Taxi-Unternehmen leiden unter der Corona-Krise – auch für heute erwarten sie keine große Nachfrage

„Das Wochenendgeschäft ist komplett tot“

Coesfeld. „Mit einem Taxi nach Paris“ fahren, wie es die Band Felix de luxe in den 80er Jahren launig propagierte – das geht wegen Covid-19 schon lange nicht mehr. Aber auch das lokale Geschäft der hiesigen Taxi-Unternehmen leidet erheblich unter der Pandemie. Für den heutigen Silvestertag, ergab eine Umfrage unserer Zeitung, liegen kaum Vorbestellungen vor. „Die Leute bleiben zu Hause“, erwartet Heinz Kestermann vom gleichnamigen Betrieb mit Sitz in Flamschen „einen ruhigen Jahreswechsel“. Ebenso wie bei Taxi Erdal (Hansestraße) ist auch bei ihm die Rufbereitschaft heute Nacht besetzt. Das ist für die einzigen beiden behördlich lizensierten Unternehmen in Coesfeld Pflicht. Das Angebot, spontan ein Taxi rufen zu können, ist aber auch an den vergangenen Feiertagen und Wochenenden kaum in Anspruch genommen worden. „Das Wochenendgeschäft ist komplett tot“, konstatiert Inhaber Erdal Öztokac. Das Gewerbe lebe derzeit hauptsächlich vom auch reduzierten Verkehr unter der Woche – und da vor allem von Krankenfahrten.

Detlef Scherle

Bei Heinz Kestermann stehen die Taxis derzeit mehr auf dem Hof in Flamschen herum, als dass sie unterwegs sind. Corona hat das Geschäft bis auf Krankenfahrten fast zum Erliegen gebracht. Foto: Detlef Scherle

Die Taxibranche hat es trotz Erfüllung aller Auflagen schwer in der Corona-Zeit. „Viele Kunden sind sehr unsicher geworden“, so Annette Kestermann. Da werde selbst der notwendige Arztbesuch schon mal aufgeschoben. Der massive Einbruch des Abendgeschäfts habe vor allem auch damit zu tun, „dass die Restaurants und Gaststätten alle zu sind.“ Es gebe kaum noch privat veranlasste Fahrten. So habe es auch zu Weihnachten kaum Abholungen vom Bahnhof gegeben – „die Leute hatten so gut wie keinen Besuch“.

Insgesamt 40 Prozent weniger Fahrten hätten sie in diesem Lockdown unter dem Strich, schätzt Frau Kestermann. Das sei schon bitter, zumal wegen der Rufbereitschaft einige Kosten gar nicht reduziert werden könnten.

Während Öztokac Mindereinnahmen mit Kurzarbeit bei Mitarbeitern auszugleichen versucht, geht Kestermann einen anderen Weg: „Wir verzichten nur auf Aushilfen. Unsere Festangestellten sollen keine Einbußen haben“, so Annette Kestermann.

Bei Taxi Hunke wird schon seit der ersten Welle kurzgearbeitet. „Aber wir lassen das rollieren, damit die Lasten verteilt werden“, erklärt Mitinhaber Michael Langenbach. Kurzarbeit habe ja auch erhebliche Folgen auf das Einkommen der Mitarbeiter. Hunke firmierte bereits vor Corona, im November 2019, um auf einen reinen Fahrdienst – ohne Bereitschaftspflicht. Der Fahrzeugbestand wurde von zwölf auf vier reduziert. Der Grund: „Wir beobachten den Markt. Es ist immer weniger geworden. Corona hat dem Ganzen jetzt nur noch die Krone aufgesetzt“, analysiert Langenbach die Lage der Branche. Er lebe derzeit dank ausgehandelter Verträge mit den Krankenkassen vor allem noch von Krankenfahrten. „Dadurch retten wir uns“, meint auch Öztokac. Strahlentherapie- und Dialyse-Patienten machten das Hauptaufkommen aus. „Das wird schon wieder“, bleibt der Chef von Taxi Erdal optimistisch, dass sich die Situation 2021 peu a peu verbessern wird.

„Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, betont auch Langenbach. Er geht allerdings davon aus, dass auch 2021 noch sehr schwierig bleibt. Helfen würden die Überbrückungsgelder des Staates. Leider, so Langenbach, müssten die aber immer vorfinanziert werden. Geld für die letzten drei Monate erwarte er erst im Februar: „Da hätte ich mir mehr Flexibilität erhofft.“ Annette Kestermann spricht von „einem blauen Auge“, mit dem man hoffentlich davonkommen werde: „Es kann nur besser werden.“

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