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Verein zur Förderung einer regionalen und naturnahen Nahrungsmittelproduktion gegründet

Der erste „Crowdsalat“ soll schon im Mai sprießen

Coesfeld / Dülmen

„Ich will noch was sagen“, meldet sich das frisch gewählte Vorstandsmitglied Benedikt Öhmann aus Coesfeld unter „Verschiedenes“ zu Wort. Ein Vorwand. Denn in Wirklichkeit lässt er es im folgenden Moment krachen. Eine kleine Sektfontäne schießt in die Höhe. Beifall bricht aus. 33 Mitglieder – die meisten aus Coesfeld und Dülmen – feiern auf der Tenne der Hofstelle 21 in der Dülmener Bauerschaft Welte die Gründung ihres Vereins. „Solawi Crowdsalat“ heißt er. Die Gründungsmitglieder schwören sich mit der Verabschiedung der Satzung und der Wahl eines ersten Vorstandes auf die Umsetzung eines ehrgeizigen Projektes ein, auf das schon zwei Jahre – vor allem von Mitgliedern von „Coesfeld for Future“ – hingearbeitet wurde: Auf eben jenem Hof in Welte soll auf einem Hektar Ackerland nachhaltig und biologisch Gemüse für die Mitglieder angebaut werden. Eine Gärtner-Familie inklusive weitere Hofgemeinschaft steht dafür bereit. Schon im Mai 2022 könnte, wenn alles klappt, der erste „Crowdsalat“ sprießen.

Von Detlef Scherle

Der erste Vorstand der Solawi (v. l.): Jonas Salvador, Andrea Kormann, Benedikt Öhmann, Heike Engelmann und Monika Heck. Alle Mitglieder sind gleichberechtigt. Einen Vorsitzenden gibt es nicht. Foto: Foto: ds

Öhmann zeichnet zu Beginn der Versammlung, die immer wieder durch das laute Wiehern der Pferde im benachbarten Stall aufgelockert wird, den langen Weg von der ersten Idee, die in einer Arbeitsgemeinschaft bei „Coesfeld for Future“ entstand, bis zum Startschuss an diesem Abend nach: „Wir hatten nichts“, erinnert er sich an die Anfänge. Und auch zwischendurch gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Hof und vor allem den Betreibern schwierig. Man habe aber nicht darauf warten wollen, dass „von oben“ von der Politik die Weichen für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion gestellt werden. „Jetzt bin ich froh und dankbar, dass wir hier stehen“, sagt er. „Wir wollen aktiven Klimaschutz hier machen. Wir packen das jetzt an“, betont er. Es geht nach seiner Darstellung auch nicht nur um die Kiste gesunden Gemüses, die jedes Mitglied wöchentlich als „Ernteanteil“ erhält. „Es geht um das große Ganze“, so Öhmann – ein anderes Wirtschaften im Einklang mit der Natur, gemeinsam wahrgenommene Verantwortung für die Zukunft auch der Kinder und Enkel sowie eine faire Entlohnung für die Produzenten der Lebensmittel.

„Wir sind die Menschen, die für euch Gemüse anbauen“, stellt Christian Höing, ein gebürtiger Coesfelder, sich, seine Familie und die Mitstreiter sowie die nächsten geplanten Schritte vor. Gemeinsam mit seiner Frau hat er in Witzenhausen auf einem Bio-Betrieb ökologische Landwirtschaft gelernt. Zunächst soll es, bis auf die Pferde, die schon auf dem Hof leben, keine Tiere geben. „Wie es weitergeht, ist dann aber offen“, erklärt er. Gemeinsam werde das dann mit den Mitgliedern besprochen. Aktuell ist schon jede Menge auf dem Hof zu tun. Das Gelände wird auf die Umstellung vorbereitet. Geplant ist der Bau von einigen Foliengewächshäusern. Dann geht es an den Anbauplan fürs nächste Jahr. Er lädt ein mitzuhelfen oder auch nur so mal vorbeizuschauen.

Die Formalien für die Vereinsgründung bringen die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft zügig über die Bühne: In den Vorstand werden neben Benedikt Öhmann (Coesfeld) Jonas Salvador (Coesfeld), Andrea Kormann (Velen), Heike Engelmann (Coesfeld) und Monika Heck (Coesfeld) gewählt. Erste Aufgabe ist es, noch mehr Mitglieder zu gewinnen. Für den Start werden 60 Personen benötigt. Und in zwei bis drei Jahren sollen es dann rund 120 sein, damit die Erzeuger auch wirklich mit ihren Familien voll davon leben können.

| www.crowdsalat.eu

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