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Ende der Evangelischen Gemeindebücherei nach über 70 Jahren – Mentoring wartet auf neue Adresse

Das letzte Kapitel ist abgeschlossen

Coesfeld

Es ist schon ein trauriger Moment, als Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann den großen Blumenstrauß zum Abschied an Lore Schorn, die letzte Leiterin der Evangelischen Gemeindebücherei, übergibt. Nach über 70 Jahren ist das letzte Kapitel abgeschlossen: in der Bücherei gehen die Lichter für immer aus. Und trotzdem können die beiden Frauen froh in die Kamera lächeln: Das von Schorn gegründete und mit der Bücherei eng verbundene Mentoring-Projekt geht weiter. Die Bücherregale werden demnächst an anderer Stelle aufgebaut, der Bestand wird den Mentoren und den von ihnen begleiteten Kindern weiter zur Verfügung stehen. Wo? Darüber schweigt sich die Bürgerstiftung, die die Trägerschaft des Mentoring Coesfeld übernommen hat, noch aus.

Von Ulrike Deusch

Blumen zum Abschied: Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann (l.) bedankt sich bei der letzten Leiterin der Evangelischen Gemeindebücherei, Lore Schorn, die das Mentoring-Projekt gegründet hat. Die beiden haben gut lachen: Trotz Schließung bleiben die Bücher für die Mentoren verfügbar. Foto: Foto: ude

Dass die Bücherei nach so langer erfolgreicher Arbeit geschlossen werden muss, bedauert Henke-Ostermann sehr. „Sie war ein Kleinod. Ein Ort der Begegnung, des Wohlfühlens und der Bildung, der auch die Martin-Luther-Grundschule und die Kita an die Gemeinde angebunden hat“, sagt sie. „Aber in unserem künftigen Gebäudemanagement gibt es keine Möglichkeit, Räume für eine Bücherei vorzuhalten.“

Bekanntlich gibt die Gemeinde das komplette Areal an der Rosenstraße auf, gestaltet die Evangelische Kirche am Markt neu und siedelt dort auch pastorale und soziale Angebote an. An der Rosenstraße wird das Kapuzinerquartier als Innenstadtquartier neu entwickelt. Die Suche nach einem Investor läuft aktuell noch. Die Gemeinde hatte in Kooperation mit der Landeskirche eine Gebäudestrukturanalyse durchführen lassen, die unter anderem zu dem Ergebnis geführt hat, dass eine eigene Bücherei nicht mehr finanziert werden kann.

Viele Bücher hat das letzte Team der Ehrenamtlichen in den vergangenen Wochen und Monaten schon aussortiert und zum Beispiel bei Basaren angeboten oder für den Bücherschrank im Schlosspark zur Verfügung gestellt. „Wir haben kein einziges Buch weggeworfen, das hätte ich auch nicht gekonnt“, versichert Lore Schorn.

Sie war es, die, als sie vor rund 20 Jahren die Leitung der Bücherei übernahm, das Mentoring Coesfeld ins Leben rief und bei der Gemeindebücherei andockte. Ihr Engagement stellt Henke-Ostermann zum Abschluss noch einmal besonders lobend heraus: „Besser kann man ein Ehrenamt nicht gestalten.“ Mit großer Begeisterung und integrativer Kraft habe Schorn das Projekt, das vor allem über Fördergelder und Spenden finanziert wird, entwickelt und durch die Jahre geführt. Inzwischen hat bekanntlich Wolfgang Manthei die Leitung übernommen. Die Mentoren werden auch in Zukunft aus dem verbliebenen Bestand, der auch weiterhin gepflegt wird, Medien nutzen können.

Wann die Regale tatsächlich abgebaut werden müssen, weil die Gebäude abgerissen werden, ist völlig offen, berichtet Birgit Henke-Ostermann. Ebenso, wann die Bürgerstiftung dem Mentoring-Projekt die versprochene neue Bleibe zur Verfügung stellt.

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