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Großzügiges Vermächtnis von Dr. Heiner Hoffmeister

Bürgerstiftung erbt alte Sparkasse

Coesfeld

Als die Testamentsvollstreckerin zum ersten Mal vorsprach, waren alle im Vorstand der Bürgerstiftung ziemlich baff: Die Stiftung habe ein Haus geerbt, teilte sie mit. Und zwar nicht irgendeines, sondern die geschichts-trächtige alte Sparkasse an der Ecke Letter Straße / Jakobiring. Dort wohnte bis zu seinem Tod am 2. Mai 2021 der Tierarzt Dr. Heiner Hoffmeister. Zeit seines Lebens war der Vollblut-Karnevalist Förderer von Kunst, Kultur und Brauchtum. Und bleibt es mit diesem Vermächtnis über seinen Tod hinaus. „Das ist extrem großzügig und zeugt auch von einer hohen Wertschätzung für die Arbeit der Bürgerstiftung“, freut sich Johannes Evers, Vorsitzender der Bürgerstiftung, über die Zuwendung von Hoffmeister. Sie beinhaltet das markante zweigeschossige und fünfachsige Haus aus roten Ziegeln und Sandsteinelementen (Baujahr: 1912). Das Interieur, insbesondere Möbel und Kunst, ist weiteren Erben zugedacht.

Von Detlef Scherle

Die alte Sparkasse an der Berkel-Umflut (Letter Straße 34/Jakobiring 1) ist eines der wenigen erhalten gebliebenen Gebäude aus der Vorkriegszeit in der Stadt. Foto: Felix Brüggemann

„Wir haben das Erbe dankbar angetreten“, erklärte Evers gegenüber der AZ. Seit dem 23. Dezember 2021 ist die Bürgerstiftung nun als Besitzerin im Grundbuch eingetragen. Noch unklar ist, wie sie das Haus, in dem es neben Hoffmeisters noch zwei weitere vermietete Wohnungen gibt, künftig nutzen will. „Da gibt es aber auch gar keine Eile“, so Evers. Viele Nutzungen seien denkbar. Konkretes will er zu den unterschiedlichen Ideen noch nicht sagen. Das Spektrum dürfte aber von einer musealen oder kulturellen Nutzung bis hin zur Vermietung reichen, wobei entsprechende Erlöse dann der Stiftung zugutekämen.

Herausforderungen gibt es in jedem Fall. Denn das Gebäude steht seit dem 14. 1. 1983 unter Denkmalschutz. Es ist teilweise auch renovierungsbedürftig. Anders als Privatleute unterliegen Stiftungen, die Immobilien erben, rechtlichen Einschränkungen. So dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen aus dem Stiftungsvermögen heraus Investitionen zum Erhalt und zur Wertsteigerung getätigt werden. „Wir prüfen derzeit sehr gründlich, was möglich ist“, so Evers. Rechtlich und inhaltlich.

Was alles in dem Haus künftig möglich sein könnte, zeigt vielleicht auch schon ein Blick darauf, was in seiner Geschichte möglich war: Von der Stadt 1912 errichtet, diente es bis 1962 als Sitz der Stadtsparkasse, wie Stadtarchivar Norbert Damberg auf AZ-Nachfrage recherchierte. „Architekt war der Coesfelder Stadtbaurat Hermann Carl Wolters“, fand er in den Akten. Robert Klein, Sprecher der Sparkasse Westmünsterland, bestätigte, dass das Vorläufer-Institut dort residierte und erst im Oktober 1962 eigene Räume in der Kellerstraße bezog.

Bis in die 80er Jahre hinein fungierte das Haus auch als Wohnsitz für Coesfelder Bürgermeister und Stadtdirektoren sowie die Chefs des städtischen Schlachthofs. Damberg: „Der letzte in der Reihe, Stadtdirektor Rolf Witthaus und der letzte städtische Schlachthofveterinär Dr. Stiller bewohnten das Haus auch noch lange nach ihrer Pensionierung.“

Es gab aber auch schon früh kulturelle Nutzungen. Der Heimatverein habe darin nach seiner Gründung Ende der 20er Jahre über eigene Ausstellungsräume verfügt – „wie lange ist allerdings unbekannt“, so Stadtarchivar Damberg.

1983 wurde das Haus in die Denkmalliste eingetragen. Und schon zwei Jahre später beschloss der Rat der Stadt, es zu verkaufen. Die Entscheidung fiel mit großer Mehrheit (28-Ja-, zwei Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen). | Kommentar

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