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Rund 90 Teilnehmer bei Bürgeranhörung zur geplanten Westfleisch-Erweiterung

Anlieger bleiben trotz Gutachten skeptisch

Coesfeld

„Wir Nachbarn wünschen uns schon seit 30 Jahren, dass es nicht stinkt. Und es stinkt immer noch,“ klagte eine Frau. Skepsis klang in vielen Stellungnahmen durch, die am Dienstagabend im PZ bei der Bürgerversammlung zur geplanten Westfleisch-Erweiterung zu hören waren. Auch die Lärmbelästigung, unter der viele Anwohner leiden, war ein zentrales Thema: „Das sind Höllenschläge, von denen man nachts zwischen zwei und drei Uhr geweckt wird“, berichtete einer der rund 90 Versammlungsbesucher. Die Antworten, die die Gutachter, die sich mit den Verkehrsströmen, Immissionen und naturschutzfachlichen Fragen näher beschäftigt haben, sowie die Westfleisch-Vertreter gaben, waren immer die gleichen: Eine Verschlechterung wird es, wenn die Kapazitäten von 50 000 auf 70 000 Schlachtungen pro Woche erhöht werden, nicht geben. Das war auch schon eine Vorgabe der Stadt Coesfeld, dass die neuen Werte nach der Erweiterung nicht hinter denen, die nach Fertigstellung bereits bewilligter neuer Anlagen zu erwarten sind, zurückfallen dürfen.

Von Detlef Scherle

An der Borkener Straße soll eine neue Ausfahrt für die Lkw entstehen, die das Fleisch abtransportieren. Durch die Vorschrift, dass sie nur nach rechts (stadtauswärts) abbiegen dürfen, soll weitere Verkehrsbelastung in Richtung Innenstadt verhindert werden. Foto: Visualisierung: Westfleisch

Die Gutachter bestätigten unisono, dass das Erweiterungsvorhaben ohne zusätzliche Beeinträchtigungen für Mensch, Natur und Umwelt umsetzbar ist. So recht glauben wollten die Anlieger das jedoch nicht: „Das ist doch Wunschdenken“, meinte eine Bürgerin. Dagegen sprächen die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte mit Westfleisch. „Aber jetzt passiert ja was. Es ist ja im Bau“, sprach Gutachterin Doris Einfeldt vom Büro Normec Uppenkamp als ein Beispiel die neue Abluftreinigungsanlage an.

Durch eine geschickte Verkehrslenkung soll auch das Mehr an zu erwartenden Lkw die Anlieger nicht durch Lärm belasten. Direkt an der Borkener Straße soll eine zusätzliche Ein- und Ausfahrt für Lkw geschaffen werden, die die Fleischwaren abtransportieren. Vorgeschrieben werden soll, dass diese nach rechts (stadtauswärts) abbiegen. Damit soll zusätzlicher Verkehr Richtung Innenstadt (vorbei an der Siedlung zwischen Weißem Kreuz und Borkener Straße) verhindert werden. Ob das in der Praxis funktioniert, zweifelten Anwohner an: „Wenn der Weg kürzer ist, fahren die doch lieber über den Konrad-Adenauer-Ring.“ Gutachter Patrick Würfel von der nts Ingenieurgesellschaft konnte das anhand seiner Berechnungen, die ja auf entsprechenden Annahmen beruhen, nicht ausräumen. Für Westfleisch versprach Standortleiter Johannes Bayer aber, dass das Unternehmen alles daran setzen werde, das so umzusetzen. Es werde auch nicht zu mehr Nachtfahrten kommen als bisher, versicherte er. Genehmigt seien nachts drei Lkw-Ankünfte pro Stunde – „mehr werden es nicht“.

Auch im Hinblick auf den weiteren Lärm, der zum Beispiel beim Abladen entsteht, sei eine Umsetzung der Planung „verträglich möglich“, berichtete Gutachter Matthias Brun (Normec Uppenkamp). „Die Werte sind deutlich geringer als zulässig wäre“, sagte er.

Carsten Schruck, Geschäftsführender Vorstand von Westfleisch, zeigte trotz dieser klaren Gutachter-Aussagen Verständnis für die Sorgen der Anwohner: „Das kann man gut nachvollziehen.“ Er hob hervor, dass das Erweiterungsvorhaben „in jeder Hinsicht richtig und sinnvoll“ sei. Heute würden viele Tiere aus der Region weiter weggefahren. Um die Transportwege und -zeiten zu verkürzen, wolle man sie künftig „in der Region halten“.

Wie geht es jetzt weiter? Noch bis zum 6. Januar können Bürger ihre Bedenken und Anregungen zu den Erweiterungsplänen bei der Stadtverwaltung einreichen. Diese werden geprüft. Am Ende entscheidet die Politik. „Mindestens ein halbes Jahr“ wird das laut Erstem Beigeordneten Thomas Backes noch dauern. Offen ist, wann – ein positives Votum vorausgesetzt – mit der Erweiterung begonnen werden kann. Backes: „Im Moment ist eine Zeit, wo es ganz schwierig ist, Prognosen abzugeben.“ | Kommentar

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