braucht die Integration in den Arbeitsmarkt neben gegenseitigem Verständnis und persönlichem Einsatz wohl vor allem Eines: Zeit.

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