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„8 Frauen“ feiert an der Freilichtbühne trotz Gewitterregen großartige Premiere

Ein echtes Meisterstück kreiert

Coesfeld

Sie sind ein echtes Wagnis eingegangen – sieben Frauen und ein Mann, der eine Frau spielt, haben sich vor zehn Monaten auf den Weg gemacht, ein Stück in Eigenregie zu erarbeiten. Regie, Musik, Bühnenbild, Kostüme – alles haben sie selbst gestemmt. „Wir haben dem Druck standgehalten und uns nicht ermordet“, schmunzelt Lynn Albert bei der Begrüßung der Premierengäste. Das Wagnis ist mehr als geglückt, das kreative Team hat mit der Inszenierung der Krimikomödie „8 Frauen“ von Robert Thomas ein echtes Meisterwerk kreiert.

Von Ursula Hoffmann

Die Schwestern Susanne (Felice Böcker, links) und Catherine (Lynn Albert) tun alles, um den Mord an ihrem Vater aufzuklären und bringen dabei gut verborgene Geheimnisse ans Licht. Foto:

Eine Familie trifft sich in den 60er Jahren auf einem alten Adelssitz, um fröhlich Weihnachten zu feiern. Doch der Hausherr liegt tot in seinem Bett, das Haus ist eingeschneit, Telefon und Auto sind kaputt – Hilfe ist also nicht in Sicht und es wird immer deutlicher, dass unter ihnen die Mörderin sein muss. Was wie eine Idylle beginnt, entwickelt sich im stilecht eingerichteten Wohnzimmer mit Plüschcouch, alter Standuhr und Blumenservice schnell zu einer kammerspielartigen Farce. Denn die acht Frauen sind echte Biester, jede hätte ein Motiv, den Hausherrn umzubringen.

Häppchenweise lernt das Publikum die Charaktere und ihre Beziehungen zum Opfer kennen. Da tun sich wahre Abgründe auf, in die man als Zuschauer gespannt und amüsiert blickt. Dabei gelingt es dem hervorragenden Ensemble über fast drei Stunden, die Spannungskurve permanent hoch zu halten. Alle Rollen sind perfekt ausgearbeitet und die Charaktere so gekonnt überzeichnet, dass es nie albern wird, sondern großen Spaß macht, sie zu beobachten. Übrigens nicht nur die, die gerade im Zentrum stehen, sondern auch die anderen, die in keiner Sekunde aus ihren Rollen fallen. Dabei wechseln sich böse-satirische Dialoge und köstliche Slapstickeinlagen mit sehr emotionalen Momenten ab, wenn die Frauen Einblick in ihr tiefstes Inneres geben. Das geschieht vor allem in den Liedern, jede hat eine Musiknummer, die ihre Persönlichkeit untermalt. Mal frivol, mal romantisch, mal nachdenklich, mal böse werden die von allen grandios gesungenen Lieder, die von sprechenden Choreografien (Daniela Vogel) umrahmt sind, zu umjubelten Highlights der Aufführung.

Aber auch schauspielerisch liefern alle Höchstleistungen ab. Gudrun Sczepanek beherrscht als Gaby, der eleganten Ehefrau des Opfers, alle Nuancen einer Diva. Tochter Cathrine (Lynn Albert) ist ein quicklebendiger, leicht hyperaktiver Teenager, ihre Schwester Susann (Felice Böcker) leitet souverän die Verhöre. Mamy (Annette Demmer) gibt sich sehr besorgt um alle, ist aber Alkoholikerin und geprägt von Geiz. Anna Walfort macht aus Gabys altjüngferlicher Schwester Augustine eine verbiesterte Giftspritze mit großartigem Mienenspiel – ein echtes Kabinettstückchen. Klasse auch Celine Bergerbusch als kapriziöse Schwägerin Pierrette, ein echter Vamp im knallroten Kleid. Hausmädchen Louise (Sabrina Bernemann) ist sexy und aufmüpfig und Madame Chanel, als Köchin die gute Seele des Hauses, wird hinreißend verkörpert von Steffen Hertz.

Den Geheimnissen der Frauen und der überraschenden Lösung nachzuspüren, sollte man in diesem Sommer nicht verpassen.

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