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Verfolgungsjagd vom Sommer durch die Coesfelder City

Beschuldigter sitzt schon eine andere Strafe ab

Coesfeld (ds). Der 28-jährige Coesfelder, der sich am 18. Juli vorigen Jahres in der Innenstadt eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert und dabei zahlreiche Passanten in Angst und Schrecken versetzt, zum Teil sogar leicht verletzt hatte, schweigt weiter zu seinen Motiven. Das teilte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Münster, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Die Polizei hat die Ermittlungen in dem Fall jetzt abgeschlossen und die Akten zur weiteren Bearbeitung der Staatsanwaltschaft übergeben. Ob sie wegen Mordversuch, so der bisher genannte Ermittlungsgrund, Anklage erheben wird, ist noch offen.

Detlef Scherle

Der Fahrer rammte einen Blumenkübel in der Außengastronomie von Haselhoff in der Ritterstraße. Foto: Archiv

Wie berichtet, war der Beschuldigte, nachdem ihn Polizeibeamte kontrollieren wollten, mit seinem Wagen geflohen – und konnte erst neun Tage später nach intensiver Fahndung mit Foto und Namensnennung in Münster festgenommen werden. Eine Polizeibeamtin, die privat unterwegs war, hatte ihn erkannt. Der Wagen war bereits am Tatabend am Burgring aufgefunden worden.

Der Fahrer kam in Untersuchungshaft. Die währte jedoch nicht lange, wie Botzenhardt erklärte. Der Coesfelder hat nämlich zwischenzeitlich wegen einer anderen Sache eine Haftstrafe antreten müssen. Bereits Anfang Februar hatte ihn das Landgericht Münster wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt. Am 14. Juli, also vier Tage vor der Verfolgungsjagd in Coesfeld, war ihm die Aufforderung zugestellt worden, sich zum Haftantritt in der Justizvollzugsanstalt zu melden. Ob das der Grund war, warum er bei der Kontrolle flüchtete, darüber wollte Botzenhardt nicht spekulieren. Was dagegen spricht: Der Verurteilte hätte nach Zustellung der Aufforderung, sich zu melden, sogar noch etwa zwei Wochen Zeit dafür gehabt.

Die Motivlage des Mannes sei weiterhin unklar, sagte Botzenhardt.

Die Vorfälle vom 18. Juli haben sich ins Gedächtnis der Passanten, die diese miterlebten, fest eingebrannt. In der engen Durchfahrt beim Hotel-Restaurant Haselhoff in der Ritterstraße hatte der Täter einen Blumenkübel gerammt, dessen Teile durch die Luft flogen und zwei Personen in der voll besetzten Außengastronomie leicht verletzten. Später soll er auf der Flucht noch zwei parkende Autos beschädigt haben. Ein Kind habe sich nur mit einem Sprung zur Seite retten können, hieß es. Viele fühlten sich an die Amokfahrt am „Kiepenkerl“ in Münster erinnert. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es noch im 1. Quartal dieses Jahres zur Anklageerhebung kommt.

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