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Corona-Hygienemaßnahmen dämmen auch weitere Virus-Erkrankungen ein

Deutlich weniger Grippefälle

Coesfeld. Mit den gültigen Hygienemaßnahmen – das Abstandhalten, die regelmäßige Handdesinfektion und das Tragen der Alltagsmasken, kurz: AHA-Regeln – soll bekanntlich eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus möglichst verhindert werden. Dass diese Regeln Wirkung zeigen, lässt sich auch mit einem Blick auf andere Infektionskrankheiten feststellen. Eine AZ-Nachfrage in vier Coesfelder Arztpraxen ergab, dass die Zahl der Infektionen, beispielsweise mit dem Grippevirus, deutlich gesunken ist.

Leon Seyock

Die Infektionen mit Viren – beispielsweise mit dem Grippevirus – sind dank der Hygienemaßnahmen aufgrund von Corona um die Hälfte zurückgegangen, schätzen einige befragte Hausärzte. Meist erfolgt in diesem Fall eine Krankschreibung per Telefon. Wer dennoch eine Praxis aufsuchen möchte, muss sich vorher telefonisch anmelden und wird in einer Infektionssprechstunde behandelt. Symbolbild: Pixabay Foto: az

„Drastisch eingebrochen“ sei die Zahl der Patienten, die mit Infektionssymptomen, etwa Schnupfen und Fieber, die Gemeinschaftspraxis Christiane van Dyk und Dr. med. Anja Morawe aufsuchen würden, wie die Medizinische Fachangestellte Steffi Beumer schildert: „Im Vergleich zu den Vorjahren haben wir aktuell rund zwei Drittel weniger Patienten mit Infekten“, schätzt Beumer. Besonders Kinder seien momentan kaum von diesen Krankheiten betroffen, „hier macht sich die Schließung der Kindergärten bemerkbar“. Eine Rolle spiele aber auch, dass viele Patienten Angst hätten, mit Symptomen die Praxis aufzusuchen. Beumer: „Oft behandeln sich die Leute selbst oder wir stellen eine Krankschreibung telefonisch aus.“ Diese Möglichkeit können Ärzte bis zum 31. März nutzen.

Nicht nur die Krankheitsrate in Zusammenhang mit der Influenza, auch die Magen-Darm-Infektionen, Nasennebenhöhlenentzündungen und generell „alles, was auch über die Aerosole übertragen wird“, so Frank Mader, Facharzt für Innere Medizin in Lette, sei weniger geworden. „Die deutlich reduzierten Kontakte spielen hier eine besondere Rolle.“ Rund die Hälfte weniger Patienten, so schätzt er, behandelt er aktuell mit Infektionskrankheiten.

Ansteckungen mit ebendiesen Krankheiten würde es momentan vor allem im häuslichen Umfeld geben, wie Jaqueline Sanders, Medizinische Fachangestellte in der Gemeinschaftspraxis Dr. Ludger Höing und Dr. Christian Beckmann, erläutert. „Dadurch, dass draußen kaum noch etwas stattfindet, beschränken sich auch die Ansteckungen meist auf die eigenen Haushalte“, sagt sie.

Mit Symptomen der Influenza würden auch kaum Patienten die Gemeinschaftspraxis von Monika Kempchen und Agnes Roling betreten. Im Wartezimmer würden aktuell ausschließlich Patienten mit chronischen Krankheiten, etwa mit Rückenschmerzen oder Diabetes-Erkrankung, sitzen.

Strikt getrennt werden in den befragten Praxen die chronisch Erkrankten und die Patienten mit Infektionssymptomen behandelt. Dazu wurden spezielle Infektionssprechstunden eingerichtet, „in denen wir komplett vermummt unseren Patienten gegenübertreten“, erläutert Mader. Bei weiteren Symptomen, die auf eine Ansteckung mit dem Corona-Virus hinweisen, zum Beispiel Geschmacksverlust, werde ein Test durchgeführt.

Generell, so betonten alle befragten Hausärzte, sei eine telefonische Anmeldung zwingend erforderlich. Steffi Beumer: „Wir müssen eine Sicherheit zur Vergabe der Termine haben, damit sich die Patienten in unserem Haus nicht begegnen.“ Dazu werde in der Gemeinschaftspraxis van Dyk und Dr. Morawe der Hintereingang und ein entsprechender Raum genutzt. In Praxen, bei denen das nicht möglich ist, läuft die weitere Absprache ebenfalls telefonisch: „Wir rufen unsere Patienten an, wenn sie vor der Tür stehen und eintreten können“, so Mader und spricht dabei auch für die weiteren Praxen. Monika Kempchen betont außerdem, dass Termine in den Infektionssprechstunden „nicht länger als fünf Minuten dauern sollen“.

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