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Grüne verärgert über neue Fraktion „Familie“ im Stadtrat

Die beiden Einzelkämpfer tun sich zusammen

Coesfeld

Bisher waren sie Einzelkämpfer im Rat der Stadt Coesfeld – und von daher nur eingeschränkt handlungsfähig – jetzt haben sie sich zu einer Fraktion mit dem Namen „Familie“ und deutlich mehr Möglichkeiten, Ideen umzusetzen, zusammengeschlossen: Marcel Stratmann, der im September 2020 als einziges Mitglied der Familienpartei in das Gremium eingezogen war, und Angela Kullik, die Ende April 2021 wegen „Reibereien“ die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen verlassen hatte, aber Parteimitglied geblieben war (wir berichteten). „Unsere Schwerpunkte in der Ratsarbeit überschneiden sich, sodass eine Zusammenarbeit sinnvoll ist“, betont Stratmann. „Die Lebensqualität von Familien geht einher mit Klimaschutz und Tierwohl, und das möchten wir gemeinsam angehen“, ergänzt Kullik. Die neue zweiköpfige Fraktion, die noch durch sachkundige Bürger erweitert werden soll, wollen sie als Doppelspitze führen.

Von Detlef Scherle

Als Doppelspitze der neuen Fraktion „Familie“ wollen Marcel Stratmann (Familienpartei) und Angela Kullik (Bündnis 90/Die Grünen) Brücken bauen zwischen ökologischer und an Familien orientierter Politik. Foto:

Beide konnten bisher nur in je einem Ausschuss mitarbeiten. Die neue Fraktion bekommt künftig Sitz und Stimme in allen Ausschüssen. Mehr Geld erhält sie hingegen nicht unbedingt. 812 Euro im Jahr stehen ihr zu, wie Stadtsprecherin Andrea Zirkel erläutert. Zuletzt waren Stratmann als Einzelkämpfer per Ratsbeschluss aber auch schon 406 Euro zugesprochen worden. Falls die Ausschüsse nicht per Ratsbeschluss vergrößert werden, dürften die Grünen Verlierer der Entwicklung sein. Auch finanziell. Denn die Höhe der Entschädigung orientiert sich auch an der Zahl der Ratsmitglieder.

„Das ist in hohem Maße undemokratisch“, kritisiert Norbert Vogelpohl, Vorsitzender der Coesfelder Grünen, Kulliks Verhalten. Die Fraktion habe sie aufgefordert ihr Mandat, dass sie nicht direkt, sondern über die Grünen-Liste errungen habe, zurückzugeben. Dass von ihrem Schritt nun die Familienpartei, ein Mitbewerber auch auf anderen politischen Ebenen, profitiert, „verzerrt“ in seinen Augen auch „in eklatanter Weise den Wählerwillen“.

Besonders pikant ist die Situation, weil Kullik weiter Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen geblieben ist. „Wir prüfen, ob sie durch ihr Verhalten nicht automatisch ausgetreten ist“, kündigt Vogelpohl an. Dazu sei man in Gesprächen mit der Landespartei.

Kullik gehört auch dem Kreistag an. Das Mandat dort will sie niederlegen, falls das nötig sein sollte, erklärt sie. „Ich will den Grünen doch nicht schaden“, hebt sie hervor. Inhaltlich gehe es ihr weiter um grüne Politik, die sie in der neuen Konstellation besser umsetzen könne als in der alten Fraktion: „Die hampelt schon ein halbes Jahr rum, hat aber noch keinen einzigen Baum gerettet.“ Kullik unterstreicht, dass als sachkundige Bürger der neuen Fraktion nicht nur Mitglieder der Familienpartei, sondern auch Parteilose, die ebenfalls grün denken, berufen werden sollen.

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