Werbung mit niedrigeren Tarifen sorgt für Ärger bei Kunden

Deutsche Glasfaser hängt irreführende Plakate ab

Coesfeld

Die Deutsche Glasfaser hat mit einer Nachwerbekampagne Kunden in Coesfeld verärgert, die im Rahmen der auch von der Stadt unterstützten Nachfragebündelung in den einzelnen Bezirken Verträge abgeschlossen hatten. Von mehreren Plakatwänden im Stadtgebiet prangte das Top-Angebot 1000 Mbit/s für 14,99 Euro. Der Coesfelder Ansgar Kayser (Name von der Redaktion geändert) hatte am 29. März den Vertrag zum damaligen Angebotspreis von 24,99 Euro gezeichnet. Die Nachfragebündelung in seinem Bezirk lief offiziell bis zum 3. April. Schon drei Tage später fand er aber einen Flyer in seinem Briefkasten, auf dem für monatlich zehn Euro günstigere Tarife hingewiesen wird, wenn man jetzt noch kurzfristig dabei ist. „Da fühlt man sich als Kunde doch verschaukelt“, so Kayser – „es kann doch nicht sein, dass Nachzügler bessere Konditionen bekommen.“ Schließlich habe auch die Bürgermeisterin in einem Brief an alle Anlieger dafür geworben, im Rahmen der Nachfragebündelung Verträge abzuschließen, um den weiteren Glasfaserausbau im Stadtgebiet sicherstellen zu können. Kayser: „Wer darauf gehört hat, wird nun bestraft.“

Von Detlef Scherle

Auch auf Großplakattafeln wurde für die günstigen Konditionen für „Nachzügler“ geworben – zum Verdruss derer, die im Rahmen der Nachfragebündelung Verträge abgeschlossen hatten. Foto:

Er habe dann bei der Deutschen Glasfaser angerufen, um den günstigeren Tarif auch noch für sich einzufordern. Nach einigem Hin und Her habe am Ende aber die klare Botschaft gestanden, dass das nicht geht. Auch eine Beschwerde bei der Stadt brachte keinen Erfolg. Das sei „ein ganz normaler Vorgang“, dass der Vertrieb solche neuen Konditionen raushauen kann, um die Anschlussdichte noch zu erhöhen, soll der zuständige Projektleiter gesagt haben.

Der, der sich im Sinne der Stadt und des Gemeinwohls im Rahmen der Nachfragebündelung früh entscheidet, soll also am Ende der Dumme sein? Die AZ hat dazu bei Bürgermeisterin Eliza Diekmann nachgehakt. Die wollte sich noch nicht dazu äußern, kündigte aber klärende Gespräche mit der Deutschen Glasfaser an. Dort angeklingelt hat auch unsere Zeitung. Ist diese Vertriebspraxis nicht kontraproduktiv für den Glasfaserausbau im weiteren Stadtgebiet?, fragten wir Pressesprecher Dennis Slobodian. Nach Rücksprache mit der Vertriebsabteilung räumte er ein, dass da „in der Tat ein Fehler gemacht“ worden sei. Ja, es gebe nachgelagerte Werbung, um die Anschlussquoten im Nachhinein noch zu erhöhen, berichtete er. Aber die finde frühestens anderthalb Jahre nach dem Ausbau des entsprechenden Gebietes statt. Und wer da zugreife, bekomme seinen Anschluss dann auch viel später als die anderen. „Das ist strikt getrennt zu aktuellen Ausbaugebieten“, betonte er.

Der Fehler, erklärte er, sei in der Vertriebsabteilung wohl gemacht worden, weil die Deutsche Glasfaser sonst vorwiegend in kleineren Städten und Gemeinden unterwegs sei, wo in der Regel längere Zeit nach dem Ausbau flächendeckend nachgeworben werden könne. In Coesfeld, wo die Nachfragebündelung in einigen Gebieten noch läuft, sei das dagegen problematisch, räumte er ein. Da in einigen Gebieten der Ausbau mittlerweile schon längere Zeit zurückliegt, habe man da gezielt nachakquirieren wollen. Dabei sei aber leider nicht darauf hingewiesen worden, dass die neuen Konditionen nur für diese Gebiete gelten. „Auf den Plakaten gab es darauf keinen Hinweis“, räumte er ein. Und solche Schilder oder Flyer zu sehen, sei für Kunden, die ihren Vertrag gerade abgeschlossen hätten, natürlich irritierend. Irreführende Plakate sollen nun entfernt werden. „Wir können uns dafür nur entschuldigen“, so Slobodian.

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