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Am 11. März beginnt das Gerichtsverfahren gegen den mutmaßlichen Coesfelder Amokfahrer

Anklage wegen versuchten Mordes angenommen

Coesfeld

Mehr als 20 Monate nach einer Amokfahrt durch die Coesfelder City, bei der mehrere Menschen verletzt wurden, muss sich ein 30-jähriger Coesfelder vor dem Schwurgericht am Landgericht Münster wegen versuchten Mordes verantworten. „Der Prozess beginnt am 11. März“, berichtete Henning Barton, Sprecher des Landgerichts, auf Nachfrage unserer Zeitung. Insgesamt seien fünf Verhandlungstage angesetzt, um zu klären, was genau am 17. Juli 2020 passiert ist.

Von Detlef Scherle

Zerstörte Kübel und Möbel: Besonders Gästen des Biergartens von Haselhoff hat sich die Amokfahrt eines 30-jährigen Coesfelders durch die Innenstadt als alptraumhaft ins Gedächtnis eingebrannt. Foto: Foto: Archiv

Nach Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft war der Mann nach einer Routine-Kontrolle davon gebraust. Ohne Rücksicht auf Verluste soll er sich mit den Beamten eine wilde Verfolgungsjagd durch die Innenstadt geliefert haben – auch durch die Fußgängerzone. Besonders Gästen des Hotel-Restaurants Haselhoff ist der schreckliche Moment, als er mit seinem Wagen in der Ritterstraße zwischen Gebäude und Biergarten hindurch raste, Blumenkübel rammte und dabei Menschen verletzte, nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Später soll sich ein Passant nur durch einen beherzten Sprung zur Seite davor habe retten können, von dem Auto erfasst zu werden.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet „versuchter Mord“. „Das Gericht hat das nicht abgeändert“, erklärte Barton. Bundesweit ist bei den Gerichten in den vergangenen Jahren ein Paradigmenwechsel erfolgt, dass bei Raser-Delikten nicht mehr nur von fahrlässiger Tötung, sondern sogar von Mordabsicht ausgegangen werden kann, was den möglichen Strafrahmen bis hin zu lebenslänglicher Haft erweitert. Richtungsweisend dafür war die Bestätigung des Urteils im so genannten „Berliner Raserfall“ durch den Bundesgerichtshof vom 18. Juni 2020.

Der Beschuldigte aus Coesfeld sitzt noch in Untersuchungshaft. Zwischenzeitlich hatte er wegen einer früheren Verurteilung wegen Diebstahls Strafhaft verbüßt. Diese endete im Oktober 2021. Von da an tickte die Uhr, denn niemand darf länger als ein halbes Jahr in U-Haft genommen werden. Durch einen Antragsstau beim Landgericht sorgten sich Beobachter, ob die Prozesseröffnung wohl tatsächlich noch binnen der Sechs-Monats-Frist erfolgen kann. „Die Kammer hat solche Fristen immer im Blick“, beruhigte Presse-Richter Barton. Fakt ist allerdings: Die Verhandlung hätte auch keine vier Wochen später beginnen dürfen. Dann hätte man den Mann von Rechts wegen vorher auf freien Fuß setzen müssen.

Verhandelt wird in Münster vor dem fünfköpfigen Schwurgericht, dem drei Berufsrichter und zwei Schöffen angehören.

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