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Anlieger kämpfen gegen die Erweiterung von Westfleisch

Baugebiet „Bernings Esch“ in Gefahr

Coesfeld

Der Druck ist groß. Mehrere hundert Bauwillige stehen in Coesfeld Schlange. Nach der im Verfahren befindlichen „Kalksbecker Heide“ sollte als nächstes Baugebiet „Bernings Esch“ (landwirtschaftliche Flächen zwischen Lindenallee und Am Weißen Kreuz) entwickelt werden. Doch die Pläne dafür könnten im Keim ersticken. Das hängt mit den Erweiterungsplänen von Westfleisch zusammen, die Anlieger wegen befürchteter höherer Lärm- und Geruchsemissionen nicht hinnehmen wollen.

Von Detlef Scherle

Bis zu 200 Einfamilienhäuser könnten im Baugebiet „Bernings Esch“ (von der Lindenallee in Richtung Borkener Straße rechts) Platz finden. Foto:

Mechthild und Peter Deitermann haben 2018 den Hof Stockum 3 (am Anfang des Kreuzweges) geerbt. Und zu dem gehört ein Großteil der Flächen, die einmal Misch- und Wohngebiet werden könnten. Vor dem Hintergrund des nahe gelegenen Fleischcenters von Westfleisch, in dem künftig wöchentlich bis zu 80 000 Schweine geschlachtet werden sollen, halten sie eine solche Wohngebietsausweisung aber nicht für vertretbar. „Wir werden, wenn die Stadt Westfleisch die Erweiterung mit dem geänderten Bebauungsplan ermöglicht, keine Flächen zur Verfügung stellen“, unterstreicht Peter Deitermann im AZ-Gespräch. Der Bürgermeisterin und den Fraktionen im Rat habe man das in einem „offenen Brief“ auch schon deutlich gemacht, ergänzt seine Frau.

Hat das nicht etwas von Erpressung der politischen Entscheidungsträger? Nein, das weisen die Eheleute, die zurzeit noch größtenteils in Stuttgart leben, klar zurück. „Das hat mit Erpressung nichts zu tun, sondern mit Anstand“, betont Peter Deitermann. Denn beide Themen gehörten untrennbar zusammen – Wohnen und eine derartige Konzentration globaler Fleischwirtschaft im Vorgarten Coesfelds – das vertrage sich nicht, so der 56-Jährige. Da müssten die Politiker wissen, was sie wollen.

Geärgert haben sie sich über das im Umweltausschuss von der CDU vorgetragene Argument, dass Westfleisch wie jedes andere Unternehmen die Möglichkeit haben müsse, sich weiter zu entwickeln. „Im Umfeld von Westfleisch gibt es aber Betriebe, die dieses Recht auch haben müssen“, so Deitermann. Er und seine Frau wollten auf ihrem Hof perspektivisch ein soziales Projekt (solidarische Landwirtschaft) realisieren. Und auch benachbarte landwirtschaftliche Betriebe würden massiv in ihrer Entwicklung behindert. Frau Deitermann: „Das ist dann in Ordnung?“

Widerspruch hatten die Deitermanns, die beide Architekten sind und ihren beruflichen Schwerpunkt nach Coesfeld verlagern wollen, schon gegen die immissionschutzrechtliche Genehmigung des Kreises für die derzeit bei Westfleisch laufenden Umbaumaßnahmen erhoben. Sie halten die Genehmigungen für anfechtbar. Die Gutachten, die zur Erweiterung nun vorliegen, empfinden sie als sehr Westfleisch-freundlich. Sie beruhigen sie keineswegs.

Die Deitermanns sind, das erklären sie ausdrücklich, nicht grundsätzlich gegen den Großschlachtbetrieb. Sie stört dessen „Machtdominanz“. „Ich bin selbst auf einem Bauernhof in Münster aufgewachsen und weiß, worum es geht“, so Mechtild Deitermann. Beide essen selbst Fleisch, aber aus nachhaltiger Produktion. Ein Weiterbetrieb von Westfleisch in der bisherigen Größenordnung (Deckelung auf 55 000 Schlachtungen pro Woche) wäre für sie auch in Ordnung. Durch die Steigerung der Schlachtzahlen sei aber mit einer unerträglichen Zunahme der Emissionen zu rechnen, auch mit mehr Tierleid durch längere Transportwege und durch mehr Lichtverschmutzung durch nächtliche Produktionsausweitung. Die Umwelt werde weiter „in Grund und Boden geritten“ – und da nütze es der Gesellschaft auch nichts, wenn Arbeitsplätze geschaffen und Gewerbesteuer gezahlt werde, so die Deitermanns. Ihr Appell an die Politiker: „Gehen Sie mit uns gegen diesen Irrsinn des zunehmenden Schlachtbetriebs an!“

7 Am Donnerstag (16. 9.) entscheidet der Rat der Stadt um 18 Uhr über weitere Schritte im Planverfahren.

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