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Viele Termine im Amtsgericht ausgebucht

„Die Nachfrage ist anhaltend hoch“

Coesfeld. Anhaltend hoch, und das schon seit mehreren Jahren, sei die Zahl der Kirchenaustritte im Bezirk des Amtsgerichts Coesfeld. Im Jahr 2018 waren es noch insgesamt 388 Austritte, ein Jahr später kehrten 652 Menschen der evangelischen oder katholischen Kirche den Rücken. „Das war der bislang größte Sprung“, sagt Rolf König, Direktor des Amtsgerichtes, mit Blick auf die Zahlen. 2020 traten insgesamt 525 Personen aus der Kirche aus, in diesem Jahr waren es mit Stichtag zum 30. April schon 262 Personen.

Leon Seyock

Die Grafik zeigt die Kirchenaustritte im gesamten Bezirk des Amtsgerichts Coesfeld. Die höchste Zahl der Austritte verzeichnete das Gericht 2019. Foto: Archiv

Das sagen die Kirchengemeinden

Gespräche mit den betroffenen Personen würden nach einem Kirchenaustritt nicht geführt, sagt Stephan Wolf, Pfarrer in der Gemeinde St. Johannes Lette. Die meisten Kirchenaustritte – rund 90 Prozent, so vermutet er – würden von Personen stammen, die ihren Wohnsitz ohnehin nicht mehr in der Heimatgemeinde hätten. Seltener komme es durch „Entfremdung in einem schleichenden Prozess“ zu der Entscheidung, der Kirche den Rücken zu kehren. Er räumt ein, dass auch Skandale wie Missbräuche in der katholischen Kirche für Austritte sorgen, doch diese seien in seinen Augen „hochgespielt“. Die Kirche bestehe aus „den Werten von damals“, und Wolf stellt infrage, ob die heute gelebte Gesellschaft, „in der die Solidarität und der Zusammenhalt immer weiter schwindet“, eine bessere sei als die von damals. Das System Kirche könne „nicht von heute auf morgen“ verändert werden, so Wolf. Von einem „Reformationsstau“ spricht Johannes Hammans, Dechant der Anna-Katharina-Gemeinde, was unter anderem der Grund für die zunehmende Entfremdung von der Kirche sein könne. Damit sich etwas ändere, müsse Druck aufgebaut werden. Hammans habe aber beobachten können, dass dieser Druck auch von Bischöfen „nach oben weitergegeben“ werde. Zunehmend schwierig sei es für die Kirche, kommentiert Birgit Henke-Ostermann, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde, besonders die jungen, berufstätigen Menschen von der Kirche zu überzeugen. „Die traditionelle Bindung fällt häufig weg“, so Henke-Ostermann. Auch sei die Haltung gegenüber der Kirche zunehmend kritischer geworden. Die Zahl der Kirchenaustritte müsse als „Alarmsignal“ gesehen werden, Aufgabe der Kirche sei es, in schönen Momenten wie Taufen oder Trauungen von sich zu überzeugen. Von der Lamberti-Gemeinde war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.   -lsy-

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