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DaSein-Hospizbewegung blickt auf das vergangene Jahr zurück und hat einen großen Wunsch

„Coesfeld braucht ein stationäres Hospiz“

Coesfeld

Fast verdoppelt haben sich im vergangenen Jahr die Zahlen der Sterbe- und Trauerbegleitung, die die DaSein-Hospizbewegung angeboten hat. „Es waren 78 abgeschlossene Sterbe- und 20 Trauerbegleitungen, wobei wir 18 von letzteren mit in dieses Jahr genommen haben“, bilanziert Ursula Pich-Potthoff, eine der beiden hauptamtlichen Koordinatorinnen des Vereins. „Die Zahlen sind so hoch wie nie.“ Was zum einen dem demografischen Wandel geschuldet sein mag, zum anderen „hoffen wir, dass in diesem digitalen Zeitalter Informationen über uns auch leichter zugänglich sind.“ Denn die Zahlen der Begleitung seien seit Gründung des Vereins im Jahr 2000 kontinuierlich nach oben gegangen.

Von Jessica Demmer

Die DaSein-Hospizbewegung, hier vertreten durch die hauptamtlichen Koordinatorinnen Notgeria Frohnhoff (l.) und Ursula Pich-Potthoff (r.) mit Johanna Köning (1. Vorsitzende) und Heribert Frieling (Öffentlichkeitsarbeit), zieht eine Bilanz des vergangenen Jahres. Foto: Foto: jd

Im stetigen und freundschaftlichen Austausch seien sie, so berichtet 1. Vorsitzende Johanna Köning, sowohl mit den Nachbarhospizdiensten als auch mit dem stationären Hospiz in Dülmen. „Die gute Versorgung von Sterbenden und ihren Angehörigen im Kreis ist zwar gegeben, aber auch Coesfeld braucht ein stationäres Hospiz“, macht sie ganz deutlich. Und Heribert Frieling, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, ergänzt: „Überall werden Hospize eingerichtet. Es ist traurig, dass das in Coesfeld nicht klappt.“ Wenn Menschen mit einer schweren Erkrankung den Ort ihrer letzten Versorgung wählen müssen, können sie zu Hause bleiben, wenn die Familie das leisten kann. Viele wünschen sich aber auch eine Aufnahme in ein stationäres Hospiz. Wegen mangelnder Plätze ist das aber nicht immer möglich, dann kommt ein Altenheim in Betracht. „Ein weiteres Hospiz wäre da also eine sinnvolle Ergänzung zum jetzigen Angebot.“

130 Mitglieder hat der Verein und rund 60 aktive Ehrenamtliche, die in Coesfeld, Lette, Rosendahl und Eggerode tätig sind, so Johanna Köning. „Das sind hauptsächlich Frauen, wir wünschen uns da auf jeden Fall noch männliche Verstärkung“, sagt sie zwinkernd. Nicht zuletzt wegen der steigenden Nachfrage. Das würde auch dem Motto der DaSein-Hospizbewegung, dass Menschen, die nicht alleine sterben wollen, eine Begleitung verdient haben, zuträglich sein. Koordinatorin Notgeria Frohnhoff: „Gerade in der Coronazeit, als das alles nicht möglich war, hat es dahingehend sehr schmerzliche Erfahrungen gegeben, für Sterbende und Angehörige. Auch jetzt noch kommen Menschen zu uns, die in der Pandemie keinen Abschied nehmen konnten, und die die Trauer jetzt überwältigt.“

Corona sei zwar insgesamt ein Dämpfer im ganz persönlichen Kontakt gewesen, aber, sagt Johanna Köning, „wir haben den Kontakt nie abreißen lassen. Wir waren immer aktiv. Die mutigen Ehrenamtlichen haben sich einiges einfallen lassen, haben Spaziergänge angeboten oder Pakete geschickt.“ In dieser Zeit sei auch ein Konzept zur Einbindung von Methoden aus der Kunsttherapie entstanden. „Wir haben Mitarbeiter befähigt mit Musik und Kunst die Trauer- und Sterbebegleitung zu gestalten“, berichtet Ursula Pich-Potthoff. „So arbeiten wir zum Beispiel mit Acryl- sowie Aquarellfarben und Ton. Das gibt noch einmal einen anderen Zugang zu seelischen Vorgängen. Das ist sicher nicht für alle passend, aber so kommt man auch gut ins Gespräch. Wobei die Sprache natürlich immer noch unser Hauptmedium ist.“

7 Wer sich für die ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleitung bei der DaSein-Hospizbewegung interessiert, der kann sich Donnerstag (9. 2.) vormerken. Da findet in der Familienbildungsstätte um 19 Uhr eine Infoveranstaltung für den nächsten Befähigungskurs statt.

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