1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Coesfeld
  6. >
  7. Baby John kehrt als Rock-Opa zurück

  8. >

Markus Kloster startete seine Schauspielkarriere an der Freilichtbühne

Baby John kehrt als Rock-Opa zurück

Coesfeld. Endlich gibt es wieder Theater auf der Freilichtbühne. Zwar (noch) keine Eigenproduktion, aber ein Gastspiel des freien Theaters „KATiELLi“ aus Datteln, das von Ende Mai und bis Anfang Juli zwei seiner Produktionen aufführt. Insgesamt wird sich der Vorhang an elf Abenden heben. Zunächst für das Stück „Ewig jung“, in dem ein alter Bekannter zu sehen ist. Markus Kloster, der in Coesfeld geboren und in Gescher aufgewachsen ist, spielte in den 1990er Jahren in zahlreichen Inszenierungen mit und arbeitet heute als professioneller Schauspieler und (Synchron-)Sprecher für Theater, Film, Fernsehen und Hörfunk. Der 44-Jährige, der in Recklinghausen lebt, spricht über sein Heimspiel in der alten Heimat.

Christine Tibroni

Markus Kloster hat in den 90er Jahren an der Freilichtbühne Coesfeld erste Theatererfahrung gesammelt und ist von dort ins Profilager gewechselt. Am 28. Mai kehrt er mit dem Theater „KATiELLi“ zu seinen Wurzeln zurück. Foto: Joachim Gern

Nach monatelanger, coronabedingter Spielpause dürfen Sie endlich wieder auf einer Bühne vor Publikum auftreten, noch dazu auf der Freilichtbühne Coesfeld, wo Ihre Schauspielkarriere begann. Wie fühlt sich das an?

Markus Kloster: Ja, endlich können wir wieder spielen. Wenn man mal von drei Vorstellungen von „Ewig jung“ im vergangenen Herbst absieht, stand ich seit Beginn des ersten Lockdowns nicht mehr auf der Bühne. Dass der Neustart nun ausgerechnet auf der Freilichtbühne in Coesfeld stattfindet, hätte ich mir nie träumen lassen. Ich freue mich riesig darauf und hoffe natürlich wie meine Schauspielkollegen, dass viele Menschen kommen, um sich unterhalten zu lassen und Spaß zu haben – natürlich mit dem größtmöglichen Gesundheitsschutz.

Erzählen Sie doch ein wenig von „Ewig jung“ und Ihrer Rolle in dieser musikalischen Komödie von Erik Gedeon.

Markus Kloster: Das Stück spielt in Coesfeld im Jahr 2065. Die Coesfelder Freilichtbühne ist mittlerweile ein Seniorenheim und die ehemalige Bühne eine Sonnenterrasse. Die Schauspielerinnen und Schauspieler der Bühne sind in die Jahre gekommen. Einmal im Monat dürfen die Bewohner des Heims in Erinnerungen schwelgen und die Terrasse zur Bühne machen. Dann wird gerockt, und die Alten singen Klassiker von „Born to be wild“ bis „I will survive“. Ich spiele Herrn Kloster, einen 88-Jährigen, der an Demenz leidet. Er hat ein sonniges Gemüt, ist unbedarft und ein bisschen tüddelig.

Worin liegt die Herausforderung, wenn man als 44-Jähriger einen 88-Jährigen spielt?

Markus Kloster: Ein alter Mensch hat eine ganz andere Haltung und Stimme und auch ein anderes Tempo als ein Mittvierziger. Das zu spielen, erfordert über den ganzen Abend eine irrsinnige Körperspannung, ist somit nicht ganz unanstrengend, macht aber auch wahnsinnig viel Spaß.

Welche Rollen haben Sie während Ihrer aktiven Zeit an der Freilichtbühne Coesfeld gespielt?

Markus Kloster: Meine erste Rolle war 1991 ein Page in Aschenputtel. Das war noch eine kleine Tanzrolle ohne Text. Schnell kamen dann Haupt- und Titelrollen hinzu, zum Beispiel der Hänsel in „Hänsel und Gretel“ (1994) oder der Apostel Matthäus und andere in „Linie 1 (1994 und 1995) oder Baby John in „West Side Story“ (1996). Die letzte Rolle war der „gestiefelte Kater“ in dem gleichnamigen Wintermärchen (1996/97).

Dann haben Sie intensiv mit der kürzlich verstorbenen Erika Benson zusammengearbeitet?

Markus Kloster: Ja, Erika Benson hat mich als Regisseurin vieler Kinderstücke – sie war die Gründerin der Märchenspiele – und als Sprecherzieherin gefördert. Sie hat mich stark gemacht und mir den Mut gegeben für meinen künstlerischen Weg. Sie war meine Mentorin und hat mich auch unterstützt, als ich schon lange nicht mehr bei der Freilichtbühne aktiv war. Ich habe ihr viel zu verdanken. Und noch ein Coesfelder war ein wichtiger Förderer: Freddy Homann. Er hat mir das Synchronsprechen beigebracht. Meine größten Rollen als Synchronsprecher (Sha Rukh Khan, Cary Grant, Steve Mc Queen, Lorenzo Lamas und andere) habe ich ihm zu verdanken.

Apropos. Was waren die Höhepunkte Ihrer bisherigen Karriere?

Markus Kloster: Oh, das ist eine schwierige Frage. Ein früher Meilenstein in meiner Karriere war die männliche Hauptrolle in „Sarajevo Love“, das 1998/99 im Bosnischen Nationaltheater und im Jovel Münster aufgeführt wurde. Die Engagements am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel und am Pfalztheater Kaiserslautern waren weitere wichtige Stationen, an denen ich in großen, erfolgreichen Produktionen gespielt habe, darunter „Die 39 Stufen“ von Hitchcock. Das war ein regelrechter Spielplatz. Eine Figurenkirmes. Ich liebe es, Knallchargen zu spielen! Die Leute mögen Komödien, und ich mag es, sie zu unterhalten. Das setzt so viel positive Energie frei, beim Zuschauer wie beim Schauspieler, man steckt sich gegenseitig an. Das Stück lief über drei Spielzeiten, und immer war die Bude voll. Eine Erfolgsproduktion war auch „Blutsbrüder“ am Theater KATiELLi, in dem ich einen der Zwillingsbrüder gespielt habe. Meine größte Rolle und spannendster Höhepunkt meiner Karriere war der Seymour im Musical „Der kleine Horrorladen“. Die Rolle mit der größten Entwicklung und Fallhöhe. Und natürlich war mein Auftritt im Tatort „Eine Handvoll Paradies“ ein Wahnsinnsmoment. Zunehmende Bedeutung gewinnt aber auch meine theaterpädagogische Arbeit, bei der mir meine Erzieherausbildung zugute kommt.

Was lieben Sie am Theater(spielen)?

Markus Kloster: Ich mag die Verwandlung und die Möglichkeit, Dinge zu tun, die man im normalen Leben nie tun würde. Das Schauspielen ermöglicht, viele Facetten des Menschseins zu entdecken. Theater ist der Spiegel der Gesellschaft, der uns zeigt: So sind die Menschen, und so sollten sie vielleicht gar nicht sein. Deshalb ist das Theater unverzichtbar. Ohne Spiegel können wir uns nicht sehen. Und er ist gnadenlos ehrlich.

Termine und Tickets

Die Aufführungen von „Ewig jung“ finden am Freitag (28. 5.), Samstag (29. 5.), Donnerstag (3. 6.), Freitag (4. 6.), Samstag (5. 6.), Freitag (11. 6.) und Samstag (12. 6.) jeweils ab 18.30 Uhr auf der Freilichtbühne statt. Einlass ist eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Ticketbuchungen sind online unter tickets.freilichtbuehne-coesfeld.de möglich. Dort sind auch alle aktuell gültigen Sicherheitsbestimmungen aufgeführt.

Startseite