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Modernisierung der St.-Lamberti-Kirche: Denkmalpflege sieht Absenkung der Apsis kritisch

Archäologen raten zu Planänderung

Coesfeld. Das kennt wohl jeder, der baut, umbaut oder modernisiert: Ein Bauplan ist nicht in Stein gemeißelt. Anpassungen und Änderungen können immer wieder und aus ganz unterschiedlichen Gründen erforderlich sein. Die Modernisierung der St.-Lamberti-Kirche bildet da keine Ausnahme. Schon bevor es richtig losgeht – momentan wird die Kirche ausgeräumt – muss die Lamberti-Gemeinde über eine Planänderung nachdenken. Diese betrifft die Apsis, das ist der halbrunde Abschluss hinter dem Altarraum, der mit seinen prächtigen, bunten Fenstern dem Coesfelder Kreuz einen besonderen Rahmen gibt. Dieser Raum soll ebenso wie der daran anschließende Altarraum abgesenkt werden, um Barrieren abzubauen und den Kirchenraum insgesamt flexibler nutzen zu können. So zumindest sieht es die aktuelle Planung vor.

Christine Tibroni

Blick in die Lambertikirche und in einen Gottesdienst im Rahmen der Aktion „Leere Kirche.“ Im Hintergrund gut zu erkennen ist das Plateau, das den Altarraum und die Apsis hervorhebt und im Rahmen der Kirchenmodernisierung entfernt werden soll. Die Denkmalpfleger des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe raten indes dazu, den Bereich der Apsis unberührt zu lassen. Archiv- Foto: Heuermann

Bei einem Ortstermin mit Denkmalpflegern und Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), der coronabedingt erst vor kurzem stattfinden konnte, rieten die Fachleute aus Münster jedoch dazu, den Bereich der Apsis unberührt zu lassen. Sie vermuten dort Bodendenkmäler, zum Beispiel Reste von Vorgängerbauten. Die Gemeinde könnte sich nun über den Rat der Experten hinwegsetzen und den Boden der Apsis trotzdem öffnen. Allerdings würden die Archäologen dann einen genauen Blick auf das werfen, was darunter verborgen liegt. „Und das kostet Zeit und Geld, rund sechs Wochen und 60 000 Euro“, sagt Pfarrdechant Johannes Arntz. Nach den Untersuchungen gebe es laut Arntz dann zwei Möglichkeiten: Entweder die Forscher finden nichts Erhaltenswertes, dann könnte die Gemeinde ihre Pläne eins zu eins umsetzen. Oder sie finden etwas Erhaltenswertes. Dann müsste der Boden der Apsis so wiederhergestellt werden, wie er bisher war. Also weiterer Zeitverzug, zusätzliche Kosten und eine deutliche Abweichung von der bisherigen Planung.

„Wir stehen nun vor der Entscheidung, ob wir das Risiko eingehen oder nicht. Im zweiten Fall würden wir unsere Planung dahingehend ändern, dass wir auf die Absenkung der Apsis verzichten“, so Arntz. Das beauftragte Architekturbüro Steinberg und Koeppen arbeite bereits an einem Alternativplan, der am kommenden Montag der Steuerungsgruppe vorgestellt werden soll. Nach der Beratung in der Steuerungsgruppe sei dann der Kirchenvorstand gefragt, der voraussichtlich in einer Sondersitzung in der zweiten Juniwoche über das weitere Vorgehen entscheiden wird.

Wie auch immer das Votum ausfällt, zwei zentrale Aspekte der Kirchenumgestaltung bleiben davon unberührt: Altar und Coesfelder Kreuz rücken beide ein gutes Stück näher an die Gemeinde heran. Weitere augenfällige Veränderungen werden der neue Innenanstrich und die neue LED-Beleuchtung sein. Auch die Kunstgegenstände werden nach Reinigung und Restaurierung in neuem Glanz erstrahlen. Investiert wird außerdem in eine neue Akustikanlage sowie die Instandsetzung und Teilerneuerung der Elektroinstallation. Im Zuge der Renovierung werden alle Fenster überprüft. Weiterhin ist der Einbau eines barrierefreien Eingangs und WC vorgesehen. I-Tüpfelchen ist eine neue, komplett aus Spenden finanzierte Chororgel. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,6 Mio. Euro, die im Wesentlichen aus Kirchensteuermitteln und Eigenmitteln der Gemeinde finanziert werden. In der Lambertigemeinde wird die Neugestaltung kontrovers diskutiert. Dabei bewegen sich die Meinungen zwischen den Polen „Alles so lassen, wie es ist“ und „Es soll alles anders werden“. Ostern 2022 soll die Kirche wieder eröffnet werden.

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